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Analgesie, Sedierung & Delir (DAS-Leitlinie) | AWMF

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Intensivpatienten sollen wach, aufmerksam sowie schmerz-, angst- und delirfrei sein.
  • Eine Übersedierung ist strikt zu vermeiden; nicht-pharmakologische Delirprävention hat Vorrang.
  • Monitoring von Analgesie, Sedierung und Delir soll mindestens 8-stündlich mit validierten Scores (z. B. RASS, CAM-ICU, BPS) erfolgen.
  • Die Analgesie sollte primär Opioid-basiert erfolgen, wobei Morphin aufgrund von Akkumulationsgefahr seltener zur Langzeittherapie eingesetzt wird.
  • Eine generelle pharmakologische Delirprävention wird bei Erwachsenen nicht empfohlen.
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Hintergrund

Für viele Patienten stellt eine intensivmedizinische Behandlung einen schweren Einschnitt dar, der zu Langzeitfolgen wie dem Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS) oder einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) führen kann. Der Leitsatz der Leitlinie lautet: Intensivstationäre Patienten sollen wach, aufmerksam, schmerz-, angst- und delirfrei sein, um an der eigenen Behandlung und Genesung aktiv teilnehmen zu können.

Risikofaktoren für ein Delir

Die Entwicklung eines intensivmedizinischen Delirs (Inzidenz 30-80%) hängt von prädisponierenden und präzipitierenden Faktoren ab:

KategorieFaktoren
BasisfaktorenHöheres Alter, Komorbiditäten, vorbestehendes kognitives Defizit, chronische Schmerzen, hoher APACHE-Score
BehandlungsassoziiertOperativer Eingriff, Einsatz von Benzodiazepinen, Tiefe und Dauer der Sedierung, maschinelle Beatmung, Fixierung

Prävention und Therapie

Eine Übersedierung soll vermieden werden (Empfehlungsgrad A). Eine generelle pharmakologische Delirprävention wird nicht empfohlen. Stattdessen stehen nicht-pharmakologische Maßnahmen im Vordergrund:

  • Tagsüber (aktivierend): Frühmobilisierung, kognitive Stimulation, zeitliche Reorientierung (Uhr/Kalender), Tageslicht, Einbinden der Angehörigen.
  • Nachts (schlaffördernd): Lärmreduktion, Lichtanpassung, Anbieten von Ohrstöpseln/Schlafbrillen, Bündelung pflegerischer Maßnahmen auf den Tag.

Monitoring

Das Behandlungsziel und der aktuelle Grad von Analgesie, Sedierung und Delir sollen mindestens einmal pro Schicht (8-stündlich) mit validierten Scores dokumentiert werden.

BereichEmpfohlene Scores / InstrumenteBemerkung
Schmerz (Selbsteinschätzung)NRS-V, VAS, VRSGoldstandard bei wachen, kooperativen Patienten
Schmerz (Fremdeinschätzung)BPS, BPS-NI, CPOT, BESDBei eingeschränkter Kommunikation (z.B. Beatmung, Demenz)
SedierungRASS (Richmond Agitation and Sedation Scale)Goldstandard im deutschsprachigen Raum
DelirCAM-ICU, ICDSCSchulung des Personals erforderlich

Apparatives Monitoring: EEG-basierte Messverfahren sollen bei sehr tief sedierten Patienten (RASS -4/-5) zur Vermeidung von Burst Suppression und bei neuromuskulär blockierten Patienten angestrebt werden.

Analgesie-Konzepte

Die Schmerztherapie soll an die individuelle Situation angepasst sein und primär Opioid-basiert erfolgen. Bei wachen, kooperativen Patienten sollte eine patientenkontrollierte Analgesie (PCA) bevorzugt werden. Regionale Analgesieverfahren sollten in das Konzept einbezogen werden.

WirkstoffIndikation / EigenschaftenBemerkung
Sufentanil / FentanylLangzeitanalgesie, kardiovaskulär stabilSufentanil kann auch zur Analgosedierung genutzt werden
RemifentanilKurze Analgesie (≤ 72h), Weaning-PhaseOrganunabhängiger Abbau, sehr gut steuerbar
MorphinStarke SchmerzenWegen aktiver Metabolite (Akkumulation bei Niereninsuffizienz) und Histaminfreisetzung in Deutschland kaum zur Langzeittherapie genutzt

Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS) und Kommunikation

Der Verlust der sprachlichen Kommunikationsfähigkeit erhöht die emotionale Belastung massiv. Die Kommunikationsfähigkeit soll systematisch erfasst und durch alternative Kommunikationsmethoden (z.B. Sprechventil, Buchstabentafeln) unterstützt werden. Dies senkt das Risiko für psychische Spätfolgen wie PTSD, welche stark mit der Dauer der Sedierung und dem Einsatz von Benzodiazepinen assoziiert sind.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie mindestens einmal pro Schicht (8-stündlich) ein strukturiertes Monitoring von Schmerz (z.B. BPS/NRS), Sedierung (RASS) und Delir (CAM-ICU) durch. Vermeiden Sie tiefe Sedierungen und Benzodiazepine, um das Delir- und PTSD-Risiko signifikant zu senken.

Häufig gestellte Fragen

Der RASS (Richmond Agitation and Sedation Scale) gilt im deutschsprachigen Raum als Goldstandard zur Beurteilung der Sedierungstiefe.
Das Screening auf delirante Symptome soll mindestens einmal pro Schicht (in der Regel 8-stündlich) mit validierten Scores wie dem CAM-ICU oder der ICDSC durchgeführt werden.
Nein, eine generelle pharmakologische Delirprävention wird bei erwachsenen Intensivpatienten nicht empfohlen. Der Fokus liegt auf nicht-pharmakologischen Maßnahmen (z.B. Frühmobilisation, Schlafhygiene).
Fentanyl und Sufentanil werden primär empfohlen. Remifentanil eignet sich besonders für kurze Analgesien (<72h) oder in der Weaning-Phase. Morphin wird wegen der Gefahr der Akkumulation bei Niereninsuffizienz seltener zur Langzeittherapie eingesetzt.
Ein EEG-basiertes Monitoring soll bei sehr tief sedierten Patienten (RASS -4/-5) zur Vermeidung einer Übersedierung (Burst Suppression) sowie bei neuromuskulär blockierten Patienten angestrebt werden.

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