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Spezifischer Kreuzschmerz: S2k-Leitlinie 2024 (AWMF/DGOU)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF / DGOU Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Diagnostische Facettenblockaden (Medial Branch Block) sind die zuverlässigste Methode zum Nachweis eines Facettensyndroms.
  • Bei Verdacht auf ein discogenes Lumbalsyndrom ist das MRT Mittel der Wahl; eine Discographie wird nicht empfohlen.
  • Bei chronischem Kreuzschmerz vor dem 45. Lebensjahr muss an eine axiale Spondyloarthritis (HLA-B27) gedacht werden.
  • Die lumbale Spinalkanalstenose sollte primär konservativ behandelt werden; bei Operationen ist eine routinemäßige Fusion ohne Instabilität obsolet.
  • Spondylolyse und Spondylolisthese erfordern primär Röntgenaufnahmen im Stand sowie Funktionsaufnahmen zur Stabilitätsprüfung.
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Hintergrund

Die S2k-Leitlinie "Spezifischer Kreuzschmerz" ergänzt die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Nicht-Spezifischer Kreuzschmerz. Sie kommt zur Anwendung, wenn spezifische Ursachen für die Beschwerden vermutet werden und die Basistherapie nicht zielführend ist. Psychische Komorbiditäten sollten bei Diagnostik und Therapie stets berücksichtigt werden.

Lumbales Facettensyndrom

Das Facettensyndrom äußert sich durch tiefsitzende, statisch bedingte Kreuzschmerzen (oft Besserung in Anteflexion), teils mit pseudoradikulärer Ausstrahlung.

MaßnahmeEmpfehlung / Bemerkung
DiagnostikDiagnostische Facettenblockaden (Medial Branch Block) unter Durchleuchtung sollten bei vermutetem Facettensyndrom erwogen werden.
KonservativNSAR, Muskelrelaxantien, Physiotherapie, Entlordosierung, Infiltrationen.
InterventionellDie Radiofrequenz-Denervation kann bei persistierenden Schmerzen nach positiver Austestung erwogen werden.
OperativKann erwogen werden, wenn die Symptomatik konservativ oder interventionell therapierefraktär ist.

Discogenes Lumbalsyndrom

Degenerative Veränderungen der Bandscheibe (Osteochondrosis vertebralis) führen zu belastungsabhängigen Kreuzschmerzen.

  • Bildgebung: Bei Verdacht sollte ein MRT durchgeführt werden. Ein primäres CT empfiehlt sich nicht.
  • Discographie: Zum Nachweis sollte die lumbale Discographie nicht durchgeführt werden, da sie zu einer beschleunigten Bandscheibendegeneration führen kann.
  • Therapie: Primär konservativ (Gewichtsreduktion, Rumpfstabilisierung). Intradiskale Verfahren sollten nicht zur Anwendung kommen. Bei Therapierefraktärität kann eine Operation erwogen werden.

Axiale Spondyloarthritis

Etwa 5 % der Patienten mit chronischem Rückenschmerz leiden an einer axialen Spondyloarthritis (z.B. Morbus Bechterew).

KriteriumCharakteristika des entzündlichen Rückenschmerzes
AlterBeginn vor dem 45. Lebensjahr
SymptomeMorgensteifigkeit (>30 Min.), nächtliches Erwachen, wechselseitiger Gesäßschmerz
LinderungBesserung durch Bewegung, keine Besserung durch Ruhe

Empfehlung: Bei Patienten mit chronischem Rückenschmerz und Beginn vor dem 45. Lj. sollte das Symptom "entzündlicher Rückenschmerz" eruiert und die Bestimmung von HLA-B27 erwogen werden. Bei positivem Befund ist eine rheumatologische Vorstellung indiziert.

Morbus Baastrup

Das Baastrup-Syndrom ("kissing spine disease") beschreibt Schmerzen durch sich berührende Dornfortsätze. Empfohlen werden nicht-operative symptomatische Verfahren (Medikamente, Physiotherapie, Injektion von Lokalanästhetika mit Kortison).

Lumbale Spinalkanalstenose

Die degenerative Spinalkanalstenose führt zur Claudicatio spinalis (belastungsabhängiger Beinschmerz, Besserung durch Flexion/Entlordosierung).

  • Diagnostik: Bei Verdacht sollte ein MRT und ggf. ein Röntgen im Stehen durchgeführt werden. Bei Verdacht auf Instabilität erfolgen Funktionsaufnahmen.
  • Konservative Therapie: Ein konservativer Therapieversuch (Physiotherapie, Orthesen, Injektionen) sollte bei fehlendem neurologischem Defizit zunächst versucht werden.
  • Operative Dekompression: Sollte erwogen werden, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen. Mittellinienstruktur-sparende Verfahren sind zu bevorzugen.
  • Fusion: Ein routinemäßiger Einsatz von Fusionstechniken sollte nicht erfolgen. Nur beim Vorliegen von klinischen und radiologischen Instabilitätszeichen sollte eine zusätzliche Stabilisierung erfolgen.
  • Implantate: Der Einsatz von interspinösen Spreizern sollte nicht routinemäßig erfolgen.
  • Nachsorge: Die Durchführung postoperativer Physiotherapie verbessert den funktionellen Zustand und ist anzustreben.

Spondylolyse und Spondylolisthese

Man unterscheidet die isthmische Spondylolisthese (Defekt der Pars interarticularis, oft L5/S1) von der degenerativen Spondylolisthese (meist L4/5).

Einteilung nach MeyerdingAusmaß des Wirbelgleitens
Grad I< 25 %
Grad II25 - 50 %
Grad III51 - 75 %
Grad IV75 - 100 %
Spondyloptose> 100 %
  • Diagnostik: Basisdiagnostik sind Röntgenbilder der LWS im Stand in 2 Ebenen sowie Funktionsaufnahmen. Bei Neurologie und zur OP-Planung soll ein MRT durchgeführt werden. Bei höhergradigen Formen sollte ein CT zur OP-Planung gemacht werden.
  • Therapie: Eine symptomatische Spondylolisthese sollte zunächst konservativ behandelt werden (sofern keine frischen neurologischen Defizite vorliegen). Sollte es darunter nicht zu einer Besserung kommen, kann eine operative Behandlung sinnvoll sein.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie Röntgenaufnahmen der Lendenwirbelsäule bei Verdacht auf Spondylolisthese oder Spinalkanalstenose immer im Stehen durch, da sich ein Wirbelgleiten im Liegen (z.B. im MRT) spontan reponieren und somit übersehen werden kann.

Häufig gestellte Fragen

Eine routinemäßige Fusion wird nicht empfohlen. Sie sollte nur beim Vorliegen von klinischen und radiologischen Instabilitätszeichen zusätzlich zur Dekompression erfolgen.
Die Leitlinie rät von der Durchführung einer lumbalen Schmerzprovokations-Discographie ab, da nachgewiesen wurde, dass sie zu einer beschleunigten Bandscheibendegeneration führt.
Die zuverlässigste Methode zum Nachweis eines Facettensyndroms ist die diagnostische Facettenblockade (Medial Branch Block unter Durchleuchtung) mit einer geringen Menge Lokalanästhetikum.
Das MRT ohne Kontrastmittel gilt als Goldstandard. Ergänzend sollte ein Röntgen im Stehen durchgeführt werden, bei Verdacht auf Instabilität zudem Funktionsaufnahmen.
Bei Patienten mit chronischem Rückenschmerz, der vor dem 45. Lebensjahr beginnt und Merkmale eines entzündlichen Rückenschmerzes (Morgensteifigkeit, Besserung durch Bewegung) aufweist.

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