Impfungen in der Schwangerschaft: PEI/WHO
Hintergrund
Infektionskrankheiten stellen ein signifikantes Risiko für Schwangere, Feten und Neugeborene dar. Eine maternale Immunisierung kann sowohl die Mutter als auch den jungen Säugling durch diaplazentar übertragene Antikörper vor schweren Krankheitsverläufen schützen.
Der vorliegende Bericht aus dem Bulletin zur Arzneimittelsicherheit (PEI/BfArM) fasst eine WHO-Analyse zur Sicherheit ausgewählter Impfstoffe zusammen. Es werden Daten zu inaktivierten Vakzinen sowie zu Lebendimpfstoffen ausgewertet, um bestehende Vorbehalte gegenüber der Impfung von Schwangeren wissenschaftlich einzuordnen.
Empfehlungen
Die Publikation beschreibt folgende Erkenntnisse zu den Risiken impfpräventabler Erkrankungen und der Sicherheit entsprechender Impfstoffe:
Risikoprofil ausgewählter Erkrankungen
| Erkrankung | Risiko für Schwangere | Risiko für Fetus | Risiko für Säugling |
|---|---|---|---|
| Influenza | Schwere Erkrankung (besonders 2./3. Trimenon) | Abortrate erhöht | Erhöhte Hospitalisierungsrate (<6 Monate) |
| Tetanus | Hohe Morbidität und Mortalität | Keine spezifischen Angaben | Neonataler Tetanus (Mortalität ca. 60%) |
| Pertussis | Abhängig von Schweregrad | Keine spezifischen Angaben | Schwerwiegende Komplikationen ohne Impfschutz |
| Röteln | Keine spezifischen Angaben | Rötelnembryopathie, erhöhte Abortrate | Rötelnembryopathie |
Inaktivierte Impfstoffe (Totimpfstoffe)
Für die analysierten inaktivierten Impfstoffe wurde kein Hinweis auf eine Beeinträchtigung der Gesundheit von Mutter oder Kind festgestellt. Es wird empfohlen, Schwangere bei bestehendem Expositionsrisiko nicht von der Impfung auszuschließen:
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Influenza: Die Impfung gilt als sicher und effektiv. Laut STIKO wird die saisonale Influenzaimpfung für gesunde Schwangere ab dem zweiten Trimenon und für chronisch Kranke ab dem ersten Trimenon empfohlen.
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Tetanus: Tetanustoxoid-Impfstoffe zeigen in über 40 Jahren weltweiter Anwendung keine Hinweise auf Sicherheitsrisiken und reduzieren den neonatalen Tetanus signifikant.
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Pertussis: Es gibt keine Hinweise auf Risiken durch Tdap-Impfstoffe. Die STIKO empfiehlt in Deutschland primär eine präkonzeptionelle Impfung sowie die Impfung von Kontaktpersonen vier Wochen vor der Geburt.
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Meningokokken: Bisherige Daten weisen auf kein Risiko hin, die Evidenz ist jedoch aufgrund kleiner Fallzahlen limitiert.
Lebendimpfstoffe
Lebendimpfstoffe sind in der Schwangerschaft aus theoretischen Erwägungen in der Regel kontraindiziert. Die Auswertung versehentlicher Impfungen in der Frühschwangerschaft ergab jedoch:
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Es wurden keine Fälle von Rötelnembryopathie durch das Impfvirus dokumentiert.
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Es ergaben sich keine Hinweise auf ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für Mutter oder Kind durch Masern-, Mumps-, Polio- oder Gelbfieberimpfstoffe.
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Eine unbeabsichtigte Impfung stellt ausdrücklich keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch dar.
Kontraindikationen
Lebendimpfstoffe (wie Masern, Mumps, Röteln, orale Polioimpfung und Gelbfieber) sind in der Schwangerschaft aufgrund des potenziellen Risikos einer Übertragung des Impfvirus auf das ungeborene Kind in der Regel kontraindiziert.
Ausnahmen für die Gelbfieberimpfung bestehen laut Bericht nur dann, wenn eine epidemische Situation vorliegt oder eine Reise in eine Hochrisikoregion unvermeidbar ist.
💡Praxis-Tipp
Eine versehentliche Applikation von Lebendimpfstoffen (wie MMR) in der Frühschwangerschaft führt laut den ausgewerteten Registerdaten nicht zu einer Rötelnembryopathie oder kindlichen Schäden. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine solche unbeabsichtigte Impfung keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch darstellt.
Häufig gestellte Fragen
Laut STIKO wird die saisonale Influenzaimpfung für gesunde Schwangere ab dem zweiten Trimenon empfohlen. Bei chronisch kranken Schwangeren wird die Impfung bereits ab dem ersten Trimenon angeraten.
Die Auswertung internationaler Daten zeigt keine Hinweise auf Risiken für Mutter oder Kind durch eine Pertussis-Impfung. In Deutschland wird primär eine präkonzeptionelle Impfung sowie die Impfung des Umfelds (Cocooning) empfohlen.
Umfangreiche Studien zeigen, dass das attenuierte Rötelnimpfvirus nicht mit einem teratogenen Risiko assoziiert ist. Eine versehentliche Impfung ist kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch.
Ja, Tetanustoxoid-Impfstoffe gelten als sicher und werden weltweit in der Schwangerschaft eingesetzt. Es gibt keine Hinweise auf ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für Mutter oder Kind.
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Quelle: RKI: Schwangerschaft-Stillen (RKI/STIKO, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.