ClariMedClariMed
DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Herzinsuffizienz Leitlinie 2021: ESC/DGK Kommentar

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die HFrEF-Erstlinientherapie besteht nun aus vier Säulen (ACE-Hemmer/ARNI, Betablocker, MRA, SGLT2-Inhibitoren) mit Klasse-I-Empfehlung.
  • Alle vier Substanzklassen sollen frühzeitig kombiniert werden, ein Abwarten der Maximaltitration einzelner Medikamente wird nicht mehr empfohlen.
  • SGLT2-Inhibitoren sind bei HFrEF unabhängig vom Diabetesstatus indiziert (Klasse IA).
  • Die prophylaktische ICD-Implantation bei nicht-ischämischer Kardiomyopathie wurde auf eine Klasse-IIa-Empfehlung herabgestuft.
  • Multidisziplinäre Versorgungsprogramme erhalten die höchste Empfehlungsklasse (Klasse IA).
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Herzinsuffizienz ist ein Syndrom mit hoher Morbidität und Mortalität und stellt die häufigste Diagnose für eine Krankenhauseinweisung dar. Etwa 20 % der Bevölkerung über 75 Jahre sind betroffen. Die aktuelle ESC-Leitlinie (2021) und der zugehörige DGK-Kommentar bringen wesentliche Paradigmenwechsel, insbesondere in der medikamentösen Erstlinientherapie.

Diagnostik der Herzinsuffizienz

Die Diagnose basiert auf klinischen Symptomen (z. B. Dyspnoe, Ödeme) und dem Nachweis einer kardialen Dysfunktion.

DiagnostikumEmpfehlungsgradIndikation / Bemerkung
Basisdiagnostik (EKG, Labor, Rö-Thorax)Klasse IBei Verdacht auf Herzinsuffizienz
NT-proBNPKlasse IZum Ausschluss (hoher negativer prädiktiver Wert)
EchokardiographieKlasse IZentrales Diagnostikum (Funktion, Klappen, Struktur)
Kardio-MRTKlasse IZur myokardialen Charakterisierung (z. B. Myokarditis, Amyloidose)
Invasive KoronarangiographieKlasse INur bei therapierefraktärer Angina pectoris oder ventrikulären Tachykardien
CT-AngiographieKlasse IIaZum Stenoseausschluss bei niedriger/intermediärer Prätestwahrscheinlichkeit

Medikamentöse Therapie der HFrEF (EF ≤ 40 %)

Die wichtigste Neuerung ist die Abkehr von der sequenziellen Stufentherapie. Es wird nun der frühzeitige, gleichzeitige Einsatz von vier Substanzklassen empfohlen, ohne die Maximaltitration einzelner Medikamente abzuwarten.

SubstanzklasseEmpfehlungsgradBemerkung
ACE-Hemmer oder ARNIKlasse IARNI (Sacubitril/Valsartan) kann auch ohne vorherige ACE-Hemmer-Gabe primär gestartet werden.
BetablockerKlasse IFrühzeitiger Beginn empfohlen.
MRAKlasse IBei Hypotonie ist Eplerenon gegenüber Spironolacton zu bevorzugen.
SGLT2-InhibitorenKlasse IADapagliflozin und Empagliflozin; Gabe unabhängig vom Diabetesstatus. Initiale eGFR-Abnahme ist kein Absetzgrund.
SchleifendiuretikaKlasse IBei Stauungszeichen bzw. -symptomen.
VericiguatKlasse IIbBei kürzlicher Verschlechterung (Hospitalisierung/i.v. Diuretika).

Device-Therapie bei HFrEF

Bei der Device-Therapie gab es wichtige Anpassungen, insbesondere durch die Ergebnisse der DANISH-Studie.

