Doravirin bei HIV-Infektion: Zusatznutzen (Jugendliche)
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A22-52 bewertet den Zusatznutzen von Doravirin (DOR) in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln. Die Bewertung bezieht sich auf Jugendliche ab 12 Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 35 kg, die mit dem humanen Immundefizienzvirus Typ 1 (HIV-1) infiziert sind.
Voraussetzung für die Behandlung ist, dass die HI-Viren keine Mutationen aufweisen, die bekanntermaßen mit einer Resistenz gegen nicht nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) assoziiert sind.
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersuchte, ob Doravirin gegenüber der vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgelegten zweckmäßigen Vergleichstherapie einen therapeutisch bedeutsamen Zusatznutzen bietet. Dabei wurde zwischen therapienaiven und vorbehandelten Jugendlichen unterschieden.
Empfehlungen
Zweckmäßige Vergleichstherapie
Für therapienaive Jugendliche legt der G-BA folgende Kombinationen als Vergleichstherapie fest:
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Tenofoviralafenamid (TAF) plus Emtricitabin (FTC)
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Abacavir (ABC) plus Lamivudin (3TC)
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ABC plus FTC
Diese Basistherapien sollen laut Bericht jeweils mit Dolutegravir, Atazanavir/Ritonavir, Darunavir/Ritonavir oder Elvitegravir/Cobicistat kombiniert werden.
Für vorbehandelte Jugendliche wird eine patientenindividuelle antiretrovirale Therapie (ART) als Vergleich herangezogen. Diese soll unter Berücksichtigung der Vortherapien und des Grundes für den Therapiewechsel erfolgen.
Bewertung der Evidenz
Der pharmazeutische Unternehmer legte zur Bewertung Daten der einarmigen Studie IMPAACT 2014 vor. In dieser Studie wurden sowohl therapienaive als auch vorbehandelte Jugendliche untersucht.
Das IQWiG stellt fest, dass diese Daten für einen Vergleich mit der jeweiligen zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht geeignet sind. Es fehlen randomisierte kontrollierte Studien, die Doravirin direkt mit den festgelegten Vergleichstherapien vergleichen.
Fazit zum Zusatznutzen
Aufgrund der fehlenden vergleichenden Daten kommt das IQWiG zu folgendem Schluss:
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Für therapienaive Jugendliche ist ein Zusatznutzen von Doravirin nicht belegt.
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Für vorbehandelte Jugendliche ist ein Zusatznutzen von Doravirin ebenfalls nicht belegt.
Dosierung
Die Fachinformation sieht folgende Dosierung für Doravirin vor:
| Medikament | Dosis | Einnahmehinweise |
|---|---|---|
| Doravirin | 100 mg einmal täglich | Unabhängig von der Nahrungsaufnahme, als Ganzes schlucken |
Wenn eine Dosis innerhalb von 12 Stunden nach dem planmäßigen Zeitpunkt versäumt wird, sollte diese so bald wie möglich nachgeholt werden. Wird das Versäumnis später als 12 Stunden bemerkt, ist die Dosis auszulassen und die nächste Dosis zum regulären Zeitpunkt einzunehmen.
Es wird betont, dass keine zwei Dosen auf einmal eingenommen werden dürfen.
Kontraindikationen
Laut Fachinformation ist Doravirin bei einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile kontraindiziert.
Zudem ist die gleichzeitige Anwendung mit starken Induktoren von Cytochrom-P450 (CYP) 3A-Enzymen kontraindiziert, da dies die Wirksamkeit von Doravirin verringern kann. Zu diesen starken Induktoren gehören:
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Carbamazepin, Oxcarbazepin, Phenobarbital, Phenytoin
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Rifampicin, Rifapentin
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Johanniskraut (Hypericum perforatum)
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Mitotan, Enzalutamid, Lumacaftor
💡Praxis-Tipp
Bei der Verordnung von Doravirin wird empfohlen, besonders auf mögliche Arzneimittelinteraktionen zu achten, da starke CYP3A-Induktoren wie Johanniskraut oder bestimmte Antiepileptika die Wirksamkeit der HIV-Therapie signifikant herabsetzen können. Zudem ist es ratsam, die Jugendlichen über das strikte 12-Stunden-Zeitfenster beim Nachholen einer vergessenen Dosis aufzuklären, um Überdosierungen zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Doravirin ist für Jugendliche ab 12 Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 35 kg zugelassen. Eine weitere Voraussetzung ist, dass keine Mutationen vorliegen, die mit einer NNRTI-Resistenz assoziiert sind.
Laut IQWiG ist ein Zusatznutzen für therapienaive Jugendliche nicht belegt. Der Grund hierfür ist das Fehlen geeigneter vergleichender Studiendaten gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie.
Nein, die gleichzeitige Anwendung von Doravirin und Johanniskraut ist kontraindiziert. Johanniskraut ist ein starker CYP3A-Induktor und kann die Wirksamkeit der antiretroviralen Therapie verringern.
Wird die vergessene Einnahme innerhalb von 12 Stunden bemerkt, sollte sie sofort nachgeholt werden. Sind bereits mehr als 12 Stunden vergangen, wird die Dosis ausgelassen und zum nächsten regulären Zeitpunkt fortgefahren.
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Quelle: IQWiG A22-52: Doravirin (HIV-Infektion bei Jugendlichen) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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