Gallensteinleiden: DGVS S3-Leitlinie

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGVS (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben Gallensteine. Jährlich werden aufgrund einer symptomatischen Cholelithiasis mehr als 175.000 Cholezystektomien durchgeführt.

Damit gehört das Gallensteinleiden nach der Refluxerkrankung zu den teuersten gastroenterologischen Erkrankungen. Komplikationen wie die akute Cholezystitis, die Cholangitis oder die biliäre Pankreatitis erfordern ein rasches und strukturiertes klinisches Management.

Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) behandelt die Prävention, Diagnostik und Therapie von Gallenblasen- und Gallengangsteinen. Die folgende Zusammenfassung basiert auf den Evidenztabellen und Definitionen des methodischen Leitlinienreports.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert basierend auf der Evidenzlage folgende Kernaspekte:

Prävention und Lebensstil

Laut den Evidenztabellen der Leitlinie haben Ernährung und Lebensstil einen signifikanten Einfluss auf das Gallensteinrisiko:

  • Ein hoher Verzehr von Ballaststoffen, Nüssen, Vitamin C, Kaffee und Magnesium ist mit einem reduzierten Risiko für symptomatische Gallensteine assoziiert.

  • Körperliche Aktivität wirkt sich ebenfalls protektiv aus.

  • Ein hoher Konsum von raffinierten Kohlenhydraten, gesättigten Fettsäuren und Transfetten erhöht das Risiko.

  • Bei sehr schnellem Gewichtsverlust (z. B. durch sehr kalorienarme Diäten oder Adipositaschirurgie) steigt das Risiko für die Steinbildung. Eine ausreichende Fettzufuhr oder die Gabe von Ursodeoxycholsäure (UDCA) kann hier protektiv wirken.

Diagnostik

Die Sonografie ist das primäre bildgebende Verfahren zur Diagnostik von Gallenblasensteinen und der akuten Cholezystitis.

Bei Verdacht auf Gallengangsteine (Choledocholithiasis) wird die Endosonografie (EUS) oder die Magnetresonanzcholangiopankreatikographie (MRCP) evaluiert. Die EUS zeigt hierbei eine sehr hohe Sensitivität und Spezifität und ist der MRCP in der Detektion von Konkrementen teilweise überlegen.

Therapie der akuten Cholezystitis

Es wird eine frühe laparoskopische Cholezystektomie (innerhalb von 24 bis 72 Stunden nach Symptombeginn) favorisiert. Die Daten zeigen, dass ein frühes operatives Vorgehen die Morbidität senkt und die Krankenhausverweildauer im Vergleich zu einer späten Operation verkürzt.

Management von Gallengangsteinen

Bei Vorliegen von Gallengangsteinen beschreibt die Leitlinie zwei gleichwertige therapeutische Pfade:

  • Das zweizeitige Vorgehen mittels prä- oder postoperativer ERCP (endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie) kombiniert mit einer laparoskopischen Cholezystektomie.

  • Das einzeitige Vorgehen mittels laparoskopischer Cholezystektomie und simultaner Gallengangsexploration (LCBDE).

Biliäre Pankreatitis

Bei einer milden biliären Pankreatitis ohne begleitende Cholangitis zeigt eine frühe routinemäßige ERCP keinen klinischen Vorteil. Liegt jedoch eine Cholangitis vor, senkt die ERCP die Mortalität signifikant.

Zur Vermeidung von Rezidiven wird bei einer milden biliären Pankreatitis eine Cholezystektomie noch während desselben stationären Aufenthaltes (Index-Cholezystektomie) favorisiert.

Zufallsbefund Gallenblasenkarzinom

Wird nach einer Cholezystektomie histologisch ein okkultes Gallenblasenkarzinom festgestellt, richtet sich das weitere Vorgehen nach dem Tumorstadium:

  • Bei T1a-Karzinomen ist die einfache Cholezystektomie in der Regel ausreichend.

  • Bei T1b-, T2- und T3-Karzinomen ist eine chirurgische Re-Resektion (Nachresektion des Gallenblasenbettes und Lymphadenektomie) mit einem verbesserten Überleben assoziiert.

Dosierung

WirkstoffDosierungIndikation
Ursodeoxycholsäure (UDCA)750 - 1200 mg/TagPrävention der Gallensteinbildung bei starker Gewichtsreduktion (z. B. Reduktionsdiät)
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💡Praxis-Tipp

Laut den Evidenztabellen der Leitlinie bietet die Endosonografie (EUS) bei Verdacht auf Gallengangsteine eine sehr hohe diagnostische Genauigkeit. Es wird hervorgehoben, dass durch eine primäre EUS-Strategie bei Hochrisikopatienten unnötige ERCPs und deren potenzielle Komplikationen (wie die Post-ERCP-Pankreatitis) häufig vermieden werden können.

Häufig gestellte Fragen

Die Datenlage der Leitlinie favorisiert eine frühe laparoskopische Cholezystektomie, idealerweise innerhalb von 24 bis 72 Stunden nach Symptombeginn. Dies senkt die Morbidität und verkürzt die Krankenhausverweildauer im Vergleich zu einer späten Operation.

Gemäß den zitierten Studien ist ein regelmäßiger Kaffeekonsum mit einem reduzierten Risiko für symptomatische Gallensteine assoziiert. Dieser protektive Effekt wurde in mehreren großen Kohortenstudien beobachtet.

Die Evidenz zeigt, dass Polypen ab einer Größe von 10 mm ein deutlich erhöhtes Malignitätsrisiko aufweisen. Unabhängige Risikofaktoren für eine Malignität sind zudem ein Alter über 50 Jahre sowie solitäre und sessile Polypen.

Bei einer milden biliären Pankreatitis ohne begleitende Cholangitis zeigt eine frühe routinemäßige ERCP laut Leitliniendaten keinen Vorteil. Liegt jedoch eine Cholangitis vor, senkt die ERCP die Mortalität und Komplikationsrate signifikant.

Die Leitlinienevidenz stuft die laparoskopische Cholezystektomie in allen Trimestern der Schwangerschaft als unbedenklich ein. Ein konservatives Vorgehen ist hingegen häufiger mit rezidivierenden Symptomen und Notaufnahmen assoziiert.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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