DGPPN2026Psychiatrie

Delir im Alter: S3-Leitlinie DGPPN/DGG

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGPPN (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das Delir ist ein akut auftretendes neuropsychiatrisches Syndrom mit zugrunde liegenden somatischen Ursachen. Es ist durch eine subakute Änderung der kognitiven Leistungsfähigkeit, der Psychomotorik und der Tag-Nacht-Rhythmik gekennzeichnet. Die Inzidenz steigt ab dem 65. Lebensjahr stark an.

Ein Delir geht mit einer erhöhten Mortalität, längeren Krankenhausaufenthalten und einem gesteigerten Risiko für eine dauerhafte Pflegebedürftigkeit einher. Auch das Risiko für die Entwicklung einer Demenz ist nach einem Delir signifikant erhöht.

Trotz der hohen klinischen Relevanz bleiben bis zu 60 Prozent der Delirien unerkannt, insbesondere das hypoaktive Delir. Die S3-Leitlinie der DGPPN und DGG legt daher einen besonderen Fokus auf ein transsektorales und interprofessionelles Delirmanagement.

Empfehlungen

Die S3-Leitlinie der DGPPN und DGG formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management des Delirs:

Risikoscreening und Delirscreening

Es wird empfohlen, das individuelle Delirrisiko frühzeitig durch ein mehrdimensionales geriatrisches Assessment zu erfassen. Hierfür eignen sich Instrumente wie der ISAR-Score oder die Clinical Frailty Scale.

Bei Vorliegen von Risikofaktoren soll ein regelmäßiges Delirscreening erfolgen. Die Leitlinie empfiehlt hierfür validierte Tools:

  • 4AT (4 "A"s Test)

  • CAM-Algorithmus (Confusion Assessment Method)

  • Nu-DESC (Nursing Delirium Screening Scale)

  • DOS (Delirium Observation Screening Scale)

Diagnostik

Ein neu aufgetretenes Delir gilt als medizinischer Notfall, der eine sofortige Ursachensuche erfordert. Es wird eine strukturierte Basisdiagnostik inklusive Labor (Blutbild, Entzündungsparameter, Elektrolyte) und EKG empfohlen.

Eine zerebrale Bildgebung (cCT/cMRT) oder eine Lumbalpunktion sollen nicht routinemäßig erfolgen. Sie sind laut Leitlinie nur bei fokal-neurologischen Defiziten oder Verdacht auf ein ZNS-Geschehen indiziert.

Prävention

Die effektivste Maßnahme ist die nicht-medikamentöse Prävention. Es wird die tägliche Anwendung von Multikomponenten-Programmen (starke Empfehlung) angeraten.

Diese Programme umfassen unter anderem:

  • Reorientierungsmaßnahmen und kognitive Stimulation

  • Förderung eines physiologischen Schlaf-Wach-Rhythmus

  • Frühmobilisation und adäquates Schmerzmanagement

  • Ausgleich sensorischer Defizite (Brille, Hörgerät)

Von einer medikamentösen Delirprävention mit Antipsychotika oder Melatonin wird explizit abgeraten.

Therapie

Die kausale Behandlung der identifizierten Auslöser steht im Vordergrund. Körpernahe Fixierungen sollen strikt vermieden werden, da sie das Delir verschlechtern können.

Eine pharmakologische Therapie wird nur bei stark belastenden Symptomen wie Wahn, Angst oder massiver Agitation empfohlen. Hierbei kommen niedrig dosierte Antipsychotika zum Einsatz, deren Indikation täglich überprüft werden muss.

Dosierung

Die Leitlinie gibt folgende Orientierungswerte für die zielsymptomorientierte Behandlung mit Antipsychotika bei einem nicht-substanzbedingten Delir an. Die Dosierungen müssen individuell und unter Berücksichtigung von Kontraindikationen angepasst werden.

WirkstoffStartdosisTagesdosis (Maximaldosis)ZielsymptomatikAnmerkungen
Haloperidol0,2 - 1 mg0,1 - 0,5 mg alle 4-8 h (max. 4 mg)Wahn, Halluzinationen, massive Agitationp.o., i.m., s.c.; EKG-Kontrolle (QTc) erforderlich
Risperidon0,25 - 0,5 mg0,25 - 0,5 mg bis 4x/Tag (max. 2 mg)Wahn, Halluzinationen, massive Agitationp.o.; Off-Label-Use; cave EPMS
Pipamperon10 - 40 mg10 - 120 mg zur Nacht (max. 360 mg)Unruhe, Tag-Nacht-Umkehrp.o.; kaum Interaktionen
Melperon12,5 - 50 mg12,5 - 50 mg zur Nacht (max. 200 mg)Unruhe, Tag-Nacht-Umkehrp.o.; cave orthostatische Hypotonie
Quetiapin12,5 - 25 mg25 - 50 mg bis 4x/Tag (max. 200 mg)Wahn, Unruhe, Tag-Nacht-Umkehrp.o.; Off-Label-Use; Mittel der Wahl bei M. Parkinson

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt vor dem Einsatz folgender Maßnahmen und Substanzklassen beim nicht-substanzbedingten Delir:

  • Körpernahe Fixierungen: Sollen strikt vermieden werden, da sie das Delirrisiko erhöhen und die Symptomatik verschlechtern.

  • Benzodiazepine: Dürfen nicht zur Therapie eingesetzt werden, da sie das Delir verstärken und verlängern können (Ausnahme: Alkohol- oder Benzodiazepinentzugsdelir).

  • Acetylcholinesterasehemmer: Sollen nicht zur alleinigen Delirtherapie angesetzt werden. Bestehende Verordnungen bei Demenz sollten jedoch beibehalten werden.

  • Melatonin: Wird weder zur Prävention noch zur Therapie des Delirs im akutstationären Setting empfohlen.

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💡Praxis-Tipp

Ein häufiger klinischer Fehler ist das Übersehen eines hypoaktiven Delirs, da diese Personen nicht durch Agitation auffallen. Die Leitlinie betont zudem, dass Antipsychotika nicht pauschal, sondern nur bei stark belastenden psychotischen Symptomen oder massiver Agitation eingesetzt werden sollen. Eine kausale Ursachensuche hat stets Vorrang vor einer medikamentösen Sedierung.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt validierte Instrumente wie den 4AT, den CAM-Algorithmus (inklusive 3D-CAM), die Nu-DESC oder die DOS-Skala. Die Auswahl sollte an das jeweilige klinische Setting angepasst sein.

Eine routinemäßige zerebrale Bildgebung wird nicht empfohlen. Sie ist laut Leitlinie indiziert bei neuen fokal-neurologischen Symptomen, unerklärlicher Bewusstseinstrübung oder Hinweisen auf ein primäres ZNS-Geschehen.

Es wird dringend davon abgeraten, Benzodiazepine beim nicht-substanzbezogenen Delir einzusetzen, da sie die Symptomatik verstärken können. Eine Ausnahme bildet die Behandlung des Alkohol- oder Benzodiazepinentzugsdelirs.

Es wird die tägliche Anwendung von nicht-medikamentösen Multikomponenten-Programmen empfohlen. Diese umfassen Maßnahmen wie Reorientierung, Förderung des Tag-Nacht-Rhythmus, Frühmobilisation und den Ausgleich sensorischer Defizite.

Die Leitlinie rät von einer medikamentösen Delirprävention ab. Weder Antipsychotika noch Melatonin haben einen ausreichend belegten präventiven Nutzen und bergen stattdessen Risiken für Nebenwirkungen.

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Quelle: S3-Leitlinie Delir im höheren Lebensalter (DGPPN, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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