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Notfallpsychiatrie: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die häufigsten psychiatrischen Notfälle sind Intoxikationen, Erregungszustände, Suizidalität und das Delir.
  • Ein Delir ist durch fluktuierende Aufmerksamkeitsstörungen gekennzeichnet und hat unbehandelt eine Mortalität von ca. 30 %.
  • Bei Intoxikationen ist das klinische Bild entscheidend; Blut- oder Urinspiegel allein sind keine validen Parameter für die Schwere.
  • Erregungszustände verlaufen in vier Phasen und erfordern frühzeitige Deeskalation zur Vermeidung von Fremd- und Eigengefährdung.
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Hintergrund

Ein psychiatrischer Notfall ist eine Situation, in der das akute Auftreten oder die Exazerbation einer psychiatrischen Störung zu einer unmittelbaren Gefährdung von Leben und Gesundheit führt. Jährlich werden in Deutschland schätzungsweise 1,5 Millionen Patienten mit psychiatrischen Notfällen in Notaufnahmen versorgt.

Häufigste Notfallindikationen:

  • Intoxikationen (häufig Alkohol)
  • Erregungszustände
  • Suizidalität
  • Delir

Bewusstseinsstörungen und Delir

Bewusstseinsstörungen werden in quantitative (Vigilanzminderung) und qualitative (z. B. Verwirrtheit, Delir) unterteilt. Das Delir ist eine akute, organische psychische Reaktionsform mit hoher Mortalität (unbehandelt ca. 30 %, behandelt 1-2 %).

Risikofaktoren für ein DelirAuslösende Faktoren (Beispiele)
Fortgeschrittenes Alter (>65 Jahre)Operationen (z. B. kardiochirurgisch)
Kognitive Einschränkungen (Demenz)Infektionen / Fieber
Sensorische Defizite (Brille, Hörgerät)Medikamente / Intoxikationen
Schwere VorerkrankungenImmobilisation / Fixierung

Substanzinduzierte Notfälle

Intoxikationen erfordern eine genaue klinische Beobachtung. Die Substanzkonzentration in Blut oder Urin ist kein valider Parameter für die alleinige Einschätzung der Schwere. Mischintoxikationen sind häufig.

SubstanzklasseZNS-SymptomeVegetative / Somatische Symptome
OpiateSomnolenz, Koma, AntriebsminderungMiosis, Atemdepression, Bradykardie
KokainAgitation, Wahn, KrampfanfälleMydriasis, Tachykardie, Hypertonie
StimulanzienAggression, Hypervigilanz, PsychoseMydriasis, Arrhythmien, Hyperthermie
CannabinoideVerwirrtheit, Angst, SedierungTachykardie, Bindehautentzündung

Angstsyndrome

Angststörungen (z. B. Panikattacken) sind keine vital bedrohlichen Notfälle, werden aber von Patienten oft als solche erlebt. Sie sind häufige Vorstellungsgründe in Notaufnahmen.

  • Panikattacke: Abrupt beginnende Episoden intensiver Angst (Maximum nach 5-10 Minuten).
  • Symptome: Tachykardie, Atemnot, Schwindel, Todesangst.
  • Wichtig: Angst kann auch Leitsymptom somatischer Erkrankungen sein (z. B. Lungenembolie, Herzinfarkt, Hypoglykämie). Ein somatisches Medical Clearing ist essenziell.

Erregungszustände

Erregungszustände sind durch innere Gespanntheit, gesteigerten Antrieb und sympathikotone Stimulation gekennzeichnet. Sie bergen ein hohes Risiko für Eigen- und Fremdgefährdung.

PhaseBezeichnungKlinisches Bild
1ProdromalphaseGespanntheit, Misstrauen, Kontaktverlust
2Verbale AggressionLaute Stimme, inadäquate Reaktion auf Ansprache
3Motorische AggressionZerstörung von Gegenständen, bedrohliches Verhalten
4ErregungssturmUnkontrollierte Gewalttätigkeit, extreme Kraftentwicklung

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei Intoxikationen nicht allein auf toxikologische Spiegel, sondern beurteilen Sie stets das klinische Gesamtbild. Führen Sie bei Panikattacken und unklaren Erregungszuständen immer ein somatisches Medical Clearing durch.

Häufig gestellte Fragen

Die häufigsten Ursachen sind Intoxikationen (insbesondere Alkohol), Erregungszustände und Suizidalität.
Die Mortalität eines unbehandelten Delirs liegt bei etwa 30 %, sinkt jedoch unter adäquater Behandlung auf 1-2 %.
Ein Erregungszustand verläuft typischerweise in vier Phasen: Prodromalphase (Gespanntheit), verbale Aggression, motorische Aggression und schließlich der Erregungssturm mit unkontrollierter Gewalttätigkeit.

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