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Akute Pankreatitis: S3-Leitlinie (AWMF/DGVS)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose erfordert 2 von 3 Kriterien: typischer Schmerz, Lipase >3-fach der Norm, typische Bildgebung.
  • Ultraschall ist das bildgebende Verfahren der ersten Wahl; eine CT ist zur reinen Diagnosesicherung bei eindeutiger Klinik und Labor nicht indiziert.
  • Eine CT zur Diagnosesicherung von Nekrosen sollte nicht innerhalb der ersten 3 Tage nach Symptombeginn erfolgen.
  • Eine kontrollierte, zielgerichtete Volumentherapie (bevorzugt mit Ringer-Laktat) muss unmittelbar nach Diagnosesicherung begonnen werden.
  • Eine prophylaktische Antibiotikatherapie wird auch bei prognostiziert schwerem Verlauf nicht empfohlen.
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Hintergrund

Die akute Pankreatitis ist pathophysiologisch als eine primär sterile Entzündung der Bauchspeicheldrüse definiert. Sie ist gekennzeichnet durch eine unphysiologische Enzymaktivierung, die zu Ödem, Gefäßschädigung und Zelluntergang führt. Eine rezidivierende akute Pankreatitis liegt vor, wenn 2 oder mehr Attacken mit symptomfreien Intervallen auftreten, ohne dass Hinweise auf eine chronische Pankreatitis bestehen.

Ätiologie und Risikofaktoren

Gallensteinleiden und Alkoholmissbrauch sind die häufigsten gesicherten Risikofaktoren (Evidenzlevel 3, starker Konsens). Weitere relevante Auslöser und Risikofaktoren sind:

  • Hypertriglyceridämie: Erhöhtes Risiko, insbesondere bei Werten >1000 mg/dL.
  • Interventionen: ERCP (3-5% Risiko einer postinterventionellen Pankreatitis) und Ballon-Enteroskopien.
  • Lebensstil & Komorbiditäten: Tabakrauchen und Diabetes mellitus Typ II sind mit einer Risikoerhöhung vergesellschaftet.
  • Medikamente: Zahlreiche Medikamente können Auslöser sein (z.B. Opiate, Diuretika). Für DPP4-Inhibitoren ist eine Risikoerhöhung für eine Lipasämie beschrieben, für GLP1-Agonisten gibt es keine ausreichende Evidenz für ein erhöhtes Risiko.

Diagnostik

Die Diagnose einer akuten Pankreatitis kann gestellt werden, wenn mindestens 2 der folgenden 3 Kriterien vorliegen (Empfehlung offen, Starker Konsens):

KriteriumBeschreibung
1. KlinikAkut beginnende, anhaltende Oberbauchschmerzen (oft mit gürtelförmiger Ausstrahlung in den Rücken)
2. LaborErhöhung der Serum-Lipase auf mindestens das 3-fache der oberen Norm (ULN)
3. BildgebungCharakteristische bildmorphologische Befunde

Hinweis: Die Bestimmung der Serum-Amylase wird aufgrund unzureichender Spezifität nicht gefordert.

Bildgebung

Die Bildgebung dient der Diagnosesicherung (falls Klinik/Labor uneindeutig), der Ursachensuche und der Komplikationserfassung.

VerfahrenIndikationEmpfehlungsgrad
Transabdomineller UltraschallVerfahren der 1. Wahl bei unklarem Befund oder Verdacht auf Komplikationen.B
Kontrastmittel-CTBei uneindeutigem Ultraschall oder zur Therapieplanung bei Nekrosen.A/B
MRT/MRCPAdditiv bei unklarer Ursache (z.B. Ausschluss Raumforderung/Pankreasdivisum).B

Wichtige Einschränkungen zur CT-Diagnostik:

  • Bei typischen Beschwerden und Lipase >3-fach ULN soll keine CT zur reinen Diagnosesicherung erfolgen.
  • Zur Diagnosesicherung von Nekrosen sollte eine CT nicht innerhalb der ersten 3 Tage nach Symptombeginn durchgeführt werden.

Schweregradeinschätzung

Der Schweregrad wird durch Organversagen und Komplikationen bestimmt. Die revidierte Atlanta-Klassifikation (RAC) unterteilt in drei Schweregrade:

Schweregrad (RAC)DefinitionLetalität (ca.)
MildKein Organversagen, keine lokalen/systemischen Komplikationen0,1%
ModeratTransientes Organversagen (<48h) und/oder lokale/systemische Komplikationen2,1%
SchwerPersistierendes Organversagen (>48h)52,2%

Zur Vorhersage des Schweregrades sollten Risikofaktoren, klinische Parameter (SIRS-Kriterien) und Laborparameter (Hämatokrit, Harnstoff, CRP) bei Aufnahme und nach 48 Stunden herangezogen werden.

Therapie

Volumentherapie

Eine kontrollierte Volumentherapie ist essenziell und sollte unmittelbar nach Diagnosesicherung begonnen werden.

  • Lösung: Vorwiegend Ringer-Laktat-Lösung verwenden (Empfehlungsgrad A).
  • Dosierung: Initial 200-250 ml/h, solange keine zielgerichtete Therapie möglich ist. Bei bestehendem Defizit kann ein Bolus sinnvoll sein.
  • Steuerung: Zielgerichtet anhand von BUN (Harnstoff), Hämatokrit und Parametern des erweiterten hämodynamischen Monitorings. Der ZVD sollte nicht als Zielgröße verwendet werden.

Schmerztherapie

  • Bei starken Schmerzen Therapie mit Opioiden (vorzugsweise Buprenorphin und Pethidin) durchführen (Empfehlungsgrad B).
  • Auf Darmparalyse und Atemdepression achten.
  • Auf Intensivstationen kann eine Peridural-Anästhesie angewandt werden.

Antibiotikatherapie

Der ungerichtete Einsatz von Antibiotika wird streng limitiert:

IndikationEmpfehlungEvidenzlevel
Milder VerlaufKeine prophylaktische Antibiotikatherapie.2
Prognostiziert schwerer VerlaufKeine generelle prophylaktische Antibiotikatherapie.2
Prävention einer CholangitisNicht empfohlen.5
Septisches Bild / infizierte NekroseCarbapenem bis zum Vorliegen eines Antibiogramms.2

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf eine routinemäßige CT-Untersuchung in den ersten 3 Tagen zur Nekrosediagnostik. Starten Sie stattdessen sofort nach Diagnosestellung eine kontrollierte Volumentherapie mit Ringer-Laktat (initial 200-250 ml/h).

Häufig gestellte Fragen

Wenn 2 von 3 Kriterien erfüllt sind: typische Oberbauchschmerzen, Lipase-Erhöhung auf mindestens das 3-fache der Norm oder charakteristische bildmorphologische Befunde.
Nein, die Leitlinie fordert ausschließlich die Bestimmung der Serum-Lipase, da die Amylase eine unzureichende Spezifität aufweist.
Ein CT ist indiziert, wenn Ultraschall und Laborbefunde uneindeutig sind oder Komplikationen vermutet werden. Zur reinen Nekrosediagnostik sollte ein CT frühestens nach 3 Tagen erfolgen.
Die initiale Volumentherapie soll vorwiegend mit Ringer-Laktat-Lösung durchgeführt werden.
Nein, eine prophylaktische Antibiotikatherapie kann zur Vermeidung infektiöser Komplikationen auch bei prognostiziert schwerer Pankreatitis nicht generell empfohlen werden.

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