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Morbus Castleman: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Morbus Castleman wird in eine unizentrische (UCD) und multizentrische (MCD) Form unterteilt.
  • Die multizentrische Form wird weiter in HHV-8-assoziiert, POEMS-assoziiert und idiopathisch (iMCD) klassifiziert.
  • Zentraler Pathomechanismus beim MCD ist die Überproduktion von Interleukin-6 (IL-6).
  • Die Diagnose erfordert zwingend eine Lymphknoten-Exzisionsbiopsie.
  • Therapie der Wahl beim UCD ist die chirurgische Resektion, beim iMCD die IL-6-Blockade mit Siltuximab.
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Hintergrund

Der Morbus Castleman ist eine seltene, heterogene Gruppe lymphoproliferativer Erkrankungen. Er wird primär in zwei Verlaufsformen unterteilt: den unizentrischen M. Castleman (UCD) mit lokalisiertem Befall und exzellenter Prognose sowie den multizentrischen M. Castleman (MCD), der als systemische, potenziell lebensbedrohliche Erkrankung auftritt.

Der MCD wird je nach Ursache weiter klassifiziert in:

  • HHV-8-assoziiert (häufig bei HIV-Infektion)
  • POEMS-assoziiert
  • Idiopathisch (iMCD)

Zentraler Pathomechanismus der multizentrischen Formen ist eine Überproduktion von Interleukin-6 (IL-6), welche die klinische Symptomatik maßgeblich treibt.

Klinisches Bild

Während der UCD häufig asymptomatisch bleibt (Zufallsbefund), präsentiert sich der MCD oft mit schweren systemischen Symptomen.

  • Führende Symptome beim MCD: Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, generalisierte Lymphadenopathie, Hepatosplenomegalie, Ödeme/Aszites.
  • Labor: Anämie, Thrombozytopenie, CRP-Erhöhung, Hypalbuminämie.
  • TAFRO-Syndrom: Eine fulminante Sonderform des iMCD mit Thrombozytopenie, Aszites, Fieber, Retikulärer Fibrose und Organomegalie.

Diagnostik und Kriterien

Grundlage der Diagnostik ist immer die vollständige Exzisionsbiopsie eines Lymphknotens. Die Diagnose des iMCD erfolgt anhand internationaler Konsensuskriterien. Für eine gesicherte Diagnose müssen beide Hauptkriterien und mindestens zwei Nebenkriterien (darunter ein Laborkriterium) erfüllt sein.

KriterientypKriterien
Hauptkriterien (beide erforderlich)1. Histopathologische Merkmale vereinbar mit iMCD<br>2. Vergrößerte Lymphknoten (≥1 cm in ≥2 Regionen)
Klinische NebenkriterienKonstitutionelle Symptome (Fieber, Nachtschweiß etc.), Spleno-/Hepatomegalie, Ödeme/Aszites, Hautveränderungen, lymphozytäre interstitielle Pneumonitis
Labor-NebenkriterienCRP >10 mg/l, Anämie, Thrombozytopenie/Thrombozytose, Hypoalbuminämie, Niereninsuffizienz/Proteinurie, polyklonale Hypergammaglobulinämie

Ein iMCD gilt als schwer, wenn mindestens zwei der folgenden Kriterien vorliegen: ECOG ≥2, eingeschränkte Nierenfunktion, Anasarka/Aszites/Erguss, Hb ≤8,0 g/dl oder Lungenbeteiligung.

Differenzialdiagnosen

Aufgrund der unspezifischen Symptomatik müssen zahlreiche Erkrankungen ausgeschlossen werden:

KategorieErkrankungen (Beispiele)
InfektionenHIV, EBV, granulomatöse Lymphknotenerkrankungen
AutoimmunerkrankungenSLE, Rheumatoide Arthritis, Morbus Still (AOSD)
MalignomeHodgkin/Non-Hodgkin-Lymphome, Multiples Myelom, POEMS-Syndrom

Therapie

Die Behandlung richtet sich strikt nach dem Subtyp und der Schwere der Erkrankung.

SubtypPrimäre Therapieempfehlung
UCDVollständige chirurgische Resektion (kurativ in 90%). Bei Inoperabilität: Radiatio, Rituximab, Steroide oder Siltuximab.
HHV-8-assoziierter MCDRituximab (bei schweren Verläufen + Etoposid oder CHOP).
POEMS-assoziierter MCDMyelom-spezifische Therapie (z.B. Melphalan, Bortezomib), ggf. autologe Stammzelltransplantation.
iMCD (milder Verlauf)Siltuximab (IL-6-Antikörper) + Kortikosteroide. Alternativ: Rituximab + Steroide.
iMCD (schwerer Verlauf / TAFRO)Hochdosierte Steroide + Siltuximab (initial wöchentlich). Bei Versagen: Polychemotherapie (z.B. R-Siltu) oder Cyclosporin A.

Therapiekontrolle: Das CRP ist ein empfindlicher Marker für das Therapieansprechen. Die Rückbildung der Lymphknoten erfolgt meist erst verzögert über Monate. Die Bestimmung des IL-6-Spiegels ist zur Verlaufskontrolle nicht geeignet.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie zur Beurteilung des Therapieansprechens beim iMCD primär das CRP und die klinische Symptomatik. Die Lymphknotenvergrößerung bildet sich oft erst nach Monaten zurück, und der IL-6-Spiegel schwankt zu stark für eine zuverlässige Verlaufskontrolle.

Häufig gestellte Fragen

Der unizentrische M. Castleman (UCD) betrifft nur eine Lymphknotenregion und hat nach chirurgischer Entfernung eine exzellente Prognose. Der multizentrische M. Castleman (MCD) ist eine systemische Erkrankung mit Befall mehrerer Regionen und potenziell lebensbedrohlichem Verlauf.
Eine Überproduktion von Interleukin-6 (IL-6) ist der zentrale Pathomechanismus beim multizentrischen Morbus Castleman und treibt die ausgeprägte Entzündungssymptomatik an.
Die Erstlinientherapie basiert auf einer IL-6-Blockade, standardmäßig mit dem monoklonalen Antikörper Siltuximab, initial kombiniert mit Kortikosteroiden.
Das TAFRO-Syndrom ist eine fulminant verlaufende Sonderform des iMCD, charakterisiert durch Thrombozytopenie, Aszites, Fieber, retikuläre Fibrose im Knochenmark und Organomegalie.

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