Doravirin bei HIV-Infektion: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A19-07 bewertet den Zusatznutzen des Wirkstoffs Doravirin (DOR) in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln. Die Bewertung bezieht sich auf Erwachsene, die mit dem humanen Immundefizienzvirus Typ 1 (HIV-1) infiziert sind.
Voraussetzung für die Behandlung ist, dass die HI-Viren keine Mutationen aufweisen, die mit einer Resistenz gegen nicht nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) assoziiert sind. Der Bericht unterscheidet zwischen therapienaiven und vorbehandelten Personen.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie für therapienaive Erwachsene wurde Dolutegravir (DTG) in Kombination mit zwei nukleosidischen oder nukleotidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI) festgelegt. Für vorbehandelte Personen gilt eine individuelle antiretrovirale Therapie als Vergleichsstandard.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende zentrale Ergebnisse zur Nutzenbewertung:
Methodik der Bewertung
Da keine direkten Vergleichsstudien vorlagen, stützt sich die Bewertung auf adjustierte indirekte Vergleiche. Als Brückenkomparatoren dienten Efavirenz (EFV) und mit Ritonavir geboostertes Darunavir (DRV/r).
Insgesamt wurden sechs randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit einer Mindestdauer von 48 Wochen in die Analyse eingeschlossen. Die Auswertung der patientenrelevanten Endpunkte erfolgte zum Zeitpunkt von 96 Wochen.
Ergebnisse für therapienaive Erwachsene
Für die Gruppe der therapienaiven Erwachsenen zeigt der indirekte Vergleich zwischen Doravirin und Dolutegravir (jeweils plus 2 NRTI) folgende Resultate:
-
Es zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied bei der Gesamtmortalität.
-
Bezüglich der Morbidität (AIDS-definierende Ereignisse, virologisches Ansprechen) ist kein Unterschied belegt.
-
Bei den Nebenwirkungen (schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen) gibt es keinen Anhaltspunkt für einen höheren oder geringeren Schaden.
In der Gesamtschau ist ein Zusatznutzen von Doravirin gegenüber der Vergleichstherapie nicht belegt.
Ergebnisse für vorbehandelte Erwachsene
Für die Gruppe der vorbehandelten Erwachsenen mit Therapiewechsel oder Therapieversagen wurden laut Bericht keine Daten vorgelegt.
Daraus resultiert, dass auch für diese Population ein Zusatznutzen nicht belegt ist.
Dosierung
Die in den eingeschlossenen Zulassungs- und Dosisfindungsstudien verwendeten Tagesdosierungen für Erwachsene umfassten laut Bericht:
| Wirkstoff | Dosierung in den Studien | Indikation / Studienpopulation |
|---|---|---|
| Doravirin (DOR) | 100 mg | Therapienaive HIV-1-infizierte Erwachsene |
| Dolutegravir (DTG) | 50 mg | Therapienaive HIV-1-infizierte Erwachsene |
| Efavirenz (EFV) | 600 mg | Therapienaive HIV-1-infizierte Erwachsene (Brückenkomparator) |
Kontraindikationen
Laut Bericht ist eine Behandlung mit Doravirin nicht angezeigt, wenn die HI-Viren Mutationen aufweisen, die bekanntermaßen mit einer Resistenz gegen nicht nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) assoziiert sind.
💡Praxis-Tipp
Bei der Therapieplanung ist zu berücksichtigen, dass für Doravirin in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln im Vergleich zu Dolutegravir kein Zusatznutzen belegt ist. Dies gilt laut IQWiG sowohl für therapienaive als auch für vorbehandelte Erwachsene mit HIV-1-Infektion, da für letztere Gruppe keine Studiendaten eingereicht wurden.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen von Doravirin in Kombination mit zwei NRTI im Vergleich zu Dolutegravir nicht belegt. Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bei Mortalität, Morbidität oder Nebenwirkungen.
Die Bewertung stützt sich auf adjustierte indirekte Vergleiche über Brückenkomparatoren. Hierfür wurden Studien herangezogen, in denen die Wirkstoffe jeweils gegen Efavirenz oder geboostertes Darunavir getestet wurden.
Der Bericht hält fest, dass für vorbehandelte Erwachsene mit Therapiewechsel oder Therapieversagen keine Daten vorgelegt wurden. Daher ist auch für diese Gruppe ein Zusatznutzen nicht belegt.
Die eingeschlossenen Studien erforderten beim Screening eine HIV-1-RNA-Viruslast von mindestens 1000 Kopien pro Milliliter. Dies galt sowohl für die Doravirin- als auch für die Dolutegravir-Studien.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG A19-07: Doravirin (HIV-Infektion) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.