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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Fokussierte TEE (fTEE) im Notfall: Leitlinie (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die fTEE soll in der Notaufnahme nur bei unklarem Schock oder Reanimation erfolgen, wenn die transthorakale Echokardiographie (fTTE) nicht ausreicht.
  • Vor jeder fTEE muss eine individuelle Nutzen-Schaden-Abwägung bezüglich schwerer Komplikationen (z. B. Ösophagusperforation) erfolgen.
  • Absolute Kontraindikationen sind Erkrankungen im oberen Gastrointestinaltrakt mit hohem Komplikationsrisiko sowie kürzliche obere GI-Chirurgie.
  • Zur Emboliequellensuche vor einer Kardioversion ist eine umfassende TEE (cTEE) durch einen Kardiologen erforderlich, eine fTEE reicht nicht aus.
  • Unter Reanimationsbedingungen (rTEE) hilft das Verfahren bei der Druckpunktkontrolle, Ursachensuche und ECMO-Kanülierung.
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Hintergrund

Die fokussierte transösophageale Echokardiographie (fTEE) kommt zunehmend in der Klinischen Akut- und Notfallmedizin zum Einsatz. Sie ist eingebettet in das Konzept des kardialen Point-of-Care-Ultraschalls (cPOCUS). Es wird unterschieden zwischen der fokussierten TEE (fTEE), der "resuscitative" TEE unter Reanimationsbedingungen (rTEE) und der umfassenden TEE unter kardiologischen Facharztbedingungen (cTEE).

Indikation und Stellenwert

  • Die fTEE soll in Notaufnahmen nur im Rahmen der erweiterten kardiopulmonalen Reanimation oder im unklaren Schockgeschehen durchgeführt werden, falls die Fragestellung nicht mittels fokussierter transthorakaler Echokardiographie (fTTE) beantwortet werden kann.
  • Die fTTE (z. B. RUSH- oder FEEL-Protokoll) soll als primäres bildgebendes Akutdiagnostikum im Vordergrund stehen.
  • Kann unter fTEE-Bedingungen keine eindeutige Diagnose gesichert werden, sollte nach Stabilisierung ein cTEE angestrebt werden.

Kontraindikationen

Vor jeder Untersuchung muss eine individuelle Nutzen-Schaden-Abwägung erfolgen.

Absolute KontraindikationenRelative Kontraindikationen
Erkrankungen im oberen Gastrointestinaltrakt mit hohem Komplikationsrisiko (Perforation, Strikturen, Traumata, tracheoösophageale Fisteln)Erkrankungen im oberen Gastrointestinaltrakt mit moderatem Risiko (Barrett-Ösophagus, Mallory-Weiss, Varizen, Zencker-Divertikel, Dysphagie)
Kürzliche obere gastrointestinale Chirurgie und/oder BlutungKürzliche bariatrische Chirurgie
Koagulopathien, Thrombopenien, Antikoagulation, Blutgerinnungsstörungen

Hinweis: Eine Endokarditisprophylaxe ist nach aktuellen Empfehlungen nicht erforderlich.

Komplikationen

Die Inzidenz von TEE-bedingten Komplikationen liegt zwischen 0,2 und 1,4 % (Mortalität < 0,01 %).

  • Jeder durchführende Arzt sollte über Kenntnisse im Management von TEE-assoziierten Komplikationen verfügen.
  • Eine zu spät erkannte iatrogene Ösophagusperforation hat eine Mortalität von ca. 20 %.
  • Die Mackler-Trias (Nausea, retrosternale Schmerzen, subkutanes Hautemphysem) oder Fieber/Sepsis nach einer TEE müssen an eine Perforation denken lassen.

Klinische Anwendungsszenarien

Unklarer Schock

Das primäre Assessment erfolgt transthorakal (RUSH-Protokoll). Bei eingeschränkter Schallbarkeit (z. B. Überdruckbeatmung) bietet sich die fTEE an, um Perikardtamponaden, akute Rechtsherzbelastungen, linksventrikuläre Pumpfunktionen oder akute Klappenvitien zu beurteilen.

Kardioversion (Emboliequellensuche)

  • Die Evaluation bezüglich kardialer Emboliequellen vor Kardioversionen soll durch eine umfassende TEE-Untersuchung (cTEE) erfolgen.
  • Die Beurteilung des linken Vorhofohrs (LAA) soll von einem Facharzt mit echokardiographischer Expertise (idealerweise Kardiologe) durchgeführt werden.

Eine fTEE ist hierfür nicht ausreichend, da die Differenzierung von Thromben, Spontankontrast (SEC) und anatomischen Strukturen hohe Expertise erfordert.

Reanimation (rTEE) und eCPR

Unter Reanimationsbedingungen bietet die rTEE entscheidende Vorteile, da Thoraxkompressionen nicht unterbrochen werden müssen.

Indikation unter CPRNutzen / Bemerkung
DruckpunktkontrolleÜberprüfung der Kompressionsqualität; Vermeidung der Kompression des linksventrikulären Ausflusstrakts (LVOT) oder der Aortenwurzel.
UrsachensucheDetektion potenziell reversibler Ursachen wie Perikardtamponade oder Aortendissektion.
ECMO-Anlage (eCPR)Lagekontrolle der Führungsdrähte und Kanülen (Vermeidung von Fehllagen im rechten Ventrikel oder Koronarsinus).
LV-DistensionNach ECLS-Anlage Beurteilung der linksventrikulären Überladung (Indikation zum LV-Unloading).

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei unklarem Schock immer zuerst eine transthorakale Echokardiographie (fTTE) durch. Denken Sie bei unklarem Fieber oder Sepsis nach einer kürzlichen TEE-Untersuchung an eine iatrogene Ösophagusperforation.

Häufig gestellte Fragen

Nur bei unklarem Schock oder während der Reanimation, wenn die transthorakale Echokardiographie (fTTE) keine ausreichenden Antworten liefert.
Nein, die Emboliequellensuche erfordert zwingend eine umfassende TEE (cTEE) durch einen Facharzt mit entsprechender echokardiographischer Expertise.
Erkrankungen des oberen Gastrointestinaltrakts mit hohem Komplikationsrisiko (z. B. Perforationen, Strikturen) sowie kürzliche obere GI-Chirurgie oder -Blutungen.
Sie ermöglicht die Kontrolle des Druckpunktes der Herzdruckmassage, die Suche nach reversiblen Ursachen (z. B. Tamponade) und die Führung bei einer ECMO-Kanülierung, ohne die Thoraxkompressionen zu unterbrechen.

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