Duale Plättchenhemmung (DAPT) bei KHK: Therapiedauer
Hintergrund
Die aktualisierte Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC), kommentiert durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), behandelt die duale antithrombozytäre Therapie (DAPT) bei koronarer Herzkrankheit.
Ein zentraler Aspekt der Aktualisierung ist die Individualisierung der DAPT-Dauer nach koronarer Stentimplantation. Diese richtet sich nun primär nach dem individuellen ischämischen Risiko und dem Blutungsrisiko, wofür validierte Scores wie der PRECISE-DAPT-Score herangezogen werden.
Zudem macht die Leitlinie keinen Unterschied mehr in der DAPT-Dauer zwischen Drug-eluting-Stents (DES) und Bare-metal-Stents (BMS). Eine angestrebte kurze DAPT-Dauer stellt somit keine Begründung mehr für die Verwendung eines BMS dar, da moderne DES auch bei kurzer Plättchenhemmung ein geringeres Risiko für ischämische Komplikationen aufweisen.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie rechtfertigt der Wunsch nach einer kurzen DAPT-Dauer nicht mehr die Implantation eines Bare-metal-Stents (BMS), da moderne Drug-eluting-Stents (DES) auch bei kurzer Plättchenhemmung sicherer sind. Zudem wird ausdrücklich davor gewarnt, Patienten mit NSTE-ACS und unbekannter Koronaranatomie blind mit Prasugrel vorzubehandeln, da dies das Blutungsrisiko ohne klinischen Nutzen signifikant erhöht.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt im Regelfall eine DAPT-Dauer von 6 Monaten nach Stentimplantation bei stabiler Angina pectoris. Bei hohem Blutungsrisiko kann eine Verkürzung auf bis zu 1 Monat erfolgen, bei niedrigem Blutungsrisiko ist eine Verlängerung auf bis zu 30 Monate möglich.
Es wird empfohlen, Prasugrel bei NSTE-ACS erst nach diagnostizierter Koronaranatomie und feststehender Indikation zur PCI zu verabreichen. Eine routinemäßige Vorbehandlung vor der Herzkatheteruntersuchung wird aufgrund eines erhöhten Blutungsrisikos nicht empfohlen.
Die Dauer der Triple-Therapie aus OAK, ASS und Clopidogrel sollte so kurz wie möglich gehalten werden. Je nach Blutungs- und Ischämierisiko wird eine Dauer von 1 bis maximal 6 Monaten empfohlen, gefolgt von einer dualen Therapie bis zum Ablauf von 12 Monaten.
Bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom sollte die Umstellung auf Ticagrelor frühzeitig und unabhängig von der letzten Clopidogrel-Einnahme erfolgen. Dabei wird laut Leitlinie eine Aufsättigungsdosis von 180 mg Ticagrelor verabreicht.
Die Leitlinie empfiehlt den PRECISE-DAPT-Score zur Abschätzung des Blutungsrisikos. Ein Wert von 25 oder höher definiert ein hohes Blutungsrisiko und rechtfertigt in der Regel eine Verkürzung der DAPT-Dauer.
Wenn ein P2Y12-Inhibitor vor einem Eingriff abgesetzt werden muss, empfiehlt die Leitlinie definierte Zeitfenster. Prasugrel sollte 7 Tage, Clopidogrel 5 Tage und Ticagrelor 3 Tage vor der Operation pausiert werden.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Kommentar zu der Leitlinienaktualisierung (2017) der ESC zur dualen antithrombozytären Therapie (DAPT) bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Pocket-Leitlinie: Duale antithrombozytäre Therapie (DAPT) bei Koronarer Herzkrankheit (Version 2017)
Antithrombotische Therapie für kardiologische Eingriffe bei Patienten mit Thrombozytopenie bei onkologischen Erkrankungen Konsensuspapier der
Antithrombotische Therapie nach strukturellen kardialen Interventionen Empfehlung der Arbeitsgruppe Kardiovaskuläre Hämostase und Antithrombotische
Kommentar zu den Leitlinien (2023) der ESC zum Akuten Koronarsyndrom (ACS)
Kommentar zu den Leitlinien (2018) der ESC und EACTS zur Myokardrevaskularisation
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen