Distale Unterschenkelfraktur Kind: Salter-Harris & OP

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Frakturen der distalen Tibia gehören zu den häufigsten Verletzungen der unteren Extremität im Kindes- und Jugendalter. Sie machen bis zu 8,9 Prozent aller Frakturen der langen Röhrenknochen in dieser Altersgruppe aus.

Meist handelt es sich um Verletzungen bei noch offenen Wachstumsfugen, die nach der Salter-Harris-Klassifikation eingeteilt werden. Ab einem Alter von etwa 12 Jahren beginnt sich die Wachstumsfuge asymmetrisch zu verschließen, was zu spezifischen Verletzungsmustern führt.

Diese sogenannten Übergangsfrakturen, wie die Two-plane-Fraktur (Tillaux) oder die Tri-plane-Fraktur, erfordern eine differenzierte Beurteilung. Das primäre Behandlungsziel ist die Frakturkonsolidierung unter Vermeidung von hemmenden Wachstumsstörungen und einer frühzeitigen Arthroseentwicklung.

Klinischer Kontext

Epidemiologie: Frakturen des distalen Unterschenkels gehören zu den häufigsten Verletzungen im Kindes- und Jugendalter und treten oft beim Sport oder Spielen auf. Die Inzidenz erreicht in der frühen Adoleszenz ihren Höhepunkt, wobei Jungen aufgrund eines risikoreicheren Verhaltens häufiger betroffen sind. Pathophysiologie: Das kindliche Skelett zeichnet sich durch offene Wachstumsfugen aus, die biomechanisch schwächer sind als die umgebenden Bänder. Ein Trauma führt daher häufig zu Epiphysenfugenfrakturen nach Salter-Harris oder zu Übergangsfrakturen, wenn sich die Fugen asymmetrisch schließen. Klinische Bedeutung: Diese Verletzungen erfordern eine sorgfältige Beurteilung, da eine Beteiligung der Wachstumsfuge das Risiko eines vorzeitigen Fugenschlusses birgt. Dies kann im weiteren Verlauf zu Beinlängendifferenzen oder Achsfehlstellungen führen. Diagnostische Grundlagen: Die Diagnose basiert auf einer gründlichen klinischen Untersuchung und konventionellen Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen. Bei komplexen Verletzungen oder Verdacht auf Gelenkbeteiligung wird häufig eine Computertomographie oder Magnetresonanztomographie zur genauen Beurteilung herangezogen.

Wissenswertes

Am distalen Unterschenkel treten häufig Epiphysenlösungen mit oder ohne metaphysären Keil auf, die als Salter-Harris I und II klassifiziert werden. Gegen Ende des Wachstums kommen zudem spezifische Übergangsfrakturen wie die Twoplane- oder Triplane-Fraktur vor.

Eine Triplane-Fraktur entsteht typischerweise in der Adoleszenz während des asymmetrischen Schlusses der distalen Tibiawachstumsfuge. Ein Rotationstrauma führt dabei zu einem komplexen Bruch, der in drei verschiedenen Ebenen verläuft.

Eine Computertomographie wird meist bei komplexen Gelenkfrakturen oder unklaren Übergangsfrakturen eingesetzt. Sie ermöglicht eine exakte Beurteilung der Gelenkstufe und der Fragmentdislokation, was für die Operationsplanung essenziell ist.

Die gefürchtetste Komplikation ist der partielle oder vollständige vorzeitige Verschluss der Wachstumsfuge. Dies kann zu relevanten Beinlängendifferenzen oder progredienten Achsfehlstellungen wie einem Varus- oder Valguswachstum führen.

Die juvenile Tillaux-Fraktur ist ein knöcherner Ausriss des vorderen Syndesmosenbandes an der distalen Tibia. Sie tritt auf, wenn der mediale Teil der Wachstumsfuge bereits geschlossen, der laterale Teil jedoch noch offen und somit vulnerabel ist.

Aufgrund des Risikos von Wachstumsstörungen erfolgen klinische und radiologische Kontrollen oft über einen längeren Zeitraum. Die Nachbeobachtung wird in der Regel fortgesetzt, bis das Längenwachstum vollständig abgeschlossen ist oder eine ungestörte Fugenfunktion gesichert ist.

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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt davor, dass das Risiko einer relevanten Wachstumsstörung mit der Anzahl und Härte der Repositionsmanöver steigt. Es wird daher eine zielgerichtete Reposition empfohlen, wobei mehrfache Fehlbohrungen durch die Wachstumsfuge zwingend vermieden werden sollten.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie kann eine CT beim Adoleszenten zur präoperativen Planung von Übergangsfrakturen sinnvoll sein. Dies gilt insbesondere, wenn das Röntgenbild Hinweise auf eine komplexe knöcherne Verletzung liefert und therapeutische Konsequenzen daraus abgeleitet werden.

Bei Epiphysenfrakturen mit Gelenkbeteiligung (Salter-Harris III und IV) wird eine Frakturdehiszenz von maximal 2 mm toleriert. Eine Gelenkstufe darf gemäß Leitlinie nicht verbleiben.

Die Leitlinie gibt an, dass K-Drähte in der Regel nach 4 Wochen entfernt werden. Bei Schraubenosteosynthesen erfolgt die Materialentfernung nach 6 Wochen in Allgemeinanästhesie.

In den meisten Fällen genügt die Reposition und Retention der distalen Tibia, wodurch die Fibula indirekt stabilisiert wird. Eine isolierte Osteosynthese der Fibula ist laut Leitlinie nur selten bei verbleibender Instabilität notwendig.

Bei konservativer Therapie wird eine Gipsruhigstellung für 4 Wochen empfohlen, wobei der Gips primär gespalten werden sollte. Bei Adoleszenten kann sich die Ruhigstellungszeit auf 6 Wochen verlängern.

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Quelle: Frakturen des distalen Unterschenkels im Kindesalter (AWMF). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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