Enteraler Nahrungsaufbau bei VLBW: NEC-Prävention
Hintergrund
Bei sehr unreifen Frühgeborenen (< 32 Schwangerschaftswochen) oder Säuglingen mit sehr geringem Geburtsgewicht (VLBW, < 1500 g) besteht ein hohes Risiko für eine nekrotisierende Enterokolitis (NEC).
Häufig wird der enterale Nahrungsaufbau verzögert, um den unreifen Gastrointestinaltrakt zu schonen und Nahrungsunverträglichkeiten zu vermeiden.
Es bestehen jedoch Bedenken, dass eine späte Nahrungsmitteleinführung die funktionelle Adaptation des Darms beeinträchtigt. Zudem verlängert sich dadurch die Notwendigkeit einer parenteralen Ernährung, was eigene Risiken birgt.
Ein Cochrane Review aus dem Jahr 2022 untersucht die Effekte eines verzögerten (vier oder mehr Tage nach der Geburt) gegenüber einem früheren Beginn des enteralen Nahrungsaufbaus. Ziel ist die Evaluation von NEC-Inzidenz, Mortalität und weiteren Morbiditäten.
Empfehlungen
Der Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse folgende Kernaussagen zum enteralen Nahrungsaufbau:
Nekrotisierende Enterokolitis und Mortalität
Laut Meta-Analyse reduziert ein verzögerter Nahrungsaufbau (nach mehr als vier Tagen) das Risiko für eine NEC wahrscheinlich nicht (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit). Auch in Bezug auf die Gesamtmortalität vor der Krankenhausentlassung zeigt sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen.
Infektionsrisiko und Nahrungsunverträglichkeit
Es wird dargelegt, dass eine verzögerte Einführung die Rate an Nahrungsunverträglichkeiten leicht senken kann. Demgegenüber steht jedoch ein wahrscheinlich erhöhtes Risiko für späte invasive Infektionen bei verzögertem Beginn (Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit).
Spezielle Risikogruppen
Die fehlende Risikoreduktion durch einen verzögerten Nahrungsaufbau gilt laut Review auch für folgende Hochrisikogruppen:
-
Säuglinge mit intrauteriner Wachstumsretardierung
-
Feten mit fehlendem enddiastolischem Blutfluss in der Aorta oder Umbilikalarterie
-
Feten mit umgekehrtem enddiastolischem Blutfluss (AREDFV)
Vergleich der Ernährungsstrategien
Der Review vergleicht die klinischen Endpunkte bei früher (< 4 Tage) versus verzögerter (≥ 4 Tage) Einführung des enteralen Nahrungsaufbaus:
| Klinischer Endpunkt | Effekt bei verzögertem Beginn | Vertrauenswürdigkeit (GRADE) |
|---|---|---|
| Nekrotisierende Enterokolitis (NEC) | Keine signifikante Risikoreduktion (RR 0,81) | Niedrig |
| Gesamtmortalität | Kein signifikanter Unterschied (RR 0,97) | Niedrig |
| Nahrungsunverträglichkeit | Leichte Risikoreduktion (RR 0,81) | Niedrig |
| Invasive Infektionen | Erhöhtes Risiko (RR 1,44) | Moderat |
💡Praxis-Tipp
Ein kontraintuitiver Befund der Meta-Analyse ist, dass ein verzögerter Nahrungsaufbau zur Schonung des Darms das NEC-Risiko nicht signifikant senkt, aber das Risiko für invasive Infektionen erhöht. Es wird daher nahegelegt, den progressiven enteralen Nahrungsaufbau bei klinisch stabilen VLBW-Frühgeborenen nicht routinemäßig über den vierten Lebenstag hinaus zu verzögern.
Häufig gestellte Fragen
Laut Meta-Analyse bringt eine Verzögerung über den vierten Lebenstag hinaus keine signifikanten Vorteile bezüglich NEC oder Mortalität. Ein früherer Beginn wird mit einem geringeren Risiko für invasive Infektionen assoziiert.
Der Review zeigt, dass ein verzögerter Beginn das Risiko für eine NEC bei sehr unreifen Frühgeborenen nicht signifikant reduziert. Dies gilt auch für Kinder mit intrauteriner Wachstumsretardierung.
Es wird beschrieben, dass eine späte Einführung von enteraler Nahrung das Risiko für späte invasive Infektionen wahrscheinlich erhöht. Zudem verlängert sich die Notwendigkeit einer parenteralen Ernährung.
Die Meta-Analyse fand keine Evidenz für unterschiedliche Effekte je nach Art der verwendeten Milch beim Zeitpunkt des Nahrungsaufbaus. Grundsätzlich ist jedoch bekannt, dass Muttermilch das NEC-Risiko im Vergleich zu Formula-Nahrung senkt.
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Quelle: Cochrane Review: Delayed introduction of progressive enteral feeds to prevent necrotising enterocolitis in very low birth weight infants (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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