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Wirbelsäulenmetastasen: DGOOC-Leitlinie zur Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGOOC (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die DGOOC-Leitlinie (2024) behandelt die Diagnostik und Therapie von extraduralen Wirbelsäulenmetastasen. Durch die steigende Lebenserwartung bei onkologischen Erkrankungen nimmt die Prävalenz dieser ossären Manifestationen stetig zu.

Etwa 5 bis 10 Prozent aller Tumorerkrankten entwickeln im Verlauf Metastasen an der Wirbelsäule. Die häufigsten Primärtumore sind dabei das Mamma-, Prostata- und Bronchialkarzinom.

Leitsymptome sind oft lokale Schmerzen, pathologische Frakturen sowie neurologische Ausfälle bis hin zum Querschnittssyndrom. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit ist laut Leitlinie essenziell, um die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten und Über- oder Untertherapien zu vermeiden.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:

Diagnostik und Scores

Bei Verdacht auf symptomatische oder progrediente Wirbelsäulenmetastasen wird eine Bildgebung mittels MRT und/oder CT empfohlen. Bei neurologischen Ausfällen oder Verdacht auf Myelonkompression ist die MRT das Verfahren der Wahl zur Beurteilung der Weichteile und Nervenstrukturen.

Zur Bewertung der mechanischen Stabilität soll der Spinal Instability Neoplastic Score (SINS) herangezogen werden.

Die Leitlinie klassifiziert die Stabilität anhand des SINS wie folgt:

SINS-PunktwertStabilitätseinschätzung
1-6Stabil
7-12Potenziell instabil
13-18Instabil

Eine bioptische Diagnosesicherung wird empfohlen, wenn der Primärtumor unbekannt ist oder sich daraus eine therapeutische Konsequenz ergibt (Konsensstärke: 89 %).

Interdisziplinäre Tumorkonferenz

Es wird eine interdisziplinäre Falldiskussion für alle Betroffenen gefordert. Diese sollte nach Möglichkeit präoperativ stattfinden, um onkologische, strahlentherapeutische und chirurgische Aspekte abzuwägen.

Strahlentherapie

Die alleinige Strahlentherapie ist eine effektive Methode zur Schmerzbehandlung und soll eingesetzt werden, sofern keine Indikation für eine vorgeschaltete Operation besteht. Bei instabiler Wirbelsäule oder intraspinalen Knochenfragmenten wird vor der Bestrahlung eine operative Versorgung empfohlen.

Die Leitlinie unterscheidet bei der Bestrahlungstechnik:

  • Konventionelle Strahlentherapie (cEBRT) mit fraktionierten Regimen bei guter Überlebensprognose.

  • Einzeit-Bestrahlung (1 x 8 Gy) bei begrenzter Lebenserwartung.

  • Stereotactic Body Radiotherapy (SBRT) bei wenig strahlensensiblen Tumoren und oligometastasierter Situation.

Zur Prophylaxe eines strahleninduzierten Schmerzschubs (Pain Flare) kann eine kurzzeitige Gabe von Glukokortikoiden geprüft werden.

Operative Therapie

Die Wahl des operativen Verfahrens hängt von der Stabilität, dem Grad der Myelonkompression und der Tumorbiologie ab. Bei funktionell bedeutsamen neurologischen Defiziten mit erheblicher Beeinträchtigung wird eine notfallmäßige Operation innerhalb von 6 Stunden empfohlen.

Bei hypervaskularisierten Metastasen sollte vor offenen Operationen eine Embolisation der Tumorgefäße erfolgen. Der operative Eingriff sollte dann nicht später als 48 Stunden nach der Embolisation stattfinden.

Minimalinvasive Augmentationsverfahren (Vertebroplastie, Kyphoplastie) können zur Schmerzreduktion bei primär stabilen Läsionen eingesetzt werden. Sie besitzen jedoch keinen antitumoralen Effekt und sollten grundsätzlich mit einer Strahlentherapie kombiniert werden.

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Eine Schnellschnitt-Diagnostik bei knochenharten Läsionen der Wirbelsäule wird nicht empfohlen, da sie technisch limitiert ist.

  • Die präoperative Strahlentherapie hat derzeit experimentellen Charakter und soll nicht außerhalb von klinischen Studien angewendet werden.

  • Bei instabilen Wirbelsäulensituationen, die kurzfristig nicht behebbar sind, ist von einer aktiven Rehabilitation Abstand zu nehmen.

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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie weist darauf hin, dass hypervaskularisierte Wirbelsäulenmetastasen (wie beim Nierenzellkarzinom) ein massiv erhöhtes intraoperatives Blutungsrisiko aufweisen. Es wird daher dringend empfohlen, diese Läsionen vor einer offenen Operation zu embolisieren. Um neurologische Komplikationen rechtzeitig zu erkennen und Schwellungseffekte zu minimieren, sollte der chirurgische Eingriff idealerweise innerhalb von 48 Stunden nach der Embolisation erfolgen.

Häufig gestellte Fragen

Zur Beurteilung der Stabilität wird laut Leitlinie der Spinal Instability Neoplastic Score (SINS) herangezogen. Ein SINS-Wert unter 7 gilt als stabil, während Werte über 12 als instabil betrachtet werden.

Bei Verdacht auf eine symptomatische Metastasierung wird eine Bildgebung mittels MRT und/oder CT empfohlen. Die MRT ist dabei besonders für die Beurteilung von Weichteilen, Rückenmark und Nervenwurzeln überlegen.

Die Leitlinie empfiehlt bei funktionell bedeutsamen neurologischen Defiziten (z. B. hochgradige Paresen) eine notfallmäßige Operation innerhalb von 6 Stunden. Bei milden Defiziten sollte der Eingriff zeitnah innerhalb von 24 Stunden erfolgen.

Zur Prophylaxe einer vorübergehenden Schmerzzunahme (Pain Flare) nach einer Strahlentherapie kann eine kurzzeitige Behandlung mit einem Glukokortikoid geprüft werden. Die Leitlinie nennt hier beispielsweise Dexamethason.

Eine bioptische Diagnosesicherung wird empfohlen, wenn klinisch oder radiologisch nicht eindeutig ist, ob es sich um eine Metastase oder einen Primärtumor handelt. Zudem ist sie indiziert, wenn sich aus der Histologie eine therapeutische Konsequenz für die weitere onkologische Behandlung ergibt.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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