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Menopause: Leitlinie zu Diagnose & Therapie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose der Menopause wird bei über 45-Jährigen rein klinisch gestellt; Laborparameter wie FSH oder AMH sind nicht indiziert.
  • Die Hormonersatztherapie (HRT) ist die primäre Behandlungsoption bei vasomotorischen Symptomen.
  • Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) wird als wirksame Option bei Hitzewallungen, Schlafstörungen und depressiven Symptomen empfohlen.
  • Bei urogenitalen Symptomen ist lokales vaginales Östrogen die Therapie der Wahl.
  • Bei erhöhtem Thromboserisiko (VTE) oder Adipositas sollte eine transdermale HRT bevorzugt werden.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie umfasst die Identifikation und das Management der Menopause. Sie richtet sich an Frauen, Transmänner und nicht-binäre Personen (bei Geburt weiblich registriert), die menopausale Symptome aufweisen oder zukünftig erleben werden. Die Therapieentscheidungen sollen stets individualisiert und im Rahmen eines Shared-Decision-Making-Prozesses getroffen werden.

Diagnostik

Die Diagnose der Peri- oder Menopause erfolgt bei ansonsten gesunden Personen ab 45 Jahren rein klinisch. Laboruntersuchungen wie Anti-Müller-Hormon (AMH), Inhibin A/B, Östradiol oder das Ovarialvolumen sollen nicht verwendet werden.

Alter / SituationDiagnostikKriterien / Bemerkung
≥ 45 JahreKlinischPerimenopause: neue vasomotorische Symptome + Zyklusunregelmäßigkeiten. Menopause: 12 Monate Amenorrhoe (ohne hormonelle Kontrazeption).
40–45 JahreFSH-Wert (Serum)Erwägen bei menopausalen Symptomen inkl. Zyklusveränderungen.
< 40 JahreFSH-Wert (Serum)Bei Verdacht auf vorzeitige Ovarialinsuffizienz (POI). 2 Proben im Abstand von 4–6 Wochen erforderlich.

Therapie vasomotorischer und psychischer Symptome

Die Behandlung richtet sich nach dem führenden Symptomkomplex. SSRI, SNRI oder Clonidin sollen nicht routinemäßig als Erstlinientherapie für rein vasomotorische Symptome angeboten werden.

Symptom1. Wahl / EmpfehlungAlternative / Ergänzung
Vasomotorisch (Hitzewallungen)HRT (Hormonersatztherapie)CBT (Kognitive Verhaltenstherapie), Fezolinetant (wenn HRT ungeeignet)
Depressive SymptomeHRT oder CBTGgf. Antidepressiva nach Depressions-Leitlinie
SchlafstörungenCBT (menopausenspezifisch)HRT
Verminderte LibidoTestosteronNur erwägen, wenn HRT allein nicht ausreichend wirkt

Urogenitale Symptome

Für urogenitale Symptome (z. B. vaginale Trockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) wird primär vaginales Östrogen empfohlen.

  • Vaginales Östrogen kann allein oder in Kombination mit nicht-hormonellen Befeuchtungsmitteln/Gleitmitteln verwendet werden.
  • Die systemische Absorption ist minimal.
  • Vaginale Lasertherapien sollen nur im Rahmen von klinischen Studien angeboten werden.

Sonderfall Mammakarzinom in der Anamnese: Hier sollen primär nicht-hormonelle Befeuchtungsmittel angeboten werden. Vaginales Östrogen darf nur nach Ausschöpfen nicht-hormoneller Optionen und idealerweise nach Rücksprache mit der Onkologie erwogen werden (insbesondere bei Patientinnen unter Aromatasehemmern).

Hormonersatztherapie (HRT): Auswahl und Risikoprofil

Die Wahl der HRT hängt vom Vorhandensein des Uterus ab. Es soll stets die niedrigste effektive Dosis gewählt werden.

HRT-TypIndikationVTE-RisikoBrustkrebsrisikoEndometriumkarzinom-Risiko
Kombinierte HRT (Östrogen + Gestagen)Patientinnen mit UterusErhöht bei oraler Gabe, nicht erhöht bei transdermaler GabeErhöht (steigt mit Dauer der Anwendung)Gesenkt (bei kontinuierlicher Gabe)
Östrogen-MonotherapiePatientinnen nach totaler HysterektomieErhöht bei oraler Gabe, nicht erhöht bei transdermaler GabeGeringe bis keine ErhöhungErhöht (daher kontraindiziert bei intaktem Uterus)

Hinweis: HRT beeinflusst die allgemeine Lebenserwartung nicht. Sie darf nicht zur Primär- oder Sekundärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Demenz eingesetzt werden.

Vorzeitige Ovarialinsuffizienz (POI)

Bei Personen unter 40 Jahren wird die Diagnose durch Symptome und zwei erhöhte FSH-Werte (Abstand 4-6 Wochen) gestellt.

  • Therapie: Hormonsubstitution (HRT oder kombiniertes hormonelles Kontrazeptivum) bis zum natürlichen Menopausenalter.
  • Aufklärung: Wichtig für Knochen- und Herz-Kreislauf-Schutz; das absolute Risiko für Brustkrebs ist in dieser Altersgruppe sehr gering.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei ansonsten gesunden Frauen über 45 Jahren auf die Bestimmung von FSH, AMH oder Östradiol zur Diagnose der Menopause – die Diagnose wird rein klinisch gestellt. Bevorzugen Sie bei Patientinnen mit erhöhtem Thromboserisiko oder Adipositas (BMI > 30) stets die transdermale HRT.

Häufig gestellte Fragen

Nur bei Frauen zwischen 40 und 45 Jahren mit menopausalen Symptomen oder bei Frauen unter 40 Jahren bei Verdacht auf eine vorzeitige Ovarialinsuffizienz (POI).
Es muss zwingend eine kombinierte HRT (Östrogen und Gestagen) verordnet werden, um das Risiko für ein Endometriumkarzinom zu minimieren.
Als 1. Wahl gelten nicht-hormonelle Befeuchtungsmittel. Vaginales Östrogen sollte nur erwogen werden, wenn nicht-hormonelle Therapien versagen, und bei Patientinnen unter Aromatasehemmern nur nach Rücksprache mit der Onkologie.
Nein, das Risiko für eine koronare Herzkrankheit steigt durch HRT nicht. HRT darf jedoch nicht zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen eingesetzt werden.
CBT wird als wirksame, nicht-hormonelle Option zur Behandlung von vasomotorischen Symptomen (Hitzewallungen), Schlafstörungen und depressiven Symptomen empfohlen.

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