Qualitätsanforderungen Endoskopie: DGVS-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGVS (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die S2k-Leitlinie der DGVS definiert sektorübergreifende Standards zur Sicherung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität in der gastrointestinalen Endoskopie. Sie richtet sich an alle in der Endoskopie tätigen Berufsgruppen im ambulanten und stationären Bereich.

Ein zentraler Fokus liegt auf der Optimierung von Arbeitsabläufen, der Patientensicherheit durch standardisierte Checklisten sowie den gestiegenen Anforderungen an die Hygiene und Geräteaufbereitung.

Zudem bietet das Dokument detaillierte Vorgaben zum periinterventionellen Management, einschließlich des Umgangs mit Antikoagulantien und der Indikationsstellung für eine Antibiotikaprophylaxe.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert umfassende Vorgaben für den endoskopischen Workflow:

Struktur und Ausstattung

Laut Leitlinie sollen Endoskope über Videotechnik, vorzugsweise in HD-Auflösung, verfügen (starke Empfehlung). Der routinemäßige Einsatz von Einmalendoskopen wird aufgrund der aktuellen Datenlage nicht generell empfohlen.

Die Eingriffsräume sollten eine Mindestgröße von 30 bis 35 Quadratmetern aufweisen. Bei Räumen mit Durchleuchtungseinheit wird eine Größe von 40 bis 45 Quadratmetern empfohlen.

Für einen Vollzeitbetrieb wird eine personelle Besetzung mit drei Arbeitskräften gefordert:

  • Endoskopierender Arzt

  • Assistierende Pflegekraft

  • Qualifizierte Person zur Sedierungsüberwachung

Periinterventionelles Management

Vor jedem Eingriff wird die Durchführung eines standardisierten Risiko-Assessments (Sign-in) sowie eines Team-Time-outs empfohlen.

Das Blutungsrisiko des Eingriffs ist in niedrig (z. B. diagnostische ÖGD/Koloskopie) und hoch (z. B. Polypektomie, ERCP mit Sphinkterotomie) zu stratifizieren. Bei Eingriffen mit niedrigem Risiko wird die Fortführung von Acetylsalicylsäure, P2Y12-Inhibitoren und Vitamin-K-Antagonisten empfohlen.

Direkte orale Antikoagulantien (DOAK) sollen bei Niedrigrisiko-Eingriffen am Morgen der Untersuchung pausiert werden. Bei Hochrisiko-Eingriffen wird ein Pausieren der Antikoagulantien nach spezifischen Intervallen empfohlen, während Acetylsalicylsäure fortgeführt werden soll.

Antibiotikaprophylaxe

Eine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe bei diagnostischen Endoskopien wird nicht empfohlen. Die Leitlinie empfiehlt eine Prophylaxe unter anderem bei:

  • ERCP mit zu erwartender unvollständiger Drainage

  • Anlage einer perkutanen endoskopischen Gastrostomie (PEG)

  • Transmuralen Interventionen (z. B. Pseudozystendrainage)

Endoskopie in der Schwangerschaft

Bei Schwangeren soll die Indikation zur Endoskopie streng gestellt und eine Konsultation der Geburtshilfe erfolgen. Eingriffe im zweiten und dritten Trimenon sollen in Linksseitenlage durchgeführt werden (starke Empfehlung).

Dosierung

Die Leitlinie gibt spezifische Intervalle für das Pausieren von Antikoagulantien vor endoskopischen Eingriffen mit hohem Blutungsrisiko vor:

WirkstoffPausieren vor EndoskopieFrüheste Wiedereinnahme
Acetylsalicylsäure (ASS)Keine Pause oder 5-7 Tage12-48 Stunden
Clopidogrel, Ticagrelor5-7 Tage12-48 Stunden
Prasugrel7 Tage12-48 Stunden
Niedermolekulares Heparin (Prophylaxe)12 Stundenabhängig vom Blutungsrisiko
Niedermolekulares Heparin (Therapie)4-6 Stundenabhängig vom Blutungsrisiko
Unfraktioniertes Heparin (i.v.)4-6 Stundenabhängig vom Blutungsrisiko
Warfarin5 Tageabhängig vom Blutungsrisiko
Phenprocoumon7 Tageabhängig vom Blutungsrisiko

