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Akute myeloische Leukämie (AML) bei Kindern: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die AML macht etwa 20 % der Leukämien im Kindesalter aus, die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei 60–75 %.
  • Die Diagnose und Einteilung erfolgt nach der WHO-Klassifikation unter starker Berücksichtigung genetischer Merkmale.
  • Eine allogene Stammzelltransplantation (HSZT) in erster Remission ist nur bei ungünstiger Zytogenetik oder schlechtem Therapieansprechen indiziert.
  • Die prophylaktische ZNS-Bestrahlung wurde durch eine intensivierte intrathekale Therapie ersetzt.
  • Bei der akuten Promyelozytenleukämie (APL) mit niedrigem Risiko ist eine Induktionstherapie alleinig mit ATRA und ATO möglich.
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Hintergrund

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist im Kindes- und Jugendalter mit 0,7 Erkrankungen/100.000 Einwohnern selten und macht etwa 20 % der kindlichen Leukämien aus. Das mediane Erkrankungsalter liegt bei 6,3 Jahren. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt dank früher Therapieintensivierung heute zwischen 60 % und 75 %.

Erste Symptome resultieren meist aus der Knochenmarkinsuffizienz:

  • Blässe und Abgeschlagenheit (Anämie)
  • Blutungsneigung, z. B. Petechien (Thrombozytopenie)
  • Infektzeichen und Fieber (Leukopenie)
  • Hepato-/Splenomegalie, Lymphknotenschwellungen
  • Knochen- oder Gelenkschmerzen (ca. 20 % der Patienten)

Diagnostik

Die Initialdiagnostik dient der Diagnosesicherung und der präzisen Abschätzung des Rezidivrisikos. Essenziell sind Nativ-Ausstriche von Blut und Knochenmark (KM) sowie eine initiale Liquorpunktion zum Ausschluss eines ZNS-Befalls (Ausnahme: blutungsgefährdete Patienten, z. B. bei Promyelozytenleukämie).

Für die Diagnose einer AML nach WHO-Kriterien sind in der Regel ≥ 20 % Blasten im Knochenmark erforderlich (Ausnahme: Vorliegen spezifischer genetischer Aberrationen wie t(15;17), t(8;21) oder inv(16)).

Diagnostik-SäuleKernaussagen / Befunde
ZytologieNachweis von Auerstäbchen spricht für AML. Bei Punctio sicca oder MDS-Verdacht ist eine KM-Biopsie nötig.
Zytochemie>3 % Myeloperoxidase-positive Blasten sichern die AML (sofern Genetik/Immunologie passend).
ImmunphänotypisierungWichtig für Subtypen FAB M0 und M7 sowie zur Abgrenzung von ALL und Leukämien unklarer Linienzugehörigkeit (MPAL).

Differenzierung zwischen AML und MDS bei Kindern: Bei niedrigem Blastenanteil kann die Abgrenzung zum myelodysplastischen Syndrom (MDS) schwierig sein. Bei Kindern wird auch ein Blastenanteil von 20–30 % bei MDS in Transformation (MDS-EB-t) akzeptiert. Für eine AML sprechen: AML-spezifische Genetik, erhöhte Leukozytenwerte, extramedullärer Befall und ein rascher Progress (2–4 Wochen).

Genetische Prognosegruppen

Die prognostische Zuordnung erfolgt primär durch Zytogenetik und Molekulargenetik. Dies ist entscheidend für die risikoadaptierte Therapie.

PrognoseGenetische Veränderungen (Auswahl)
Günstigt(8;21), inv(16) oder t(16;16), t(15;17)/PML-RARA, NPM1-Mutation, CEBPA-Doppelmutation
IntermediärNormaler Karyotyp (ohne günstige/ungünstige Mutationen), nicht anderweitig klassifizierte Veränderungen
Ungünstig-7, -5 oder del(5q), inv(3), t(6;9), t(7;12), FLT3-ITD, WT1-Mutation

Therapie

Die Behandlung besteht aus einer intensiven Polychemotherapie (Induktion, Konsolidierung, Intensivierung) über 4 bis 6 Monate.

  • Induktionstherapie: Standard ist Cytarabin (Ara-C) in Kombination mit einem Anthrazyklin (Idarubicin oder liposomales Daunorubicin), ggf. plus Etoposid.
  • ZNS-Therapie: Eine prophylaktische Schädelbestrahlung wird nicht mehr durchgeführt. Sie wurde durch eine alleinige intensivierte intrathekale Therapie (Ara-C, Methotrexat, Hydrocortison) ersetzt. Bei manifestem ZNS-Befall wird bestrahlt (18 Gy, altersadaptiert).
  • Stammzelltransplantation (HSZT): In erster Remission nur noch indiziert bei ungünstiger Zytogenetik oder schlechtem Therapieansprechen. Nach einem Rezidiv gilt die Indikation für alle Patienten.

Sonderfall Akute Promyelozytenleukämie (APL / FAB M3):

RisikogruppeDefinitionTherapie
Niedriges RisikoLeukozyten < 10.000/µlAlleinige Kombination aus All-trans-Retininsäure (ATRA) und Arsentrioxid (ATO)
Hohes RisikoLeukozyten ≥ 10.000/µlInitiale Chemotherapie + ATRA/ATO

Verlaufskontrolle und Remission

Eine frühe Evaluierung des Therapieansprechens ist prognostisch entscheidend. Sie erfolgt an Tag 28 (nach 1. Induktion) und Tag 56 (nach 2. Block) im Knochenmark.

Kriterien der Vollremission:

  • Regenerierendes, normozelluläres Knochenmark mit < 5 % Blasten
  • Im Blutbild: > 1.000/mm³ Neutrophile und ≥ 80.000/mm³ Thrombozyten
  • Kein extramedullärer Leukämiebefall

💡Praxis-Tipp

Bei der Differenzierung zwischen AML und MDS bei Kindern mit 20-30 % Blasten sprechen AML-spezifische Genetik, extramedullärer Befall und ein rascher Progress für eine AML. Eine Knochenmarkstanze ist in diesen unklaren Fällen essenziell.

Häufig gestellte Fragen

Eine allogene Stammzelltransplantation in erster Remission wird nur noch bei Patienten mit ungünstiger Zytogenetik oder schlechtem Therapieansprechen durchgeführt.
Bei niedrigem Risiko (Leukozyten < 10.000/µl) erfolgt die Therapie alleinig mit All-trans-Retininsäure (ATRA) und Arsentrioxid (ATO). Bei hohem Risiko wird eine Chemotherapie vorangestellt.
Nein, bei ZNS-negativen Patienten wird auf die Bestrahlung verzichtet. Sie wurde durch eine intensivierte intrathekale Therapie ersetzt.
Die entscheidende frühe Evaluierung im Knochenmark erfolgt an Tag 28 (nach der 1. Induktion) und an Tag 56 (nach dem 2. Block).

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