BfArM2020

Hormonersatztherapie (HRT) Risiken: BfArM

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: BfArM (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat 2020 aktualisierte Sicherheitsinformationen zur Hormonersatztherapie (HRT) veröffentlicht. Das Dokument basiert auf einer Überprüfung des Ausschusses für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC).

Im Fokus stehen die systemische und vaginale Anwendung von Östrogen- sowie kombinierten Östrogen-Gestagen-Präparaten. Die Anpassungen der Fachinformationen (SmPC) betreffen insbesondere das zeitabhängige Brustkrebsrisiko und kardiovaskuläre Ereignisse.

Zudem werden detaillierte Vorgaben zu Kontraindikationen und Interaktionen mit anderen Arzneimitteln definiert. Es wird explizit zwischen systemischer Therapie und niedrig dosierter vaginaler Anwendung unterschieden.

Empfehlungen

Das BfArM-Dokument formuliert folgende Kernvorgaben für die Fachinformationen von HRT-Präparaten:

Indikation und Therapieprinzipien

Laut Dokument ist die systemische HRT zur Behandlung von Östrogenmangelsymptomen bei postmenopausalen Frauen indiziert. Als Zweitlinien-Therapie kann sie zur Prävention der Osteoporose bei hohem Frakturrisiko eingesetzt werden.

Es wird betont, dass für die Initiierung und Fortführung der Behandlung die niedrigste wirksame Dosis für die kürzeste mögliche Dauer gewählt werden soll. Bei Frauen mit intaktem Uterus wird die Kombination mit einem Gestagen gefordert, um das Risiko für Endometriumhyperplasien zu senken.

Onkologische Risiken

Das Dokument beschreibt ein zeitabhängiges Risiko für Brustkrebs unter HRT. Die folgende Tabelle veranschaulicht die geschätzten zusätzlichen Fälle nach 5 Jahren Anwendung (basierend auf epidemiologischen Daten für Frauen im Alter von 50-54 Jahren):

TherapieformZusätzliche Brustkrebsfälle pro 1000 Anwenderinnen nach 5 Jahren
Reine Östrogentherapie2,7
Kombinierte Östrogen-Gestagen-Therapie8,0

Bei kombinierter Östrogen-Gestagen-Therapie zeigt sich ein erhöhtes Risiko, das nach etwa 3 Jahren deutlich wird. Nach Absetzen sinkt das Risiko im Laufe der Zeit wieder ab.

Wurde die HRT jedoch länger als 5 Jahre angewendet, kann das Risiko laut Leitlinie für 10 Jahre oder länger bestehen bleiben.

Zudem wird auf ein leicht erhöhtes Risiko für Ovarialkarzinome hingewiesen, das innerhalb von 5 Jahren der Anwendung auftritt.

Kardiovaskuläre und thromboembolische Risiken

Die systemische HRT ist mit einem 1,3- bis 3-fach erhöhten Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) assoziiert. Dieses Risiko ist im ersten Behandlungsjahr am höchsten.

Bei elektiven Operationen mit nachfolgender längerer Immobilisation wird ein temporäres Absetzen der HRT 4 bis 6 Wochen vor dem Eingriff empfohlen.

Zusätzlich wird ein bis zu 1,5-fach erhöhtes Risiko für ischämische Schlaganfälle beschrieben. Bei kombinierten Präparaten ist zudem das Risiko für koronare Herzkrankheiten bei Frauen über 60 Jahren leicht erhöht.

Spezifische Interaktionen

Das Dokument warnt vor relevanten Arzneimittelinteraktionen:

  • Enzyminduktoren (z.B. Antikonvulsiva, Rifampicin, Johanniskraut) können den Metabolismus der Hormone beschleunigen und die Wirkung vermindern.

  • Östrogene können die Plasmakonzentration von Lamotrigin signifikant senken, was die Anfallskontrolle verschlechtern kann.

  • Bei gleichzeitiger Gabe von bestimmten HCV-Medikamenten (z.B. Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir) und Ethinylestradiol wurden signifikante ALT-Erhöhungen beobachtet.