  • ICD bei ischämischer Kardiomyopathie: Weiterhin Klasse IA (bei EF ≤ 35 % trotz 3 Monaten optimaler Therapie).
  • ICD bei nicht-ischämischer Kardiomyopathie (NICM): Herabstufung auf Klasse IIa.
  • CRT-Indikation: Klasse I nur noch bei Sinusrhythmus und breiter Linksschenkelblockmorphologie (≥ 150 ms).
  • CRT-Upgrade: Bei HFrEF-Patienten mit Schrittmacher/ICD und hohem rechtsventrikulären Stimulationsanteil sowie klinischer Verschlechterung sollte ein Upgrade auf CRT erwogen werden (Klasse IIa).

Therapie der HFmrEF und HFpEF

Für die Herzinsuffizienz mit mäßiggradig reduzierter Pumpfunktion (HFmrEF, EF 41–49 %) werden ACE-Hemmer/ARB, Betablocker, MRA und ARNI nun mit einer Klasse-IIb-Empfehlung versehen.

Bei der Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF, EF ≥ 50 %) werden Diuretika zur Symptombesserung empfohlen. (Anmerkung: Die EMPEROR-Preserved-Studie zeigte zeitgleich zur Leitlinienpublikation signifikante Vorteile für Empagliflozin bei HFpEF).

Komorbiditäten

Vorhofflimmern (VHF)

  • Direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) werden gegenüber Vitamin-K-Antagonisten bevorzugt (Klasse IA).
  • Zur Frequenzkontrolle dienen Betablocker, ggf. plus Digitalis.
  • Eine Katheterablation (Rhythmuskontrolle) wird primär empfohlen, wenn sich die Herzinsuffizienz durch das VHF verschlechtert (Klasse IIa).

Diabetes mellitus

  • SGLT2-Inhibitoren sind die Primärtherapie.
  • Metformin gilt als sicher.
  • Saxagliptin und Thiazolidinedione (Glitazone) erhöhen das Risiko für Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen und sollten gemieden werden.

Entlassung, Nachsorge und Telemedizin

Patienten müssen vor der Entlassung vollständig rekompensiert sein. Eine ambulante Wiedervorstellung wird 1 bis 2 Wochen nach Entlassung empfohlen (Klasse I).

Multidisziplinäre Versorgungsprogramme (inkl. Herzinsuffizienzschwestern) senken die Mortalität und erhalten eine Klasse-IA-Empfehlung. Telemonitoring wird mit Klasse IIb empfohlen und ist in Deutschland für bestimmte Risikopatienten (NYHA II/III, EF < 40 %, Device-Träger oder kürzlich hospitalisiert) GBA-beschlossen.

💡Praxis-Tipp

Starten Sie bei HFrEF-Patienten frühzeitig alle vier prognoseverbessernden Substanzklassen (ARNI/ACE-I, Betablocker, MRA, SGLT2-I) in niedriger Dosis, anstatt abzuwarten, bis eine einzelne Substanz auf die Maximaldosis titriert ist.

Häufig gestellte Fragen

Die Therapie besteht aus vier Säulen: ACE-Hemmer oder ARNI, Betablocker, Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten (MRA) und SGLT2-Inhibitoren. Alle haben eine Klasse-I-Empfehlung.
Ja, Dapagliflozin und Empagliflozin haben eine Klasse-IA-Empfehlung bei HFrEF, völlig unabhängig vom Vorliegen eines Diabetes mellitus.
Nein, ein ARNI kann nach aktueller Leitlinie auch ohne vorherige ACE-Hemmer-Therapie als Primärtherapie gestartet werden.
Aufgrund der Ergebnisse der DANISH-Studie wurde die prophylaktische ICD-Implantation bei nicht-ischämischer Kardiomyopathie von einer Klasse-I- auf eine Klasse-IIa-Empfehlung herabgestuft.
Die Leitlinie empfiehlt eine ambulante Wiedervorstellung zur klinischen Kontrolle und Therapieoptimierung 1 bis 2 Wochen nach der Krankenhausentlassung (Klasse-I-Empfehlung).

Verwandte Leitlinien