ESC-Leitlinie Herzinsuffizienz 2023: Update (DGK)
📋Auf einen Blick
- •SGLT2-Inhibitoren (Dapagliflozin und Empagliflozin) erhalten eine Klasse-IA-Empfehlung für alle Formen der Herzinsuffizienz (HFrEF, HFmrEF, HFpEF).
- •Zur Prävention der Herzinsuffizienz bei Typ-2-Diabetes und chronischer Niereninsuffizienz werden SGLT2-Inhibitoren und Finerenon (Klasse IA) empfohlen.
- •Nach akuter Dekompensation soll die medikamentöse Therapie noch im Krankenhaus initiiert und ambulant rasch intensiviert werden (Klasse IB).
- •Intravenöse Eisentherapie wird bei symptomatischen Patienten mit HFrEF/HFmrEF und Eisenmangel empfohlen (Klasse IA). Orale Eisentherapie ist unwirksam.
Hintergrund
Das Focused Update 2023 der ESC-Leitlinie zur Diagnose und Behandlung der akuten und chronischen Herzinsuffizienz integriert neue, praxisverändernde Studienergebnisse, die seit 2021 publiziert wurden. Der Kommentar der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) fasst die wichtigsten Neuerungen zusammen. Im Fokus stehen SGLT2-Inhibitoren, die Therapie nach Dekompensation sowie die Behandlung von Eisenmangel.
Chronische Herzinsuffizienz (HFmrEF und HFpEF)
Die wichtigste Neuerung betrifft den Einsatz von SGLT2-Inhibitoren. Basierend auf den Studien EMPEROR-Preserved und DELIVER werden diese nun über das gesamte Spektrum der Ejektionsfraktion hinweg empfohlen.
| Indikation | Therapie | Empfehlungsgrad | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| HFmrEF (EF 41-49%) | SGLT2-Inhibitor (Dapagliflozin oder Empagliflozin) | I | A |
| HFpEF (EF ≥ 50%) | SGLT2-Inhibitor (Dapagliflozin oder Empagliflozin) | I | A |
Zusätzlich bleiben bei HFmrEF und HFpEF die Klasse-I-Empfehlungen für Diuretika zur Behandlung einer Flüssigkeitsretention sowie zur Behandlung zugrunde liegender Ätiologien und Komorbiditäten bestehen.
Akute Herzinsuffizienz und Therapieintensivierung
Nach einer akuten Dekompensation ist eine rasche und vollständige Rekompensation essenziell. Die Leitlinie betont auf Basis der STRONG-HF-Studie die Wichtigkeit einer frühen Therapieinitiierung und engmaschigen Nachsorge.
- Initiierung im Krankenhaus: Die evidenzbasierte medikamentöse Herzinsuffizienztherapie (inklusive SGLT2-Inhibitoren) sollte noch während des stationären Aufenthalts begonnen werden.
- Ambulante Intensivierung: Eine intensivierte Strategie mit raschen Auftitrationen und häufigen Nachbehandlungsvisiten innerhalb der ersten 6 Wochen nach Entlassung wird empfohlen (Klasse I, Evidenzgrad B).
- Ziel: Signifikante Reduktion des Risikos für Rehospitalisierung oder Tod.
Prävention bei Diabetes mellitus und Niereninsuffizienz
Für Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus und chronischer Nierenfunktionseinschränkung gibt es neue Empfehlungen zur Prävention einer Herzinsuffizienz.
| Wirkstoff | Indikation | Ziel | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|---|
| SGLT2-Inhibitoren (Dapagliflozin/Empagliflozin) | Typ-2-Diabetes + chronische Niereninsuffizienz | Reduktion von HF-Hospitalisierung oder kardiovaskulärem Tod | I (Evidenz A) |
| Finerenon | Typ-2-Diabetes + chronische Niereninsuffizienz | Reduktion von HF-Hospitalisierung | I (Evidenz A) |
Diagnostik und Therapie des Eisenmangels
Eisenmangel ist eine häufige, oft unterdiagnostizierte Komorbidität bei Herzinsuffizienz. Die Leitlinie positioniert sich klar zur Form der Eisensubstitution, da orale Eisentherapie nicht wirksam ist.
| Maßnahme | Indikation | Ziel | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|---|
| Intravenöse Eisentherapie | Symptomatische HFrEF oder HFmrEF mit Eisenmangel | Verbesserung von Symptomen und Lebensqualität | I (Evidenz A) |
| Ferricarboxymaltose / Ferriderisomaltose i.v. | Symptomatische HFrEF oder HFmrEF mit Eisenmangel | Reduktion von HF-Hospitalisierungen | IIa (Evidenz A) |
Hinweis: Die Empfehlungen zur intravenösen Gabe gelten spezifisch für Ferricarboxymaltose und Ferriderisomaltose. Für andere Eisenpräparate liegen keine ausreichenden Belege für Wirksamkeit und Sicherheit vor.
💡Praxis-Tipp
Beginnen Sie die evidenzbasierte Herzinsuffizienztherapie (inkl. SGLT2-Inhibitoren) bereits im Krankenhaus nach einer Dekompensation und terminieren Sie engmaschige ambulante Kontrollen zur Auftitration innerhalb der ersten 6 Wochen. Nutzen Sie bei Eisenmangel ausschließlich intravenöse Präparate, da orale Eisentherapie bei Herzinsuffizienz wirkungslos ist.