Reha bei BWS/LWS-Frakturen: AWMF-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Die Rehabilitation sollte so früh wie möglich, idealerweise parallel zur Akutbehandlung, beginnen.
- •Eine ausreichende, multimodale Schmerztherapie ist Voraussetzung für die Frühmobilisation.
- •Orthesen sind bei stabilen, monosegmentalen Frakturen Knochengesunder nicht routinemäßig erforderlich.
- •Sporttherapie und MTT am Rumpf sind in der Frühphase kontraindiziert, an den Extremitäten jedoch möglich.
- •In der Frühphase (Woche 1-6) sind tiefe Sitzpositionen sowie Flexions- und Rotationsbelastungen der Wirbelsäule zu vermeiden.
Hintergrund
Die Leitlinie behandelt die Rehabilitation von Patienten mit stabilen bzw. operativ stabil versorgten traumatischen Frakturen der Brust- und Lendenwirbelsäule (BWS/LWS) ohne neurologisches Defizit. Osteoporotische Frakturen sind ausgeschlossen. Übergeordnetes Ziel ist die Besserung der funktionalen Gesundheit und Wiederherstellung der Teilhabe nach dem biopsychosozialen ICF-Modell.
Zeitpunkt und Setting
Die Rehabilitation sollte so früh wie möglich und bereits während der Akutbehandlung beginnen. Bei der Wahl des Settings gelten folgende Kriterien:
| Setting | Indikation / Faktoren |
|---|---|
| Ambulant | Mobile Patienten (z. B. nach Monoverletzungen), wohnortnahe Versorgung möglich |
| Stationär | Multimorbidität, höheres Alter, Mehrfachverletzungen, Komplikationen, unzumutbare Fahrzeiten, psychosoziale Belastungsfaktoren |
Therapiemaßnahmen
Schmerztherapie
Eine ausreichende Schmerztherapie ist Voraussetzung für die frühe Mobilisierung. Schmerztherapeutische Maßnahmen sollen multimodal und individuell abgestimmt in ausreichendem Maße zum Einsatz kommen.
Physiotherapie
Physiotherapie und Krankengymnastik sollen schmerzadaptiert zum Einsatz kommen. In der Frühphase dürfen manualtherapeutische Techniken im betroffenen Abschnitt nicht durchgeführt werden. Flexions- und Rotationsbelastungen sind anfangs zu vermeiden.
Sporttherapie und MTT
Sporttherapie / Medizinische Trainingstherapie (MTT) sollen in der ersten Phase nicht im Bereich der Wirbelsäule und des Rumpfes angewendet werden. Ein Training anderer Körperregionen (z. B. untere Extremität) ist jedoch sinnvoll zur Vermeidung von Immobilitätsrisiken. Im weiteren Verlauf wird das Training schmerzadaptiert auf den Rumpf ausgeweitet.
Orthesenversorgung
Eine orthetische Versorgung von stabilen, mono-segmentalen Frakturen ist bei einem Knochengesunden nicht notwendig. Sie kann im Einzelfall zur Schmerzreduktion und Frühmobilisierung in Erwägung gezogen werden.
Phasen der Rehabilitation
Das Stufenschema unterteilt die Rehabilitation in vier Phasen:
| Phase | Zeitraum | Therapieziele | Bemerkung / Einschränkungen |
|---|---|---|---|
| 1. Bewegungsstabilität | 1.-6. Woche | Schmerzreduktion, ADL-Training, Gangschulung | Vermeiden von: tiefem Sitzen, Hockstellung, Rumpfbeuge, Rotation. Drehen en bloc. |
| 2. Belastungsstabilität I | 7.-8. Woche | Verbesserung von Beweglichkeit, Kraft und Koordination | Normales Sitzen erlaubt. Keine forcierte Rotation. |
| 3. Belastungsstabilität II | 9.-12. Woche | Ausdauer, Krafttraining, Stabilisation Rumpf | Erreichen der früheren Belastbarkeit. |
| 4. Trainingsstabilität | ab 13. Woche | Arbeitsfähigkeit, sportspezifisches Training | Kontaktsportarten frühestens nach 7 Monaten (knöcherne Konsolidierung). |
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei knochengesunden Patienten mit stabilen, monosegmentalen Frakturen auf eine routinemäßige Orthesenversorgung. Nutzen Sie Orthesen nur im individuellen Einzelfall zur Schmerzreduktion und Frühmobilisierung.