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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Notfallechokardiographie 2024: Leitlinie (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der ABCD-Ansatz (Awareness, Be suspicious, Comprehensiveness, Double R) strukturiert die Notfallechokardiographie.
  • Die Basisdokumentation in Notfallsituationen umfasst 8 essenzielle kardiale Strukturen, darunter Mitralklappe, Aortenwurzel und Vena cava inferior.
  • Die Lungensonographie (LUS) und der VExUS-Score sind zentrale Bausteine zur Beurteilung von venöser Stauung und Volumenstatus.
  • Bei Schockzuständen ermöglicht die Echokardiographie eine rasche Differenzierung in hypovolämische, septische, kardiogene oder obstruktive Ursachen.
  • Strenge Hygienemaßnahmen nach der Spaulding-Klassifizierung und der korrekte Einsatz von Ultraschallgel sind zwingend erforderlich.
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Hintergrund

Die Echokardiographie ist ein essenzieller Pfeiler der Notfall- und Intensivmedizin. Das Update 2024 der DGK fokussiert sich auf eine zielgerichtete, schnelle Diagnostik bei hämodynamisch instabilen Patienten. Zentral ist hierbei der ABCD-Ansatz:

  • A (Awareness): Aufmerksamkeit und Sorgfaltspflicht im Notfall.
  • B (Be suspicious): Kritische Hinterfragung von Befunden und Berücksichtigung von Differenzialdiagnosen.
  • C (Comprehensiveness): Ziel einer umfassenden Dokumentation.
  • D (Double R - record and review): Dokumentationspflicht und nachträgliche Supervision der Bilddaten.

Minimalanforderungen an die Dokumentation

In Notfallsituationen ohne zielführende Vorinformationen müssen mindestens folgende 8 Strukturen dokumentiert werden:

  • Vorderes Mitralsegel (lange Achse)
  • Interatriales Septum
  • Aortenklappe und fibröse aorticomitrale Übergangszone (in 2 Ebenen)
  • Aortenwurzel und proximale tubuläre Aorta ascendens
  • Aortenbogen
  • Fokussierter rechtsventrikulärer Einflusstrakt
  • Einmündung der unteren Hohlvene (V. cava inferior) ins rechte Atrium
  • Perikardraum (speziell vor dem rechten Atrium)

Hygienemaßnahmen

Der Infektionsschutz ist in der Notfallmedizin essenziell. Die Reinigung und Desinfektion von Ultraschallsonden richtet sich nach der Spaulding-Klassifizierung:

KontaktartDesinfektionsniveauAnwendung
Intakte HautLow-Level-Desinfektion (LLD)Standard-TTE
Kontaminierte Haut (z. B. MRSA/MRE)LLD + EinmalhülleIsolationspatienten
Schleimhäute / nicht-intakte HautHigh-Level-DesinfektionTEE-Sonden

Wichtig: Bei sterilen perkutanen Prozeduren unter Ultraschallkontrolle muss zwingend steriles Ultraschallgel verwendet werden.

Lungensonographie und venöse Stauung

Die Lungensonographie (LUS) dient der Abgrenzung von akuter Herzinsuffizienz, Pneumothorax oder Lungenembolie. Ein normales Lungenprofil zeigt A-Linien (horizontale Wiederholungsartefakte). Der Nachweis von ≥ 3 B-Linien (vertikale Linien) pro Interkostalraum ist hochspezifisch (95 %) für eine pulmonale Stauung.

Zur Beurteilung der venösen Kongestion wird der VExUS Score (Venous EXcess UltraSound) herangezogen:

GradV. cava inferiorFlussprofile (Leber, Portal, Niere)
Keine Stauung< 21 mm-
Milde Stauung≥ 21 mmNormale oder leichtgradig pathologische Profile
Mäßiggradige Stauung≥ 21 mm1 hochgradig pathologisches Profil
Hochgradige Stauung≥ 21 mm≥ 2 hochgradig pathologische Profile

Hämodynamik und Schock-Differenzierung

Die Notfallechokardiographie ermöglicht eine rasche Differenzierung von Schockzuständen:

SchockformEchokardiographische Befunde
HypovolämischKleiner, hyperdynamer LV, schmales VTI, schmale V. cava inferior
Septisch / AnaphylaktischHohes HZV, gute LV-Pumpfunktion, schmale V. cava inferior
KardiogenNiedriges HZV, reduzierte LV-Pumpfunktion (global oder regional)
ObstruktivRV- und RA-Dilatation, dilatierte V. cava inferior ohne Kollaps

Spezielle Krankheitsbilder

Lungenembolie

Bei Verdacht auf Lungenembolie liegt der Fokus auf dem rechten Ventrikel (RV). Typische Befunde sind:

  • RV-Dilatation: RV imponiert größer als der LV (subkostaler 4-Kammer-Blick).
  • McConnell-Zeichen: Akinesie der freien lateralen RV-Wand bei normaler oder hyperkinetischer RV-Spitze.
  • TAPSE: Reduktion auf < 17 mm.
  • Gewebe-Doppler: Systolische Gewebegeschwindigkeit (RV-S') < 10 cm/s.

Endokarditis

Die Unterscheidung zwischen infektiösen Vegetationen und degenerativen Veränderungen ist klinisch hochrelevant:

KriteriumVegetationDegeneration
LokalisationIn Flussrichtung (atrialseits bei Mitral/Trikuspidal, ventrikelseits bei Aorten/Pulmonal)Auf beiden Seiten der Klappe möglich
MobilitätHypermobilHypomobil oder starr
EchogenitätEchoarm, flau (chronisch teils echoreich)Echoreich (häufig verkalkt)

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei unklarem Volumenstatus und Verdacht auf Rechtsherzbelastung stets den subkostalen Schnitt zur Beurteilung der Vena cava inferior. Achten Sie bei der Lungenembolie-Diagnostik gezielt auf das McConnell-Zeichen.

Häufig gestellte Fragen

Der Ansatz steht für Awareness (Aufmerksamkeit), Be suspicious (Kritische Hinterfragung), Comprehensiveness (Umfassende Dokumentation) und Double R (Record and review - Dokumentation und Supervision).
Es gibt 8 Minimalanforderungen: Vorderes Mitralsegel, interatriales Septum, Aortenklappe, Aortenwurzel, Aortenbogen, RV-Einflusstrakt, V. cava inferior und der Perikardraum.
Typische Zeichen sind eine RV-Dilatation, das McConnell-Zeichen (Akinesie der freien RV-Wand bei erhaltener apikaler Kontraktion), eine TAPSE < 17 mm und eine reduzierte systolische Gewebegeschwindigkeit (RV-S' < 10 cm/s).
Vegetationen sind meist hypermobil, echoarm und liegen in Flussrichtung vor der Klappe. Degenerationen sind eher starr, echoreich (verkalkt) und können auf beiden Seiten der Klappe auftreten.
Eine High-Level-Desinfektion ist erforderlich bei TEE-Sonden oder wenn die Sonde in Kontakt mit Schleimhäuten oder nicht-intakter Haut kommt.

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