Vaginale Östrogentherapie

Für vaginal angewendete Östrogene, deren systemische Exposition im normalen postmenopausalen Bereich bleibt, gelten abweichende Vorgaben. Hier wird der Zusatz eines Gestagens nicht empfohlen.

Die systemischen Risiken (wie VTE oder Brustkrebs) gelten für diese niedrig dosierten Lokaltherapien in deutlich geringerem Ausmaß. Die Endometriumsicherheit bei einer Anwendung von über einem Jahr ist jedoch laut Dokument ungewiss.

Kontraindikationen

Das Dokument listet folgende absolute Kontraindikationen für die Hormonersatztherapie auf:

  • Bekannter, früherer oder vermuteter Brustkrebs

  • Bekannte oder vermutete östrogenabhängige maligne Tumoren (z.B. Endometriumkarzinom)

  • Nicht abgeklärte Genitalblutungen

  • Unbehandelte Endometriumhyperplasie

  • Frühere oder bestehende venöse Thromboembolien (tiefe Venenthrombose, Lungenembolie)

  • Bekannte thrombophile Erkrankungen (z.B. Protein-C-, Protein-S- oder Antithrombin-Mangel)

  • Aktive oder kürzlich aufgetretene arterielle thromboembolische Erkrankungen (z.B. Angina pectoris, Myokardinfarkt)

  • Akute Lebererkrankung oder anamnestisch bekannte Lebererkrankung, solange sich die Leberfunktionswerte nicht normalisiert haben

  • Bekannte Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder Hilfsstoffe

  • Porphyrie

Zudem wird ein sofortiger Therapieabbruch bei Auftreten von Ikterus, signifikantem Blutdruckanstieg, neuartiger migräneartiger Kopfschmerzen oder einer Schwangerschaft gefordert.

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💡Praxis-Tipp

Ein wesentlicher Aspekt der aktualisierten Fachinformationen ist die Persistenz des Brustkrebsrisikos. Es wird darauf hingewiesen, dass bei einer HRT-Anwendungsdauer von mehr als 5 Jahren das erhöhte Brustkrebsrisiko auch nach Absetzen der Therapie für 10 Jahre oder länger bestehen bleiben kann. Zudem wird bei elektiven Operationen mit anschließender Immobilisation ein rechtzeitiges Pausieren der HRT 4 bis 6 Wochen vor dem Eingriff angeraten, um das Thromboserisiko zu minimieren.

Häufig gestellte Fragen

Laut BfArM-Dokument hängt dies von der Anwendungsdauer ab. Wurde die Hormonersatztherapie länger als 5 Jahre durchgeführt, kann das erhöhte Risiko für 10 Jahre oder länger nach dem Absetzen bestehen bleiben.

Das Dokument besagt, dass bei hysterektomierten Frauen in der Regel kein Gestagen hinzugefügt werden sollte. Eine Ausnahme bilden Frauen, bei denen die Hysterektomie aufgrund einer Endometriose erfolgte und noch residuelle Endometrioseherde bestehen.

Die systemische HRT ist mit einem 1,3- bis 3-fach erhöhten Risiko für venöse Thromboembolien assoziiert. Dieses Risiko ist laut den Sicherheitsinformationen im ersten Jahr der Anwendung am höchsten.

Es wird darauf hingewiesen, dass östrogenhaltige Präparate die Plasmakonzentration von Lamotrigin signifikant senken können. Dies kann zu einer Verschlechterung der Anfallskontrolle führen, weshalb diese Kombination kritisch geprüft werden muss.

Für niedrig dosierte vaginale Östrogene, deren systemische Exposition im normalen postmenopausalen Bereich bleibt, zeigen epidemiologische Daten kein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Die Endometriumsicherheit bei einer Anwendung von über einem Jahr ist jedoch ungewiss.

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Quelle: Hormonersatztherapie: PRAC schließt die Überprüfung neuer Informationen über das bekannte Brustkrebsrisiko ab (BfArM, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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