Morbus Scheuermann: Diagnostik und Therapieempfehlung
Hintergrund
Der Morbus Scheuermann (Adoleszentenkyphose) ist durch eine rigide Hyperkyphose gekennzeichnet, die mit morphologischen Veränderungen an den Wirbeln einhergeht. Typisch sind Anomalien der epiphysären Wachstumsplatten, die drei oder mehr benachbarte Wirbel einschließen und zu einer keilförmigen Deformität führen.
Die Erkrankung manifestiert sich typischerweise im pubertären Wachstumsschub. Als Ursache wird eine Kombination aus genetischer Disposition und biomechanischer Überbelastung der vorderen Wirbelkörperanteile bei eingeschränktem Remodelling diskutiert.
Von einer konstitutionellen Haltungsschwäche lässt sich die Erkrankung durch die Rigidität der Krümmung abgrenzen. Die sagittale Krümmung korrigiert sich beim Strecken oder in Bauchlage nicht vollständig, was in der klinischen Untersuchung ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal darstellt.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Warnhinweis der Leitlinie betrifft die Differenzialdiagnostik bei lumbosakralen Schmerzen. Es wird nachdrücklich empfohlen, bei diesen Beschwerden immer an eine mögliche Spondylolyse zu denken und diese abzuklären. Durch die kompensatorische lumbale Hyperlordose und Muskelverkürzungen kommt es bei bis zu 50 % der Fälle zu einer Spondylolyse, die im Röntgenbild leicht übersehen werden kann und oft eine gezielte MRT-Diagnostik erfordert.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie soll ein Korsett bei thorakalen Kyphosen ab 50° nach Stagnara verordnet werden, sofern eine sichtbare Deformierung der Wirbelkörper vorliegt und noch Restwachstum besteht. Bei Winkeln über 80° wird im Allgemeinen von einer Korsettversorgung abgeraten.
Die Leitlinie empfiehlt eine operative Korrektur ab einer Krümmung von 70°. Ab 60° kann eine Operation erwogen werden, wenn therapieresistente Schmerzen bestehen, die Korsettversorgung nicht möglich ist oder eine inakzeptable kosmetische Deformität vorliegt.
Nein, die Standarddiagnostik besteht aus einer Röntgenaufnahme der gesamten Wirbelsäule im Stehen in zwei Ebenen. Ein MRT wird nur bei atypischen Befunden, neurologischen Auffälligkeiten oder zum Ausschluss einer Spondylolyse bei lumbosakralen Schmerzen empfohlen.
Es wird ausdrücklich empfohlen, dass Patienten regelmäßig Sport treiben. Lediglich bei akuten Beschwerden sollte eine Sportpause eingelegt werden, und bei Leistungssport wird eine ärztliche Beratung bezüglich Sportart und Intensität angeraten.
Die Leitlinie empfiehlt, das Korsett ganztags zur Entlastung der ventralen Säule zu tragen. Es sollte ein Vollzeit-Tragemodus angestrebt werden, bei dem die Orthese auch nachts getragen wird.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Diagnostik und Therapie der Adoleszentenkyphose (Morbus Scheuermann) bei Kindern und Jugendlichen (AWMF, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Adoleszente Idiopathische Skoliose
DGOOC: Adoleszente Idiopathische Skoliose
AWMF 151-003: Diagnostik und Therapie der Adoleszentenkyphose (Morbus Scheuermann) bei Kindern und Jugendlichen
Rehabilitation nach traumatischen Frakturen der Brust- und Lendenwirbelsäule ohne neurologische Ausfälle
Spezifischer Kreuzschmerz
S2k-Leitlinie Spezifischer Kreuzschmerz (AWMF 187-059, 2024)
Rückenschmerz bei Kindern und Jugendlichen
DGOOC: Konservative, operative und rehabilitative Versorgung bei Bandscheibenvorfällen mit radikulärer Symptomatik
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen