BfArM2018

Dolutegravir & Schwangerschaft: PRAC-Sicherheitswarnung

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: BfArM (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat 2018 aktualisierte Sicherheitshinweise für verschiedene Arzneimittel veröffentlicht. Diese Zusammenfassung basiert auf den Empfehlungen zu neuen Sicherheitssignalen.

Im Fokus der Warnungen steht das HIV-Medikament Dolutegravir aufgrund vorläufiger Daten aus einer Beobachtungsstudie. Diese deuten auf ein erhöhtes Risiko für Geburtsfehler hin, wenn die Exposition zum Zeitpunkt der Empfängnis stattfindet.

Zusätzlich umfasst das Dokument neue Warnhinweise für direkt wirkende Virostatika (DAA) zur Behandlung von Hepatitis C, hormonelle Kontrazeptiva sowie das Immunsuppressivum Teriflunomid.

Empfehlungen

Übersicht der neuen Sicherheitssignale

Das Dokument fasst verschiedene Risiken zusammen, die eine Anpassung der Produktinformationen erfordern:

Wirkstoffklasse / MedikamentIdentifiziertes RisikoBetroffene Personengruppe
DolutegravirNeuralrohrdefekteSchwangere (1. Trimenon)
DAA (Hepatitis C)HypoglykämieDiabetiker
Hormonelle KontrazeptivaDepression, SuizidalitätAlle Anwenderinnen
TeriflunomidDyslipidämieAlle Anwender

Dolutegravir (HIV-Therapie)

Laut PRAC-Warnung wird bei Frauen im gebärfähigen Alter vor Beginn einer Therapie mit Dolutegravir ein Schwangerschaftstest empfohlen. Während der Behandlung ist eine zuverlässige Empfängnisverhütung erforderlich.

Die Daten zeigen eine erhöhte Inzidenz von Neuralrohrdefekten (0,9 %) bei Müttern, die zum Zeitpunkt der Konzeption Dolutegravir einnahmen, verglichen mit Nicht-Dolutegravir-Regimen (0,1 %). Da sich das Neuralrohr in den ersten vier Schwangerschaftswochen schließt, betrifft dieses Risiko die Frühschwangerschaft.

Für den Einsatz in der Schwangerschaft gelten folgende Vorgaben:

  • Im ersten Trimenon soll Dolutegravir nicht angewendet werden, es sei denn, es gibt keine Alternative.

  • Im zweiten und dritten Trimenon liegen keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko vor.

  • Da der genaue Mechanismus unklar ist, wird eine Anwendung im zweiten und dritten Trimenon nur empfohlen, wenn der erwartete Nutzen das potenzielle Risiko für den Fötus rechtfertigt.

Direkt wirkende Virostatika (DAA)

Bei Diabetikern kann es nach Beginn einer DAA-Therapie gegen Hepatitis C zu einer verbesserten Blutzuckerkontrolle kommen. Dies kann laut Dokument zu symptomatischen Hypoglykämien führen.

Es wird empfohlen, den Blutzuckerspiegel bei Diabetikern insbesondere in den ersten drei Monaten der DAA-Therapie engmaschig zu überwachen. Bei Bedarf ist die Diabetes-Medikation anzupassen.

Hormonelle Kontrazeptiva

Das Dokument weist darauf hin, dass depressive Verstimmungen und Depressionen bekannte Nebenwirkungen hormoneller Verhütungsmittel sind. Depressionen stellen einen Risikofaktor für suizidales Verhalten dar.

Anwenderinnen sollen darauf hingewiesen werden, bei Stimmungsschwankungen und depressiven Symptomen umgehend ärztlichen Rat einzuholen.

Kontraindikationen

Die PRAC-Empfehlungen definieren folgende Warnhinweise und Einschränkungen:

  • Dolutegravir: Keine Anwendung im ersten Trimenon der Schwangerschaft, außer es stehen keine therapeutischen Alternativen zur Verfügung.

  • Dolutegravir: Ein Absetzen der Medikation bei Eintritt einer Schwangerschaft darf nicht ohne ärztliche Rücksprache erfolgen.

  • DAA: Besondere Vorsicht bei Diabetikern aufgrund des Risikos für symptomatische Hypoglykämien.

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💡Praxis-Tipp

Die Warnung betont die Wichtigkeit eines Schwangerschaftstests vor dem Start einer Dolutegravir-Therapie bei Frauen im gebärfähigen Alter. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Diabetiker unter einer neuen DAA-Therapie ein unerwartetes Risiko für Hypoglykämien aufweisen, weshalb eine engmaschige Blutzuckerkontrolle in den ersten drei Monaten essenziell ist.

Häufig gestellte Fragen

Beobachtungsdaten zeigen eine erhöhte Rate von Neuralrohrdefekten (0,9 %), wenn Dolutegravir zum Zeitpunkt der Empfängnis eingenommen wird. Da sich das Neuralrohr in den ersten vier Wochen schließt, ist diese Phase besonders kritisch.

Laut PRAC-Dokument gibt es für das zweite und dritte Trimenon keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko. Die Anwendung wird jedoch nur empfohlen, wenn der erwartete Nutzen das potenzielle Risiko rechtfertigt.

Direkt wirkende Virostatika (DAA) können die Blutzuckerkontrolle verbessern und dadurch symptomatische Hypoglykämien auslösen. Es wird eine engmaschige Überwachung in den ersten drei Therapiemonaten empfohlen.

Depressive Verstimmungen und Depressionen sind bekannte Nebenwirkungen. Das Dokument warnt davor, dass diese zu suizidalen Gedanken führen können, weshalb bei Stimmungsschwankungen ärztlicher Rat eingeholt werden sollte.

Die PRAC-Empfehlungen listen Dyslipidämie (abnormale Blutfettwerte) als neue unerwünschte Wirkung für Teriflunomid auf. Die genaue Häufigkeit ist auf Basis der verfügbaren Daten nicht bekannt.

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Quelle: Dolutegravir (Tivicay®, Triumeq®): Neue Studie gibt Grund zu der Annahme, dass Geburtsfehler bei Kindern von Müttern auftreten können, die wegen einer HIV-Infektion behandelt wurden (BfArM, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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