Zeitpunkt der Ernährung bei akuter Pankreatitis: IQWiG
Hintergrund
Dieser Artikel basiert auf dem IQWiG-Evidenzbericht zur Aktualisierung der S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Gastroenterologie – Pankreas“. Der Bericht untersucht den optimalen Zeitpunkt für den Beginn einer Ernährungstherapie.
Im Fokus steht der Vergleich zwischen einer frühen Ernährung (vor Ablauf der ersten 48 Stunden ab Krankenhausaufnahme) und einer späten Ernährung (nach 48 Stunden). Die Zielgruppe sind erwachsene Personen mit schwerer oder prognostiziert schwerer akuter Pankreatitis.
Zur Bewertung der Evidenz wurden randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) herangezogen. Die Analyse stützt sich auf drei identifizierte Studien, die unterschiedliche Ernährungsstrategien und Startzeitpunkte verglichen.
Empfehlungen
Der Evidenzbericht definiert klare Kriterien zur Bewertung der Ernährungstherapie bei schwerer akuter Pankreatitis.
Untersuchte Endpunkte
Für die Entscheidungsfindung wurden die Endpunkte in zwei Kategorien unterteilt. Als kritisch für die Entscheidung gelten:
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Mortalität
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Organversagen
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Komplikationen
Als wichtig, aber nicht kritisch wurden folgende Endpunkte definiert:
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Mangelernährung
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Unerwünschte Ereignisse
Verglichene Ernährungsstrategien
Der Bericht analysiert Studien mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen zur frühen (unter 48 Stunden) und späten (über 48 Stunden) Ernährung. Es werden zwei Hauptvergleiche unterschieden:
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Gleiche Ernährungstherapie: Beide Gruppen erhalten die identische Ernährungsform, die sich ausschließlich im Startzeitpunkt unterscheidet.
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Unterschiedliche Ernährungstherapien: Die frühe Gruppe erhält primär eine enterale Ernährung mittels nasojejunaler Sonde, während die späte Gruppe bevorzugt oral ernährt wird.
Standardbehandlung
Laut Bericht umfasste die Basistherapie in den untersuchten Studien stets eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr nach individuellem Bedarf. Zudem erfolgte standardmäßig eine abdominale Bildgebung mittels Ultraschall oder Computertomografie innerhalb der ersten Woche.
Hinsichtlich der Antibiotikagabe zeigten die Studien laut Bericht deutliche Unterschiede. Die Ansätze reichten von einer generellen Prophylaxe über eine Gabe in indizierten Fällen bis hin zur streng blutkulturbasierten Therapie.
Charakteristika der eingeschlossenen Studien
Der Bericht stützt sich auf drei randomisierte kontrollierte Studien mit folgenden Eigenschaften:
| Studie | Frühe Ernährung | Späte Ernährung | Nachbeobachtung |
|---|---|---|---|
| Jin 2020 | < 48 h (gleiche Therapie) | > 48 h (gleiche Therapie) | ca. 4 Wochen |
| Bakker 2014 | < 48 h (enterale Sonde) | > 72 h (oral/Sonde nach Bedarf) | 6 Monate |
| Stimac 2016 | < 24 h (enterale Sonde) | > 48 h (oral) | 4 Wochen |
💡Praxis-Tipp
Der Evidenzbericht zeigt, dass bei der Bewertung des Ernährungszeitpunktes genau zwischen den Ernährungsformen unterschieden werden muss. Ein früher Beginn (unter 48 Stunden) mittels Sonde wird in der Evidenz oft direkt mit einem späten Beginn (über 48 Stunden) eines oralen Kostaufbaus verglichen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Evidenzbericht wird eine Ernährungstherapie als früh eingestuft, wenn sie vor Ablauf der ersten 48 Stunden nach Krankenhausaufnahme beginnt. Ein später Beginn ist als Start nach 48 Stunden definiert.
Der Bericht stuft die Endpunkte Mortalität, Organversagen und Komplikationen als kritisch für klinische Entscheidungen ein. Mangelernährung und unerwünschte Ereignisse gelten als wichtig, aber nicht kritisch.
In den untersuchten Studien erfolgte der späte Kostaufbau primär oral. Dabei wurde entweder nach Belieben der betroffenen Personen oder nach einem strikten, schrittweisen Schema vorgegangen.
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Quelle: IQWiG V20-06: Evidenzrecherche S3-Leitlinie Klinische Ernährung in der Gastroenterologie - Pankreas (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.