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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Myokardrevaskularisation: ESC/EACTS-Leitlinie (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die hämodynamische Relevanz von Stenosen <90 % muss zwingend mittels FFR oder iwFR nachgewiesen werden.
  • Bei komplexer Mehrgefäßerkrankung und/oder Diabetes mellitus bietet die Bypassoperation (CABG) einen Überlebensvorteil gegenüber der PCI.
  • Die Möglichkeit zur kompletten Revaskularisation ist ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl des Verfahrens.
  • Im kardiogenen Schock (STEMI/NSTE-ACS) soll während der primären PCI routinemäßig nur die Culprit-Lesion versorgt werden.
  • Der radiale Zugang und Drug-Eluting Stents (DES) der neuesten Generation sind der Standard bei der PCI.
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Hintergrund

Die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) und der Europäischen Assoziation für Herz- und Thoraxchirurgie (EACTS) zur Myokardrevaskularisation liefert evidenzbasierte Empfehlungen zur Behandlung der koronaren Herzkrankheit (KHK). Ziel der Revaskularisation ist die Verminderung von Ischämie-Symptomen und die langfristige Senkung von Mortalität und Morbidität. Die Entscheidung für eine perkutane Koronarintervention (PCI) oder eine koronare Bypassoperation (CABG) erfordert eine individuelle Abwägung im Herz-Team.

Indikation zur Revaskularisation

Abgesehen von höchstgradigen Stenosen (>90 %) in proximalen Gefäßabschnitten reicht die rein angiographische Beurteilung nicht aus. Die hämodynamische Relevanz muss dokumentiert werden durch:

  • Nichtinvasive bildgebende Funktionstests
  • Invasive Messungen mittels fraktioneller Flussreserve (FFR ≤0,80) oder instantaner wave-free ratio (iwFR ≤0,89)

Eine prognostische Indikation zur Revaskularisation besteht bei:

  • Hämodynamisch relevanter Stenose des linken Hauptstamms oder des proximalen R. interventricularis anterior (LAD)
  • Mehrgefäßerkrankung mit eingeschränkter linksventrikulärer Funktion (EF <35 %)
  • Großem ischämischen Areal (>10 % der linksventrikulären Masse oder FFR <0,75)

Wahl des Verfahrens: PCI vs. CABG

Die Wahl zwischen PCI und CABG hängt maßgeblich von der Komplexität der Koronaranatomie (gemessen am SYNTAX-Score), dem Vorliegen eines Diabetes mellitus und der Möglichkeit zur kompletten Revaskularisation ab. Letztere sollte bei der Entscheidungsfindung priorisiert werden (IIa B).

AnatomieKomplexität (SYNTAX)DiabetesBevorzugtes Verfahren
1- oder 2-GefäßNiedrig / MittelNein / JaPCI oder CABG (bei prox. LAD) gleichwertig
HauptstammNiedrig (<23)Nein / JaCABG (I A) oder PCI (I A)
HauptstammHoch (≥33)Nein / JaCABG (I A), PCI nicht empfohlen (III B)
3-GefäßNiedrigNeinCABG (I A) oder PCI (I A)
3-GefäßMittel / HochNeinCABG (I A), PCI nicht empfohlen (III A)
3-GefäßAlleJaCABG (I A), PCI nur ausnahmsweise (IIb A)

Anmerkung: Zur Risikostratifizierung der operativen Mortalität wird primär die Berechnung des STS-Scores empfohlen (I A).

Akutes Koronarsyndrom (ACS)

Die zeitgerechte PCI der für das ACS verantwortlichen Läsion ("culprit lesion") bleibt das Mittel der ersten Wahl.

  • STEMI: Zügige Versorgung der Culprit-Lesion. Übrige relevante Stenosen sollten noch während des stationären Aufenthaltes behandelt werden (IIa A).
  • NSTE-ACS: Bei instabilen Patienten muss die PCI binnen 2 Stunden erfolgen (I C).
  • Kardiogener Schock: Basierend auf der CULPRIT-SHOCK-Studie sollen während der primären PCI außer der Zielläsion routinemäßig keine weiteren Läsionen mitversorgt werden (III B).

Technische Aspekte der Revaskularisation

Bypassoperation (CABG)

  • Arterielle Grafts: Routinemäßige Verwendung der LIMA, Einsatz der bilateralen IMA (I B) und der A. radialis (I B) bei hochgradigen Stenosen.
  • Qualitätssicherung: Intraoperative Transit-Time-Flussmessung wird gefordert (IIa A).

Katheterintervention (PCI)

  • Stent-Wahl: Medikamentenbeschichtete Stents (DES) der neuesten Generation werden gegenüber unbeschichteten Stents (BMS) bei jeder PCI bevorzugt (I A). Bioresorbierbare Scaffolds werden außerhalb von Studien nicht empfohlen (III C).
  • Zugangsweg: Der radiale Zugang ist der Standardzugang (I A).
  • Bildgebung: Intravaskulärer Ultraschall (IVUS) oder optische Kohärenztomographie (OCT) sollten zur Stentoptimierung erwogen werden (IIa B).

Antithrombotische Therapie

Die Dauer und Intensität der dualen Antiplättchentherapie (DAPT) muss individuell nach Ischämie- und Blutungsrisiko abgewogen werden.

Klinische SituationStandard-TherapieBemerkung
Stabile KHK (elektive PCI)ASS + Clopidogrel für 6 MonateVerkürzung auf 1 Monat oder Verlängerung möglich
ACS (STEMI/NSTE-ACS)ASS + Ticagrelor/Prasugrel für 12 MonateDeeskalation auf Clopidogrel erwägbar (IIb B)
Triple-Therapie (mit OAK)DAPT + Orale AntikoagulationNOAK werden gegenüber Vitamin-K-Antagonisten bevorzugt (IIa A)

💡Praxis-Tipp

Berechnen Sie bei Patienten mit Mehrgefäßerkrankung oder Hauptstammstenose routinemäßig den SYNTAX-Score. Im kardiogenen Schock beschränken Sie die akute PCI strikt auf die Culprit-Lesion.

Häufig gestellte Fragen

Nur bei höchstgradigen Stenosen (>90 %) in proximalen Gefäßabschnitten. Bei allen anderen Läsionen muss die hämodynamische Relevanz (z. B. mittels FFR oder iwFR) nachgewiesen werden.
Die Bypassoperation (CABG) ist hier die Therapie der Wahl (Empfehlungsgrad I A), unabhängig von der anatomischen Komplexität. Eine PCI kommt nur in Ausnahmefällen in Betracht.
Nein. Gemäß den aktuellen Leitlinien soll während der primären PCI im kardiogenen Schock routinemäßig nur die für den Infarkt verantwortliche Läsion (Culprit-Lesion) versorgt werden.
Der radiale Zugang wird als Standardzugang empfohlen (Empfehlungsgrad I A), sofern keine zwingenden prozeduralen Gründe dagegen sprechen.
Nein. Medikamentenbeschichtete Stents (DES) der neuesten Generation werden für jede PCI empfohlen, unabhängig vom klinischen Bild oder dem Blutungsrisiko.

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