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Morbus Scheuermann: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein universelles Screening auf Wirbelsäulendeformitäten wird zu Beginn des pubertären Wachstumsschubes empfohlen.
  • Eine Brustkyphose mit einem Stagnarawinkel >45° gilt als pathologisch.
  • Ab 45° Kyphosewinkel sollte eine kyphosespezifische Physiotherapie (z.B. nach Schroth) erfolgen.
  • Ein Korsett ist bei thorakalen Kyphosen ab 50° mit Wirbelkörperdeformierung und Restwachstum indiziert.
  • Eine operative Korrektur wird ab einer Krümmung von 70° empfohlen (ab 60° in Ausnahmefällen).
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Hintergrund

Der Morbus Scheuermann (Adoleszentenkyphose) ist eine rigide Hyperkyphose, die mit morphologischen Veränderungen an den Wirbeln einhergeht. Typisch sind Anomalien der epiphysären Wachstumsplatten, die zu einer keilförmigen Deformität (um mehr als 5 Grad) und einer Verengung des Bandscheibenraums führen.

TypLokalisationKlinik
Typ 1BrustwirbelsäuleOft lange schmerzfrei, kompensatorische zervikale/lumbale Hyperlordose
Typ 2Brust- und LendenwirbelsäuleHäufiger mit Rückenschmerzen einhergehend

Diagnostik und Screening

Im frühen Jugendalter sollte ein universelles Screening auf Wirbelsäulendeformitäten durchgeführt werden. Bei klinischem Verdacht (z.B. im Vorbeuge-Test nach Adam oder Rutschhaltetest) erfolgt die bildgebende Diagnostik.

  • Röntgen: Einmalige Aufnahme der gesamten Wirbelsäule im Stehen in zwei Ebenen.
  • Winkelmessung: Bestimmung des Kyphosewinkels nach Stagnara (zwischen Deckplatte T4 und Grundplatte des kaudalen Endwirbels).
  • Pathologischer Befund: Eine Brustkyphose mit einem Stagnarawinkel von >45° gilt als pathologisch.
  • MRT-Indikation: Nur bei atypischen Befunden, neurologischen Auffälligkeiten oder lumbosakralen Schmerzen (zum Ausschluss einer Spondylolyse).

Therapie-Stufenschema

Ziel der Therapie ist ein Remodelling der Wirbelkörper und die Verhinderung einer Progredienz.

KyphosewinkelEmpfohlene TherapieBemerkung
> 45°PhysiotherapieKyphosespezifisch (z.B. nach Schroth)
>= 50°KorsetttherapieBei sichtbarer Deformierung und verbleibendem Restwachstum
>= 60°Operation (Kann-Empfehlung)Bei therapieresistenten Schmerzen, Korsett-Intoleranz oder kosmetischem Wunsch
>= 70°Operation (Sollte-Empfehlung)Empfehlung zur operativen Korrektur

Physiotherapie

Patienten mit Schmerzen oder einem Winkel >45° sollten physiotherapeutisch behandelt werden. Die Therapie sollte kyphosespezifisch sein (z.B. Schroth-Therapie). Sport ist grundsätzlich zu empfehlen, bei akuten Beschwerden sollte jedoch eine Sportpause eingelegt werden. Bei Einschränkungen der Vitalkapazität (oft ab 80° Kyphose) ist eine Atemphysiotherapie indiziert.

Korsetttherapie

  • Indikation: Thorakale Kyphosen ab 50° mit Restwachstum. Ab 80° sollte im Allgemeinen kein Korsett mehr verordnet werden.
  • Orthesentyp: Primär ein starres, maßgefertigtes 3- oder 4-Punkt-Korsett (Reklinationsorthese).
  • Tragedauer: Ein Vollzeit-Tragemodus (ganztags und nachts) zur Entlastung der ventralen Säule wird angestrebt.
  • Kontrollen: Klinische Kontrollen alle 6 Monate, Passform-Kontrollen im Wachstumsschub alle 3 Monate.
  • Abtrainieren: Nach Wachstumsabschluss (Risser 5) schrittweise über 3 bis 6 Monate.

Operative Therapie

Eine Operation wird ab 70° empfohlen. Präoperativ muss ab 80° eine pneumologische Abklärung erfolgen, zudem ist ein MRT der gesamten Wirbelsäule obligatorisch.

OP-VerfahrenIndikationEvidenz / Bemerkung
Rein dorsalAusreichende Flexibilität, Krümmung <90°Bevorzugtes Verfahren, geringere Komplikationsrate
Kombiniert (ventro-dorsal)Rigide und/oder hochgradige KrümmungenHöhere Morbidität, längere OP-Zeit

Ein intraoperatives Neuromonitoring (EMG, MEP) sollte standardmäßig durchgeführt werden. Postoperativ ist eine Physiotherapie indiziert. Kontaktsport und Leistungssport sollten für 6 bis 12 Monate pausiert werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie den Rutschhalte-Test zur klinischen Unterscheidung: Beim Morbus Scheuermann bleibt die Kyphose rigide, während sie sich bei einer funktionellen Haltungsschwäche korrigiert. Denken Sie bei tief lumbalen Schmerzen zudem immer an die Spondylolyse als Differentialdiagnose.

Häufig gestellte Fragen

Eine Brustkyphose mit einem Stagnarawinkel von >45° wird als pathologisch angesehen.
Ein MRT ist keine Standarduntersuchung. Es sollte nur bei atypischen Befunden, neurologischen Auffälligkeiten oder lumbosakralen Schmerzen (zum Ausschluss einer Spondylolyse) durchgeführt werden.
Es wird ein Vollzeit-Tragemodus (Tag und Nacht) angestrebt, bis das Wachstum abgeschlossen ist (Risser 5). Danach wird es über 3 bis 6 Monate schrittweise abtrainiert.
Ja, regelmäßiger Sport wird ausdrücklich empfohlen. Lediglich bei akuten Schmerzen sollte eine Sportpause eingelegt werden. Bei Leistungssport sollte eine gezielte Beratung erfolgen.

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