Arzneimittelsicherheit: PRAC-Empfehlungen 2020
Hintergrund
Das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat im Mai 2020 neue Sicherheitssignale bewertet. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) informierte darüber in der Drug Safety Mail 2020-47.
Das Dokument enthält verbindliche Textänderungen für die Fach- und Gebrauchsinformationen verschiedener Wirkstoffe. Ziel ist es, neu erkannte Nebenwirkungen und Interaktionen transparent darzustellen.
Die Anpassungen betreffen unter anderem Immunsuppressiva, Analgetika, Hormonersatztherapien und Antidepressiva. Es werden spezifische Warnhinweise und Kontraindikationen für den klinischen Alltag formuliert.
Empfehlungen
Das Dokument formuliert folgende Kernanpassungen für die jeweiligen Wirkstoffe:
Baricitinib
Das Dokument warnt vor dem Auftreten von Divertikulitis und gastrointestinalen Perforationen. Es wird zur Vorsicht bei Personen mit bekannter Divertikelerkrankung geraten.
Besondere Vorsicht ist laut PRAC geboten, wenn gleichzeitig Medikamente eingenommen werden, die das Divertikulitis-Risiko erhöhen. Dazu zählen:
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Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
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Kortikosteroide
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Opioide
Bei neu auftretenden abdominellen Symptomen wird eine sofortige Abklärung empfohlen.
Buprenorphin
Die gleichzeitige Gabe von Buprenorphin und serotonergen Wirkstoffen kann zu einem lebensbedrohlichen Serotoninsyndrom führen. Bei klinischer Notwendigkeit einer Kombinationstherapie wird eine sorgfältige Überwachung empfohlen, insbesondere bei Therapiebeginn und Dosissteigerungen.
Zu den interagierenden Substanzklassen gehören:
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MAO-Hemmer
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Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
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Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI)
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Trizyklische Antidepressiva
Bei Verdacht auf ein Serotoninsyndrom sollte je nach Schweregrad eine Dosisreduktion oder ein Therapieabbruch erwogen werden.
Hormonersatztherapie (HRT)
Das Dokument aktualisiert die Risikobewertung für Brustkrebs unter Hormonersatztherapie. Das Risiko ist abhängig von der Therapiedauer und wird nach etwa drei Jahren Anwendung deutlich.
Nach Absetzen der Therapie sinkt das Risiko im Zeitverlauf. Wenn die HRT jedoch länger als fünf Jahre angewendet wurde, kann das erhöhte Risiko für zehn Jahre oder länger bestehen bleiben.
| Therapieform | Brustkrebsrisiko | Anmerkung |
|---|---|---|
| Kombinierte Östrogen-Gestagen-HRT | Erhöht | Risiko wird nach ca. 3 Jahren deutlich |
| Östrogen-Monotherapie (systemisch) | Geringfügig erhöht | Risiko deutlich geringer als bei Kombinationstherapie |
| Vaginale Östrogene (niedrig dosiert) | Kein erhöhtes Risiko gezeigt | Systemische Exposition im postmenopausalen Bereich |
Mirtazapin und Sertralin
Für Mirtazapin und Sertralin werden neue Nebenwirkungen in die Fachinformationen aufgenommen. Bei Mirtazapin bildet sich die Amnesie in den meisten Fällen nach Absetzen der Therapie zurück.
| Wirkstoff | Neue Nebenwirkung / Risiko | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Baricitinib | Divertikulitis | Gelegentlich |
| Mirtazapin | Amnesie | Häufig |
| Mirtazapin | DRESS-Syndrom, SJS, TEN | Nicht bekannt |
| Sertralin | Mikroskopische Kolitis | Nicht bekannt |
Kontraindikationen
Das Dokument formuliert folgende strikte Warnhinweise und Kontraindikationen:
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Mirtazapin: Wenn unter der Therapie schwere Hautreaktionen (wie DRESS, SJS oder TEN) auftreten, muss die Behandlung sofort abgebrochen werden. Die Therapie darf zu keinem Zeitpunkt wieder aufgenommen werden.
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Buprenorphin: Bei Verdacht auf ein Serotoninsyndrom durch Interaktion mit Antidepressiva ist die Therapie zu reduzieren oder abzubrechen.
💡Praxis-Tipp
Es wird dringend geraten, bei der Verordnung von Baricitinib auf Begleitmedikationen wie NSAR, Kortikosteroide oder Opioide zu achten, da diese das Risiko für eine Divertikulitis signifikant erhöhen. Bei neu auftretenden Bauchschmerzen unter dieser Kombination sollte laut PRAC umgehend eine Abklärung auf gastrointestinale Perforationen erfolgen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Dokument sinkt das Risiko nach dem Absetzen kontinuierlich. Wurde die Hormonersatztherapie jedoch länger als fünf Jahre angewendet, kann das erhöhte Risiko für zehn Jahre oder länger bestehen bleiben.
Das Dokument stellt klar, dass Mirtazapin nach dem Auftreten schwerer Hautreaktionen wie dem DRESS-Syndrom sofort abgesetzt werden muss. Eine erneute Behandlung mit dem Wirkstoff ist in diesen Fällen strikt kontraindiziert.
Es wird vor der Kombination von Buprenorphin mit serotonergen Wirkstoffen gewarnt. Dazu gehören SSRI, SNRI, trizyklische Antidepressiva und MAO-Hemmer, da hierbei ein lebensbedrohliches Serotoninsyndrom auftreten kann.
Die Leitlinie gibt an, dass für niedrig dosierte, vaginal angewendete Östrogene kein erhöhtes Brustkrebsrisiko nachgewiesen wurde. Die systemische Aufnahme ist bei diesen Präparaten sehr gering.
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Quelle: AkdÄ: Änderung des Wortlauts von Fach- und Gebrauchsinformationen – Empfehlungen des PRAC. (AkdÄ, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.