ClariMedClariMed

Reha bei BWS/LWS-Frakturen: AWMF-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Rehabilitation sollte so früh wie möglich, idealerweise parallel zur Akutbehandlung, beginnen.
  • Eine ausreichende, multimodale Schmerztherapie ist Voraussetzung für die Frühmobilisation.
  • Orthesen sind bei stabilen, monosegmentalen Frakturen Knochengesunder nicht routinemäßig erforderlich.
  • Sporttherapie und MTT am Rumpf sind in der Frühphase kontraindiziert, an den Extremitäten jedoch möglich.
  • In der Frühphase (Woche 1-6) sind tiefe Sitzpositionen sowie Flexions- und Rotationsbelastungen der Wirbelsäule zu vermeiden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Leitlinie behandelt die Rehabilitation von Patienten mit stabilen bzw. operativ stabil versorgten traumatischen Frakturen der Brust- und Lendenwirbelsäule (BWS/LWS) ohne neurologisches Defizit. Osteoporotische Frakturen sind ausgeschlossen. Übergeordnetes Ziel ist die Besserung der funktionalen Gesundheit und Wiederherstellung der Teilhabe nach dem biopsychosozialen ICF-Modell.

Zeitpunkt und Setting

Die Rehabilitation sollte so früh wie möglich und bereits während der Akutbehandlung beginnen. Bei der Wahl des Settings gelten folgende Kriterien:

SettingIndikation / Faktoren
AmbulantMobile Patienten (z. B. nach Monoverletzungen), wohnortnahe Versorgung möglich
StationärMultimorbidität, höheres Alter, Mehrfachverletzungen, Komplikationen, unzumutbare Fahrzeiten, psychosoziale Belastungsfaktoren

Therapiemaßnahmen

Schmerztherapie

Eine ausreichende Schmerztherapie ist Voraussetzung für die frühe Mobilisierung. Schmerztherapeutische Maßnahmen sollen multimodal und individuell abgestimmt in ausreichendem Maße zum Einsatz kommen.

Physiotherapie

Physiotherapie und Krankengymnastik sollen schmerzadaptiert zum Einsatz kommen. In der Frühphase dürfen manualtherapeutische Techniken im betroffenen Abschnitt nicht durchgeführt werden. Flexions- und Rotationsbelastungen sind anfangs zu vermeiden.

Sporttherapie und MTT

Sporttherapie / Medizinische Trainingstherapie (MTT) sollen in der ersten Phase nicht im Bereich der Wirbelsäule und des Rumpfes angewendet werden. Ein Training anderer Körperregionen (z. B. untere Extremität) ist jedoch sinnvoll zur Vermeidung von Immobilitätsrisiken. Im weiteren Verlauf wird das Training schmerzadaptiert auf den Rumpf ausgeweitet.

Orthesenversorgung

Eine orthetische Versorgung von stabilen, mono-segmentalen Frakturen ist bei einem Knochengesunden nicht notwendig. Sie kann im Einzelfall zur Schmerzreduktion und Frühmobilisierung in Erwägung gezogen werden.

Phasen der Rehabilitation

Das Stufenschema unterteilt die Rehabilitation in vier Phasen:

PhaseZeitraumTherapiezieleBemerkung / Einschränkungen
1. Bewegungsstabilität1.-6. WocheSchmerzreduktion, ADL-Training, GangschulungVermeiden von: tiefem Sitzen, Hockstellung, Rumpfbeuge, Rotation. Drehen en bloc.
2. Belastungsstabilität I7.-8. WocheVerbesserung von Beweglichkeit, Kraft und KoordinationNormales Sitzen erlaubt. Keine forcierte Rotation.
3. Belastungsstabilität II9.-12. WocheAusdauer, Krafttraining, Stabilisation RumpfErreichen der früheren Belastbarkeit.
4. Trainingsstabilitätab 13. WocheArbeitsfähigkeit, sportspezifisches TrainingKontaktsportarten frühestens nach 7 Monaten (knöcherne Konsolidierung).

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei knochengesunden Patienten mit stabilen, monosegmentalen Frakturen auf eine routinemäßige Orthesenversorgung. Nutzen Sie Orthesen nur im individuellen Einzelfall zur Schmerzreduktion und Frühmobilisierung.

Häufig gestellte Fragen

So früh wie möglich, idealerweise bereits parallel zur Akutbehandlung im Krankenhaus.
Nein, bei knochengesunden Patienten mit stabilen, monosegmentalen Frakturen sind sie nicht zwingend erforderlich, können aber zur Schmerzreduktion erwogen werden.
Ein sport- und arbeitsplatzspezifisches Training beginnt ab der 13. Woche. Kontaktsportarten sind frühestens nach gesicherter knöcherner Konsolidierung (ab dem 7. Monat) erlaubt.
In den ersten 6 Wochen sollten tiefe Sitzpositionen, Hockstellung sowie Rumpfbeugung (Flexion) und Rotation vermieden werden. Das Drehen im Bett sollte 'en bloc' erfolgen.

Verwandte Leitlinien