Echokardiographie-Manual 2020: Leitlinie (DGK)
📋Auf einen Blick
- •Die transthorakale Echokardiographie (TTE) erfordert einen standardisierten Untersuchungsgang mit zwingender Bilddokumentation.
- •Die Diagnose einer HFpEF erfordert mindestens 3 von 4 echokardiographischen Kriterien (u.a. E/e' >14, LA-Dilatation >34 ml/m²).
- •Die rechtsventrikuläre Funktion wird primär über TAPSE (>17 mm), s' (>9,5 cm/s) und die RV-Flächenverkürzungsfraktion (>35 %) beurteilt.
- •Bei der hochgradigen Aortenklappenstenose muss zwischen Normal-Flow und Low-Flow (SVI <35 ml/m²) unterschieden werden.
Hintergrund
Die Echokardiographie ist die zentrale bildgebende Methode der Kardiologie. Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) fordert einen standardisierten Untersuchungsgang mit definierten Mindestanforderungen an die Dokumentation. Eine digitale Archivierung der Bilddaten und Befunde für 10 Jahre ist verpflichtend.
Linksventrikuläre Dimensionen und Funktion
Die Beurteilung des linken Ventrikels (LV) umfasst Dimensionen, Volumina und die Ejektionsfraktion (LVEF). Die Messung der LVEF sollte bevorzugt biplan nach der Simpson-Methode erfolgen.
| Parameter | Normalwert Männer | Normalwert Frauen |
|---|---|---|
| LVEDD (enddiastolisch) | 4,2–5,8 cm | 3,8–5,2 cm |
| LV-Masse-Index | 49–115 g/m² | 43–95 g/m² |
| LVEDV-Index | 34–74 ml/m² | 29–61 ml/m² |
| LVEF | 52–72 % | 54–74 % |
Linksventrikuläre Hypertrophie und Kardiomyopathien
Anhand der relativen Wanddicke (RWT) und des LV-Massenindex lassen sich verschiedene Geometrien unterscheiden:
- Konzentrisches Remodeling: Hohe RWT, normaler LV-Massenindex (z. B. hypertensive Herzerkrankung).
- Konzentrische Hypertrophie: Hohe RWT, hoher LV-Massenindex (z. B. Aortenklappenstenose).
- Exzentrische Hypertrophie: Niedrige RWT, hoher LV-Massenindex (z. B. Volumenbelastung bei Klappeninsuffizienz).
- Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM): Dicke Wände, hoher LV-Remodeling-Index, kleines Cavum, hyperkontraktil (LVEF >72 %).
- Dilatative Kardiomyopathie (DCM): Dünne Wände, niedriger LV-Remodeling-Index.
Diastolische Dysfunktion (HFpEF)
Die Diagnose einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF) erfordert neben der Klinik den Nachweis einer diastolischen Dysfunktion. Es müssen mindestens 3 von 4 der folgenden Kriterien erfüllt sein:
- E/e' (gemittelt septal und lateral) >14 (oder E/e' septal >15)
- e' septal <7 cm/s oder e' lateral <10 cm/s
- Maximale transtrikuspidale Regurgitationsgeschwindigkeit (VTR) >2,8 m/s
- Linksatriale (LA) Dilatation >34 ml/m² (biplane Simpson-Methode)
Liegen nur 2 Kriterien vor, ist die Diagnose unsicher. Bei Vorhofflimmern kann die LA-Dilatation nicht als Kriterium herangezogen werden.
Rechtsventrikuläre Funktion und Belastung
Die Beurteilung des rechten Ventrikels (RV) ist aufgrund seiner komplexen Geometrie anspruchsvoll. Die Funktion wird konventionell über folgende Parameter abgeschätzt:
| Parameter | Normwert | Bedeutung |
|---|---|---|
| TAPSE | >17 mm | Longitudinale Exkursion des Trikuspidalanulus |
| s' (Gewebe-Doppler) | >9,5 cm/s | Maximale systolische Geschwindigkeit basal |
| RV-Flächenverkürzungsfraktion | >35 % | Planimetrie des RV-Einflusstrakts |
| RV-Wanddicke | <5 mm | Messung subkostal oder parasternal |
Bei der RV-Belastung muss zwischen Druckbelastung (z. B. pulmonale Hypertonie: RV-Wand >5 mm, sPAP erhöht) und Volumenbelastung (z. B. Trikuspidalinsuffizienz: RV-Dilatation, exzessive radiale Kontraktion bei akuter Belastung) unterschieden werden.
Aortenklappenstenose
Die Schweregradeinteilung der Aortenklappenstenose erfordert ein integratives Vorgehen aus Dopplerechokardiographie und Planimetrie.
| Schweregrad | Vmax (m/s) | Mittlerer Gradient (mmHg) | Klappenöffnungsfläche (cm²) |
|---|---|---|---|
| Leichtgradig | 2,6–2,9 | <20 | >1,5 |
| Mittelgradig | 3,0–4,0 | 20–40 | 1,0–1,5 |
| Hochgradig | ≥4,0 | ≥40 | <1,0 |
Zur weiteren Charakterisierung einer hochgradigen Stenose muss der Schlagvolumen-Index (SVI) bestimmt werden:
- Normal-Flow: SVI ≥35 ml/m²
- Low-Flow: SVI <35 ml/m² (hier ggf. Dobutamin-Stressecho zur Unterscheidung von Pseudo-Stenosen notwendig).
💡Praxis-Tipp
Verwenden Sie bei der Beurteilung der diastolischen Funktion (HFpEF) bei Patienten mit Vorhofflimmern nicht das linksatriale Volumen als Kriterium. Nutzen Sie stattdessen die gemittelte Dezelerationszeit der E-Welle (Werte <160 ms sind pathologisch).