OnkopediaOnkologie

Diarrhoe und Colitis (Onkologie): Diagnostik & Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Onkopedia|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Gastrointestinale Komplikationen, insbesondere Diarrhoe und Kolitis, treten bei Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen häufig auf. Die Ursachen für diese Beschwerden sind vielfältig und erfordern eine genaue differenzialdiagnostische Abklärung.

Laut der Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Infektionen (AGIHO) der DGHO (Onkopedia) ist es essenziell, infektiöse Komplikationen von Nebenwirkungen der antineoplastischen Therapie sowie von Manifestationen der Grunderkrankung abzugrenzen.

Die Behandlung orientiert sich stets an der zugrundeliegenden Symptomatik und der identifizierten Ursache. Da ein multifaktorielles Geschehen möglich ist, kombiniert die Leitlinie allgemeine supportive Maßnahmen mit gezielten medikamentösen Therapien.

Klinischer Kontext

Gastrointestinale Komplikationen wie Diarrhoe und Kolitis gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen in der hämatologischen und onkologischen Praxis. Die Inzidenz variiert stark je nach eingesetztem Therapieregime, wobei bestimmte Zytostatika wie Fluoropyrimidine und Irinotecan sowie moderne Immun-Checkpoint-Inhibitoren besonders hohe Raten aufweisen.

Pathophysiologisch liegen diesen Beschwerden unterschiedliche Mechanismen zugrunde. Während klassische Chemotherapeutika oft eine direkte toxische Schädigung der sich schnell teilenden Kryptenzellen verursachen, lösen Immuntherapien häufig eine autoimmunähnliche Entzündung der Darmschleimhaut aus. Zudem spielt die Alteration des intestinalen Mikrobioms durch begleitende Antibiotikagaben eine wesentliche Rolle.

Klinisch sind diese Komplikationen von großer Bedeutung, da schwere Durchfälle zu Dehydratation, Elektrolytentgleisungen und akutem Nierenversagen führen können. Dies erfordert nicht selten Dosisreduktionen oder Therapieabbrüche, was die Prognose der Grunderkrankung verschlechtern und die Lebensqualität der Patienten massiv einschränken kann.

Die diagnostische Basis bildet eine genaue Anamnese mit Erfassung der Stuhlfrequenz zur Graduierung der Toxizität. Der laborchemische Ausschluss infektiöser Ursachen, insbesondere Clostridioides difficile, ist obligat, während bei Verdacht auf eine immunvermittelte Kolitis frühzeitig eine endoskopische Abklärung mit Biopsien erwogen wird.

Wissenswertes

Die zytostatika-induzierte Diarrhoe entsteht meist durch direkte toxische Schäden an der Darmschleimhaut und eine gestörte Resorption. Besonders häufig sind Fluoropyrimidine und Irinotecan die Auslöser dieser mukosalen Toxizität.

Typische Symptome sind wässrige Durchfälle, abdominelle Schmerzen und mitunter blutige Stühle nach Gabe von Checkpoint-Inhibitoren. Die Diagnostik umfasst den Ausschluss infektiöser Ursachen sowie häufig eine Koloskopie mit Stufenbiopsien zur histologischen Sicherung.

Bei jedem neu aufgetretenen, unklaren Durchfall unter oder nach einer onkologischen Therapie ist eine Testung auf Clostridioides difficile indiziert. Dies gilt insbesondere nach vorangegangener Antibiotikagabe oder bei längeren Krankenhausaufenthalten.

Loperamid ist oft das Mittel der ersten Wahl zur symptomatischen Behandlung unkomplizierter, nicht-infektiöser Diarrhoen. Die Dosierung wird je nach Schweregrad und Stuhlfrequenz angepasst, wobei bei therapierefraktären Verläufen weitere Eskalationsstufen notwendig sind.

Die Schweregradeinteilung erfolgt meist nach den Common Terminology Criteria for Adverse Events, welche die Anzahl der Stühle über dem Ausgangswert bewerten. Diese Graduierung ist entscheidend für die Einleitung spezifischer therapeutischer Maßnahmen und mögliche Dosisanpassungen.

Eine Typhlitis präsentiert sich typischerweise mit Fieber, rechtsseitigen Unterbauchschmerzen und Diarrhoe bei stark neutropenischen Patienten. Bildgebend zeigt sich oft eine verdickte Darmwand im Bereich des Zökums, was eine sofortige empirische Antibiotikatherapie erfordert.

Ärzte fragen zu diesem Thema

ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Vor dem Einsatz von Loperamid bei einer therapiebedingten Diarrhoe wird laut Leitlinie zwingend der Ausschluss einer infektiösen Genese empfohlen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Patienten mit einer persistierenden, schweren Diarrhoe von über 48 Stunden Dauer trotz motilitätshemmender Therapie stationär aufgenommen werden sollten, um Komplikationen zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt initial 4 mg Loperamid oral. Danach werden 2 mg nach jedem ungeformten Stuhl verabreicht, wobei eine Maximaldosis von 16 mg pro Tag nicht überschritten werden sollte.

Bei Loperamid-refraktärer Diarrhoe wird der Einsatz von Octreotid subkutan empfohlen. Als weitere Alternativen nennt die Leitlinie Flohsamenschalen, Diphenoxylat plus Atropin oder Opiate wie Kodein und Morphin.

Bei einem nicht-schweren Verlauf wird primär Vancomycin (4-mal 125 mg/Tag oral) oder Fidaxomicin (2-mal 200 mg/Tag oral) über 10 Tage empfohlen. Alternativ kann Metronidazol eingesetzt werden.

Es wird die Unterbringung in einem Einzelzimmer sowie das Tragen von Handschuhen, Schutzkitteln und Gesichtsmasken empfohlen. Diese Maßnahmen sollten laut Leitlinie beibehalten werden, bis drei negative Stuhlproben vorliegen.

Nein, die Leitlinie spricht eine explizite Negativ-Empfehlung gegen eine SSYC-Prophylaxe (Salmonellen, Shigellen, Yersinien, Campylobacter) bei neutropenischen oder immunsupprimierten Patienten aus.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: Onkopedia: Gastrointestinale Komplikationen (Schwerpunkt: Diarrhoe und Colitis) bei Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen (Onkopedia).

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.