Clozapin: Erkennung von Ileus und Darmverschluss
Hintergrund
Die Drug Safety Mail der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) aus dem Jahr 2017 greift eine Warnung der britischen Arzneimittelbehörde (MHRA) auf. Thema ist der Einfluss des Antipsychotikums Clozapin auf die Darmperistaltik.
Clozapin wird bei therapierefraktärer Schizophrenie, bei Unverträglichkeit anderer Antipsychotika sowie bei Psychosen im Rahmen eines Morbus Parkinson eingesetzt. Es zeichnet sich durch eine herausragende antipsychotische Wirkung und einen einzigartigen mortalitätsreduzierenden Effekt aus.
Neben der Hemmung des Dopamin-D4-Rezeptors besitzt der Wirkstoff jedoch auch eine anticholinerge Aktivität. Diese Eigenschaft kann die Darmperistaltik in unterschiedlicher Ausprägung beeinträchtigen und zu schweren gastrointestinalen Komplikationen führen.
💡Praxis-Tipp
Die Sicherheitswarnung hebt hervor, dass eine einfache Obstipation unter Clozapin sehr häufig auftritt und stets als potenzielles Vorstadium lebensbedrohlicher Komplikationen wie einem Darmverschluss betrachtet werden sollte. Es wird daher angeraten, auch milde Verstopfungssymptome aktiv und frühzeitig zu behandeln, insbesondere wenn gleichzeitig andere anticholinerge Medikamente verabreicht werden.
Häufig gestellte Fragen
Clozapin besitzt neben seiner Wirkung auf Dopamin-Rezeptoren auch eine ausgeprägte anticholinerge Aktivität. Laut der AkdÄ-Information führt dies zu einer Beeinträchtigung der Darmperistaltik, was sehr häufig eine Obstipation auslöst.
Die Sicherheitswarnung weist darauf hin, dass Arzneimittel mit anticholinergen Eigenschaften das Risiko deutlich erhöhen. Dazu zählen insbesondere andere Antipsychotika, Antidepressiva sowie Antiparkinsonmittel.
Es wird zu besonderer Vorsicht geraten, wenn in der Vorgeschichte Dickdarmerkrankungen oder Operationen am Unterbauch aufgetreten sind. Zudem gelten Personen ab einem Alter von 60 Jahren als Risikogruppe für schwere gastrointestinale Komplikationen.
Gemäß der Fachinformation treten Darmverschluss, Koprostase und paralytischer Ileus sehr selten auf, was weniger als 1 von 10.000 Behandelten entspricht. Die AkdÄ betont jedoch, dass diese Nebenwirkungen aufgrund ihrer potenziellen Lebensbedrohlichkeit eine hohe klinische Relevanz besitzen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: AkdÄ: Information zu Clozapin: Britische Arzneimittelbehörde (AkdÄ, 2017). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
AkdÄ: Rote-Hand-Brief zu Clozapin: Überarbeitete Empfehlungen zur routinemäßigen Blutbildkontrolle im Hinblick auf das Risiko einer AgranulozytoseDrug
AkdÄ: Rote-Hand-Brief zu Haldol® (Tabletten, Tropfen zum
AkdÄ: Rote-Hand-Brief zu Domperidon: Erinnerung an Maßnahmen zur Minimierung kardialer Risiken.
AkdÄ: MedSafetyWeek 2024: Internationale Kampagne zur Meldung von Nebenwirkungen
AkdÄ: Information des BfArM zu Hydroxychloroquin und Chloroquin: Psychiatrische Störungen.
AkdÄ: „Aus der UAW-Datenbank“: Induktion und/oder
AkdÄ: Änderung des Wortlauts von Fach- und Gebrauchsinformationen – Empfehlungen des PRAC.
RKI: Schwangerschaft-Stillen
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen