AkdÄ2019

PRAC-Sicherheitswarnungen: Loperamid, Rivaroxaban & Co.

Diese Leitlinie stammt aus 2019 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AkdÄ (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat 2019 neue Sicherheitssignale für verschiedene Wirkstoffe bewertet. Die vorliegende Zusammenfassung basiert auf den entsprechenden Empfehlungen zur Anpassung der Fach- und Gebrauchsinformationen.

Die Aktualisierungen umfassen neu identifizierte Nebenwirkungen, Kontraindikationen sowie wichtige Warnhinweise für die Schwangerschaft und Labordiagnostik.

Ziel dieser Anpassungen ist es, die Arzneimittelsicherheit zu erhöhen und behandelnde Ärzte auf seltene, aber klinisch bedeutsame Risiken aufmerksam zu machen.

Empfehlungen

Das PRAC-Dokument formuliert spezifische Anpassungen der Fachinformationen für mehrere Wirkstoffe. Die folgende Tabelle fasst die betroffenen Medikamente und ihre neuen Sicherheitssignale zusammen:

WirkstoffBetroffenes SystemNeue Warnhinweise / Nebenwirkungen
LoperamidKardiologieDemaskierung eines Brugada-Syndroms bei Überdosierung
RivaroxabanHämostaseologieKontraindikation nach TAVR
PropylthiouracilSchwangerschaftRisiko kongenitaler Anomalien
SecukinumabDermatologieExfoliative Dermatitis (selten)
SulfasalazinLabordiagnostikInterferenz mit UV-Assays und Normetanephrin-Messung
TemozolomidImmunologieDRESS-Syndrom
TopiramatOphthalmologieUveitis

Kardiologische und hämatologische Warnhinweise

Für Loperamid wird darauf hingewiesen, dass eine Überdosierung ein bestehendes Brugada-Syndrom demaskieren kann.

Bei Rivaroxaban ergab die vorzeitig beendete GALILEO-Studie neue Risiken. Der Wirkstoff darf nicht zur Thromboseprophylaxe bei Patienten eingesetzt werden, die kürzlich einen Transkatheter-Aortenklappenersatz (TAVR) erhalten haben.

Endokrinologie und Schwangerschaft

Für Propylthiouracil wird auf das Risiko kongenitaler Anomalien hingewiesen. Das Dokument empfiehlt:

  • Eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung vor einer Behandlung in der Schwangerschaft.

  • Die Anwendung der niedrigstmöglichen effektiven Dosis.

  • Den Verzicht auf eine zusätzliche Gabe von Schilddrüsenhormonen.

  • Ein engmaschiges Monitoring von Mutter und Fötus.

Dermatologische und immunologische Risiken

Für Secukinumab wurde die exfoliative Dermatitis als seltene Nebenwirkung (bis zu 1 von 1.000 Behandelten) in die Fachinformation aufgenommen. Diese Fälle traten bei Patienten mit Psoriasis auf.

Bei Temozolomid wird das DRESS-Syndrom (Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen) mit unbekannter Häufigkeit als neue Nebenwirkung gelistet.

Für Topiramat wird Uveitis als mögliche Nebenwirkung mit unbekannter Häufigkeit aufgeführt.

Interferenzen mit der Labordiagnostik

Sulfasalazin und seine Metaboliten können laut Dokument zu falsch-positiven Ergebnissen bei der Bestimmung von Normetanephrin im Urin (mittels Flüssigkeitschromatographie) führen.

Zudem kann es zu Interferenzen bei UV-Absorptionsmessungen (insbesondere bei 340 nm) kommen, die NAD(H) oder NADP(H) nutzen. Dies betrifft potenziell die Messung von:

  • Harnstoff, Ammoniak und Glukose

  • LDH und Alpha-HBDH

  • ALT, AST, CK-MB und GLDH (insbesondere bei hohen Sulfasalazin-Dosen)

Es wird empfohlen, diese Laborergebnisse stets in Zusammenschau mit den klinischen Befunden zu interpretieren und Rücksprache mit dem Labor zu halten.

Kontraindikationen

Basierend auf den PRAC-Empfehlungen ergeben sich folgende absolute Anwendungsbeschränkungen:

  • Rivaroxaban: Kontraindiziert zur Thromboseprophylaxe bei Patienten nach kürzlich erfolgtem Transkatheter-Aortenklappenersatz (TAVR).
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💡Praxis-Tipp

Ein besonders relevanter Aspekt für den klinischen Alltag ist die mögliche Laborinterferenz durch Sulfasalazin. Es wird darauf hingewiesen, dass der Wirkstoff bei UV-Absorptionsmessungen (wie Leberenzymen oder Harnstoff) sowie bei der Normetanephrin-Bestimmung zu verfälschten Werten führen kann. Bei unplausiblen Laborwerten unter Sulfasalazin-Therapie wird empfohlen, an diese methodische Interferenz zu denken und Rücksprache mit dem Labor zu halten.

Häufig gestellte Fragen

Die GALILEO-Studie wurde bei Patienten mit künstlichen Herzklappen nach TAVR vorzeitig beendet. Laut PRAC-Empfehlung darf Rivaroxaban bei dieser Patientengruppe nicht zur Thromboseprophylaxe eingesetzt werden.

Das Dokument warnt davor, dass eine Überdosierung von Loperamid ein bislang unerkanntes Brugada-Syndrom demaskieren kann. Dies wurde als neuer Warnhinweis in die Fachinformation aufgenommen.

Eine Behandlung ist nach strenger individueller Nutzen-Risiko-Abwägung möglich, da ein Risiko für kongenitale Anomalien besteht. Es wird die niedrigste effektive Dosis ohne zusätzliche Schilddrüsenhormone sowie ein engmaschiges Monitoring empfohlen.

Sulfasalazin kann falsch-positive Werte bei Normetanephrin im Urin verursachen. Zudem kann es bei UV-Absorptionsmessungen (z. B. Harnstoff, Ammoniak, Glukose, LDH, Transaminasen) zu Interferenzen kommen.

Als seltene Nebenwirkung wurde die exfoliative Dermatitis in die Fachinformation aufgenommen. Diese Fälle wurden insbesondere bei Patienten mit Psoriasis beobachtet.

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Quelle: AkdÄ: Änderung des Wortlauts von Fach- und Gebrauchsinformationen – Empfehlungen des PRAC. (AkdÄ, 2019). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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