Für direkte orale Antikoagulantien (DOAK) gelten bei Hochrisiko-Eingriffen folgende Pausenintervalle in Abhängigkeit von der Nierenfunktion:

Nierenfunktion (eGFR)Pausieren vor Endoskopie
> 50 ml/min48-72 Stunden
30-50 ml/min72-96 Stunden

Zur Blutungsprophylaxe bei ausgewählten Hämostasestörungen nennt die Leitlinie folgende Optionen:

HämostasestörungMedikamentDosierung
Von-Willebrand-Syndrom Typ 1Desmopressinacetat (DDAVP)Initiale Dosierung 20-40 IE/kg i.v. (Ziel VWF/FVIII > 30-50 %)
Hämophilie A (mild)DDAVP in Kombination mit TranexamsäureInitiale Dosierung 25-50 IE/kg i.v. (Ziel FVIII > 30-50 %)
Angeborener FVII-MangelRekombinanter aktivierter FVII (rFVIIa)15-30 μg/kg i.v. alle 4-6 Stunden

Kontraindikationen

Die Leitlinie benennt folgende Kontraindikationen für spezifische endoskopische Verfahren:

  • Transnasale Sonden: Bei einer mechanischen Obstruktion distal der geplanten Sondenposition ist eine Anlage zur Ernährung kontraindiziert. Bei aktiver Peritonitis, nicht korrigierbarer Koagulopathie oder Dünndarmischämie ist auch eine Anlage zur Dekompression kontraindiziert.

  • Perkutane endoskopische Sonden (PEG): Absolute Kontraindikationen sind eine akute Peritonitis sowie die Unmöglichkeit, die Punktionsstelle endoskopisch zu erreichen.

  • Kapselendoskopie: Bei Schwangeren wird die Kapselendoskopie aufgrund fehlender Zulassungsstudien und möglicher Kapselretardierung als relative Kontraindikation eingestuft und soll nur in Ausnahmefällen erfolgen.

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💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie wird bei der Aufbereitung von Endoskopen häufig der Fehler gemacht, auf eine ausreichende Trocknung zu verzichten. Es wird betont, dass Endoskope vor der Lagerung vollständig getrocknet werden müssen, um das Risiko einer Rekontamination durch Biofilmbildung zu minimieren. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Simethicon-Zusätze im Spülwasser die Trocknung erschweren und daher nur in geringer Konzentration über den Arbeitskanal appliziert werden sollten.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie stuft die diagnostische ÖGD mit Biopsie als Eingriff mit niedrigem Blutungsrisiko ein. Es wird empfohlen, Acetylsalicylsäure (ASS) bei diesen Eingriffen fortzuführen.

Eine routinemäßige Prophylaxe wird nicht empfohlen. Laut Leitlinie ist eine Antibiotikagabe jedoch indiziert, wenn eine unvollständige Drainage der Gallenwege zu erwarten ist oder biliäre Komplikationen nach einer Lebertransplantation bestehen.

Die Polypektomie gilt als Hochrisiko-Eingriff. Die Leitlinie empfiehlt bei normaler Nierenfunktion (eGFR > 50 ml/min) ein Pausieren des direkten oralen Antikoagulans für 48 bis 72 Stunden vor dem Eingriff.

Endoskopien in der Schwangerschaft gelten als relativ sicher, die Indikation soll jedoch streng gestellt werden. Es wird empfohlen, Eingriffe möglichst im zweiten Trimenon und in Linksseitenlage durchzuführen.

Neben dem endoskopierenden Arzt und der direkten Assistenz wird eine weitere geschulte Person gefordert. Diese Person ist laut Leitlinie ausschließlich für die Sedierung und Überwachung des Patienten zuständig.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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