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Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH): Onkopedia

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia/DGHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die HLH ist ein lebensbedrohliches Hyperinflammationssyndrom (Zytokinsturm), das in eine primäre (genetische) und sekundäre (erworbene) Form unterteilt wird.
  • Die typische klinische Trias besteht aus prolongiertem Fieber, Hepatosplenomegalie und Bi- oder Panzytopenie.
  • Die Diagnose wird primär anhand der HLH-2004-Kriterien gestellt (mindestens 5 von 8 Kriterien müssen erfüllt sein).
  • Ein Ferritinwert von >10.000 µg/l hat eine Spezifität von 96 % für das Vorliegen einer HLH.
  • Bei der erworbenen HLH steht die Identifikation und Behandlung des Triggers (Infektionen, Malignome, Autoimmunerkrankungen) im Vordergrund.
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Hintergrund

Die Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH) und das Makrophagenaktivierungssyndrom (MAS-HLH) sind lebensbedrohliche hyperferritinämische Hyperinflammationssyndrome. Sie sind durch einen Zytokinsturm gekennzeichnet, der durch aberrant aktivierte Makrophagen und T-Zellen ausgelöst wird. Das klinische Bild ähnelt häufig einer schweren Sepsis und kann rasch in ein Multiorganversagen münden. Man unterscheidet zwei Hauptformen:

  • Primäre (hereditäre) HLH: Tritt meist im frühen Kindesalter auf. Ursache sind Genmutationen, die zu einer gestörten Zytolyse durch NK-Zellen und zytotoxische T-Zellen führen.
  • Sekundäre (erworbene) HLH: Betrifft fast immer Erwachsene. Sie wird durch multifaktorielle Trigger ausgelöst, die zu einer unkontrollierten Immunantwort führen.

Ursachen und Trigger der erworbenen HLH

Bei der sekundären HLH muss zwingend nach dem Auslöser gesucht werden, da dieser die Therapie maßgeblich bestimmt:

KategorieHäufige Auslöser
InfektionenViren (v.a. EBV, CMV, HIV, SARS-CoV-2), Bakterien (Mykobakterien), Protozoen (Leishmanien), Pilze
MalignomeMaligne Lymphome (v.a. T-/NK-Zell-Lymphome, Hodgkin, DLBCL), Leukämien
Autoimmun / AutoinflammatorischSystemische juvenile/adulte idiopathische Arthritis (M. Still), SLE, Kawasaki-Syndrom
ImmuntherapienCAR-T-Zellen, Checkpoint-Inhibitoren, Bispezifische Antikörper (BiTE)
ImmunsuppressionZytostatika, Zustand nach Stammzell- oder Organtransplantation

Klinisches Bild

Das klinische Bild ist heterogen. Charakteristisch ist folgende Symptomentrias:

  • Prolongiertes Fieber
  • Hepatosplenomegalie
  • Bi- oder Panzytopenie

Weitere Symptome können neurologische Ausfälle (bis zum Koma), Lymphadenopathie, Hepatitis, Gerinnungsstörungen, Lungeninfiltrate und Multiorganversagen sein.

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt primär anhand der HLH-2004-Kriterien. Für die Diagnose müssen mindestens 5 von 8 Kriterien erfüllt sein:

KategorieKriteriumGrenzwert / Befund
KlinikFieberVorhanden
KlinikSplenomegalieVorhanden
LaborZytopenie (≥ 2 Zellreihen)Hb < 90 g/l, Thr < 100 G/l, Neutro < 1 G/l
LaborHypertriglyceridämie / HypofibrinogenämieTriglyceride ≥ 3 mmol/l / Fibrinogen < 1,5 g/l
LaborFerritin≥ 500 µg/l
LaborLöslicher CD25 (sIL-2R)≥ 2.400 U/ml
FunktionNK-ZellaktivitätErniedrigt oder fehlend
HistologieHämophagozytoseIn Knochenmark, Liquor oder Lymphknoten

Hinweis: Der Nachweis einer Hämophagozytose ist für die Diagnose nicht zwingend erforderlich, wenn bereits 5 andere Kriterien erfüllt sind. Ein Ferritinwert > 10.000 µg/l hat eine Spezifität von 96 % für eine HLH. Bei Erwachsenen können ergänzend der HScore oder der Optimierte HLH-Index (OHI) herangezogen werden.

Therapie

Ein entscheidender Faktor für den Therapieerfolg ist ein frühestmöglicher Behandlungsbeginn.

Primäre (hereditäre) HLH

Therapiestandard ist das HLH-1994-Protokoll:

  • Induktion: Hochdosiertes Dexamethason und intravenöses Etoposid.
  • Erhaltung: Ciclosporin A.
  • Kurativer Ansatz: Allogene Stammzelltransplantation (SZT) zwingend erforderlich.
  • Salvage-Therapie: Emapalumab (IFN-γ-Antikörper) oder Ruxolitinib (Off-Label).

Sekundäre (erworbene) HLH

Die Therapie richtet sich nach dem Trigger:

TriggerPrimäre Therapiestrategie
InfektionenErregerspezifische Therapie. Bei EBV: Rituximab. Ggf. Etoposid/Dexamethason (dosisreduziert).
MAS-HLH (Autoimmun)Hochdosiertes Methylprednisolon (1 g/d), Ciclosporin A, Anakinra.
MalignomeTherapie der Grunderkrankung. Ggf. Etoposid als Vorphase.
CAR-T / ImmuntherapieTocilizumab (8 mg/kg), Corticosteroide, Anakinra.

Bei refraktärer HLH des Erwachsenen kommen Ruxolitinib, Alemtuzumab oder das DEP-Schema (Doxorubicin, Etoposid, Methylprednisolon) als Salvage-Optionen zum Einsatz.

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei unklaren Sepsis-Bildern auf der Intensivstation, die nicht auf Antibiotika ansprechen, an eine HLH. Bestimmen Sie großzügig Ferritin, Triglyzeride, Fibrinogen und sIL2-R.

Häufig gestellte Fragen

Es gibt 8 Kriterien, von denen 5 erfüllt sein müssen: Fieber, Splenomegalie, Zytopenie (≥2 Reihen), Hypertriglyceridämie/Hypofibrinogenämie, Ferritin ≥500 µg/l, sCD25 ≥2.400 U/ml, verminderte NK-Zellaktivität und Hämophagozytose im Gewebe.
Klinisch sind beide oft schwer zu unterscheiden. Für eine HLH sprechen jedoch extrem hohe Ferritinwerte (oft >10.000 µg/l), eine progrediente Zytopenie, Hypofibrinogenämie und ein fehlendes Ansprechen auf eine rein antimikrobielle Therapie.
Nein. Die Hämophagozytose ist namensgebend, aber als isoliertes Kriterium weder nötig noch hinreichend sensitiv. Wenn 5 andere HLH-2004-Kriterien erfüllt sind, kann die Diagnose auch ohne diesen Nachweis gestellt werden.
Neben einer T-Zell-gerichteten Immunsuppression (z.B. Etoposid/Dexamethason) ist eine Viruslast-gesteuerte Therapie mit Rituximab sinnvoll, um die B-Zell-vermittelte Viruslast zu reduzieren.

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