DGOOCS12023Orthopädie

Adoleszente Idiopathische Skoliose (AIS): DGOOC Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGOOC (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die DGOOC-Leitlinie befasst sich mit der Adoleszenten Idiopathischen Skoliose (AIS). Dabei handelt es sich um eine dreidimensionale Wirbelsäulendeformität, die typischerweise zwischen dem 10. und 18. Lebensjahr auftritt und keine klar erkennbare Ursache aufweist.

Die Prävalenz der AIS liegt zwischen 0,47 und 5,2 Prozent. Mädchen sind insbesondere von schwereren Krümmungen deutlich häufiger betroffen als Jungen. Ein unbehandelter Verlauf kann nach Wachstumsabschluss zu einer stetigen Krümmungszunahme und funktionellen Einschränkungen führen.

Die genaue Ätiopathogenese ist bis heute unbekannt. Es wird eine multifaktorielle Ursache diskutiert, bei der genetische Faktoren, hormonelle Einflüsse und eine Imbalance des Wirbelsäulenwachstums eine zentrale Rolle spielen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Betreuung von Patienten mit AIS:

Klinische und radiologische Diagnostik

Bei der klinischen Untersuchung wird die Beurteilung von Schulterstand, Beckenstand und Rumpfüberhang empfohlen. Ab einem Rippenbuckel oder Lendenwulst von 5 Grad im Adams-Vorbeugetest (gemessen mit dem Skoliometer) sollte eine radiologische Diagnosesicherung erfolgen.

Als Standard der Erstdiagnostik wird eine Ganzwirbelsäulen-Aufnahme im Stehen in zwei Ebenen empfohlen. Separate Aufnahmen von Brust- und Lendenwirbelsäule sind hierfür nicht geeignet.

Vor einer geplanten operativen Korrektur sollte eine MRT-Untersuchung der gesamten Wirbelsäule durchgeführt werden. Dies dient dem Ausschluss intraspinaler Fehlbildungen wie Syringomyelie oder Tethered Cord.

Indikationen und Therapieziele

Die therapeutischen Schritte richten sich nach dem Cobb-Winkel und dem verbleibenden Restwachstum. Die Leitlinie definiert folgende Grenzwerte für die Behandlung:

Cobb-WinkelWachstumsstatusEmpfohlene Maßnahme
< 25° thorakal / < 20° lumbalIm WachstumVerlaufsbeobachtung, Physiotherapie kann erwogen werden
≥ 25° thorakal / ≥ 20° lumbalIm WachstumKorsett-Therapie (Vollzeit) und Physiotherapie
> 50° thorakal / > 40° lumbalUnabhängigIndikation zur operativen Korrektur

Konservative Therapie

Bei Indikation zur Orthesenbehandlung wird ein Vollzeit-Tragemodus von 18 bis 23 Stunden täglich angestrebt. Die radiologisch bestimmte Primärkorrektur im Korsett sollte mindestens 40 Prozent der Initialkrümmung betragen.

Begleitend zur Korsett-Therapie wird eine spezifische Physiotherapie empfohlen. Eine alleinige Physiotherapie führt laut Leitlinie in der Regel nicht zu einer dauerhaften, relevanten Besserung des Cobb-Winkels.

Operative Therapie

Für die chirurgische Planung stellt die Lenke-Klassifikation den wichtigsten Standard dar. Es können sowohl mit ventralen als auch mit dorsalen Operationsverfahren gute Ergebnisse erzielt werden.

Bei korrigierenden Eingriffen wird ein intraoperatives Neuromonitoring (IONM) zur Überwachung der Rückenmarksfunktion dringend empfohlen. Die Echtzeitüberwachung mittels neurophysiologischer Methoden sollte dem intraoperativen Aufwachtest vorgezogen werden.

Kontraindikationen

Die Leitlinie benennt spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise für die Therapie der AIS:

  • Bei hochthorakalen strukturellen Krümmungen mit einem Apex oberhalb des 7. Brustwirbelkörpers sollte keine Korsett-Therapie durchgeführt werden.

  • Bei Patienten mit signifikanten präoperativen Einschränkungen der Lungenfunktion wird vor ventralen Korrekturen und Verfahren mit Rippenbuckelresektion gewarnt.

  • Die Pedikelstimulation soll nicht zur Überwachung der Rückenmarksfunktion im Rahmen des Neuromonitorings eingesetzt werden.

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💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist das zu frühe Absetzen der Korsett-Therapie basierend auf unzuverlässigen klinischen Parametern wie dem Menarche-Eintritt. Die Leitlinie betont, dass die Korsett-Therapie erst nach radiologisch bestätigter Skelettreife (bevorzugt durch eine Röntgenaufnahme der Hand nach Sanders) beendet werden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine Korsett-Therapie bei noch wachsenden Patienten ab einem Cobb-Winkel von 25 Grad thorakal oder 20 Grad lumbal empfohlen. Ein Vollzeit-Tragemodus von 18 bis 23 Stunden wird dabei angestrebt.

Während des pubertären Wachstumsschubes werden radiologische Kontrollen alle 6 bis 12 Monate empfohlen. Um die Strahlenbelastung zu reduzieren, kann ergänzend die strahlenfreie Rasterstereographie zur Verlaufsbeobachtung eingesetzt werden.

Die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich sportliche Aktivität für AIS-Patienten. Ein generelles Verbot einzelner Sportarten ist nicht gerechtfertigt, jedoch sollte das Korsett während des Sports abgelegt werden.

Eine operative Korrektur wird ab einem Cobb-Winkel von über 50 Grad thorakal oder über 40 Grad lumbal empfohlen. Zwischen 40 und 50 Grad thorakal kann ein Eingriff individuell erwogen werden.

Für die Planung einer operativen Korrektur stellt die Lenke-Klassifikation den wichtigsten Standard dar. Sie berücksichtigt das sagittale Profil und unterscheidet zwischen strukturellen und nicht-strukturellen Krümmungen.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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