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Ambulant erworbene Pneumonie (CAP): Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Einteilung der CAP erfolgt nach Therapieziel und Funktionalität in die Gruppen 1a, 1b und 2.
  • Zur initialen Risikostratifizierung wird der CRB-65-Score empfohlen, zwingend ergänzt durch eine Oxygenierungsmessung.
  • Eine thorakale Bildgebung (Röntgen oder Ultraschall) ist zur Diagnosesicherung einer Pneumonie essenziell.
  • Bei leichtgradiger, ambulant behandelter CAP ist routinemäßig keine mikrobiologische Diagnostik erforderlich.
  • Patienten mit >2 ATS/IDSA-Minorkriterien oder einem Majorkriterium gelten als akuter Notfall und benötigen sofortige Intensivtherapie.
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Hintergrund

Die ambulant erworbene Pneumonie (CAP) wird außerhalb des Krankenhauses bei immunkompetenten Patienten erworben. Sie ist abzugrenzen von der nosokomialen Pneumonie (HAP) und der Pneumonie unter schwerer Immunsuppression. Die Leitlinie teilt Patienten basierend auf Funktionalität, Komorbidität und Prognose in drei Gruppen ein, um das Therapieziel (kurativ vs. palliativ) festzulegen.

GruppeFunktionalität / SituationTherapiezielBemerkung
1aGute bis ausreichende Funktionalität (Bettlägerigkeit < 50 % des Tages)KurativSetting abhängig vom Schweregrad
1bNHAP (Pflegeheim) und/oder schlechte Funktionalität (Bettlägerigkeit ≥ 50 %)KurativCRB-65 oft nicht prädiktiv für niedriges Risiko
2Schwere Komorbidität mit infauster PrognosePalliativHospitalisierung nur bei pflegerischer Notwendigkeit

Diagnostik

Die klinische Symptomatik (Husten, Fieber, Dyspnoe) ist unspezifisch. Zur Diagnosesicherung wird folgende Bildgebung empfohlen:

  • Stationärer Bereich: Die Diagnose soll durch eine thorakale Bildgebung gesichert werden (Starke Empfehlung).
  • Ambulanter Bereich: Eine Bildgebung sollte angestrebt werden.
  • Röntgenthorax: Standardverfahren in zwei Ebenen zur Erfassung von Ausdehnung und Komplikationen.
  • Thoraxsonografie: Hohe Sensitivität/Spezifität, besonders in Kombination mit Auskultation, gut zur Erfassung pleuraler Prozesse.

Biomarker wie CRP und Procalcitonin (PCT) können helfen, die Notwendigkeit einer antimikrobiellen Therapie im ambulanten Bereich einzuschätzen, ersetzen aber nicht die klinische Beurteilung.

Schweregradbestimmung und Scores

Die ärztliche Einschätzung steht im Zentrum. Zur Objektivierung werden Scores eingesetzt.

CRB-65-Score (Letalitätsprädiktion)

Zur Identifikation von Patienten mit minimalem Risiko soll der CRB-65-Score genutzt werden (Starke Empfehlung). Jeder Parameter gibt 1 Punkt:

KriteriumDefinition
ConfusionBewusstseinstrübung
Respiratory RateAtemfrequenz ≥ 30/min
Blood PressureDiastolisch ≤ 60 mmHg oder systolisch < 90 mmHg
65Alter ≥ 65 Jahre

Zusätzlich müssen funktioneller Status, instabile Komorbiditäten und die Oxygenierung (SaO2 > 92 %) evaluiert werden.

ATS/IDSA-Minorkriterien (Risikoprädiktion)

Zur Identifikation von Hochrisikopatienten in der Notaufnahme soll eine Evaluation der Organdysfunktion erfolgen. Ein hohes Risiko für intensivmedizinische Therapie besteht bei > 2 von 9 Minorkriterien:

KategorieMinorkriterien
Respiratorischschwere akute respiratorische Insuffizienz (PaO2 ≤ 55 mmHg), Atemfrequenz ≥ 30/min, multilobäre Infiltrate
Hämodynamischsystemische Hypotension (Volumentherapie nötig)
Labor/Klinikakutes Nierenversagen, Leukopenie (< 4000/mm³), Thrombozytopenie (< 100.000/mm³), Hypothermie (< 36 °C), Bewusstseinsstörung

Therapiesetting und Notfallmanagement

  • Ambulante Therapie: Patienten mit CRB-65 = 0, ausreichender Oxygenierung (SaO2 > 92 %) und ohne instabile Komorbiditäten sollen ambulant behandelt werden (Starke Empfehlung). Reevaluation nach 48–72 Stunden.
  • Intensivierte Überwachung (Mittelschwere CAP): Patienten mit 1-2 Minorkriterien, instabilen Komorbiditäten oder Laktat > 2 mmol/l sollen stationär intensiviert überwacht werden.
  • Akuter Notfall (Schwere CAP): Patienten mit > 2 Minorkriterien oder einem Majorkriterium (invasive Beatmung, Vasopressortherapie) benötigen umgehendes Intensivmanagement (Volumentherapie, Breitspektrumantibiotika innerhalb 1 Stunde).

Mikrobiologische Diagnostik

SchweregradEmpfohlene Diagnostik
Leichtgradig (ambulant)In der Regel keine mikrobiologische Diagnostik erforderlich (Starke Empfehlung).
Mittelschwer / Schwer (stationär)- Mindestens 2 Blutkulturpärchen<br>- Urin-Antigentest auf Legionellen<br>- Adäquates Sputum (Verarbeitung < 4h)
  • Ein Urin-Antigentest auf Pneumokokken sollte zur Therapiefokussierung genutzt werden.
  • Molekulare Multiplexverfahren (PCR-Panels) sollen nicht routinemäßig eingesetzt werden (Starke Empfehlung).
  • Bei epidemiologischen Hinweisen (Saison, Pandemie) soll auf Influenza A/B und SARS-CoV-2 getestet werden.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei älteren Patienten und Pflegeheimbewohnern nicht allein auf den CRB-65-Score, da dieser hier oft kein niedriges Risiko mehr zuverlässig prädiziert. Messen Sie immer zusätzlich die Oxygenierung (SaO2) und evaluieren Sie instabile Komorbiditäten.

Häufig gestellte Fragen

Bei einem CRB-65-Score von 0, einer Sauerstoffsättigung > 92 %, fehlenden instabilen Komorbiditäten und gesicherter sozialer Versorgung. Eine Reevaluation sollte nach 48-72 Stunden erfolgen.
Bei mittelschwerer und schwerer CAP sollen mindestens zwei Blutkulturpärchen, ein Urin-Antigentest auf Legionellen sowie eine Sputumuntersuchung (falls innerhalb von 4 Stunden verarbeitbar) abgenommen werden.
Wenn mehr als 2 ATS/IDSA-Minorkriterien vorliegen oder ein Majorkriterium (invasive Beatmung oder Vasopressortherapie) erfüllt ist. Hier muss innerhalb einer Stunde eine kalkulierte Antibiotikatherapie starten.
Nein, die Leitlinie spricht eine starke Empfehlung dagegen aus, da asymptomatische Besiedlungen häufig sind und die klinische Relevanz oft unklar bleibt.
Ein Laktatwert > 2 mmol/l weist auf eine erhöhte Letalität und Organdysfunktion hin. Diese Patienten bedürfen einer intensivierten Überwachung und serieller Laktatkontrollen.

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