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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

ESC-Leitlinie 2023: Herz-Kreislauf-Erkrankungen & Diabetes

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Prädiabetes wird aufgrund fehlender Evidenz zur kardiovaskulären Risikoreduktion in der Leitlinie nicht mehr abgebildet.
  • Die Risikostratifizierung erfolgt neu über den SCORE2-Diabetes, das Vorliegen einer ASCVD oder schwerer Endorganschäden.
  • Bei Typ-2-Diabetes und ASCVD besteht eine Klasse-IA-Empfehlung für SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptoragonisten, unabhängig vom HbA1c.
  • Bei Herzinsuffizienz (HFrEF, HFmrEF, HFpEF) und Typ-2-Diabetes sind SGLT2-Inhibitoren (Klasse IA) indiziert.
  • Bei chronischer Niereninsuffizienz (CKD) und Typ-2-Diabetes werden SGLT2-Inhibitoren und Finerenon (Klasse IA) empfohlen.
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Hintergrund

Die 2023 publizierte ESC-Leitlinie zum Management kardiovaskulärer Erkrankungen bei Patienten mit Diabetes bringt entscheidende Neuerungen. Der Aspekt des Prädiabetes wird nicht mehr abgebildet, da evidenzbasierte Therapiestudien zur kardiovaskulären Risikoreduktion fehlen. Der Fokus liegt auf einer patientenzentrierten, interdisziplinären Behandlung zur Senkung von Morbidität und Mortalität.

Screening und Diagnostik

Das Vorliegen beider Komorbiditäten (Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankung) hat massiven Einfluss auf die Prognose. Daher gelten folgende Screening-Empfehlungen:

  • Kardiovaskuläre Patienten: Screening auf Diabetes mittels Nüchternglukose und HbA1c.
  • Diabetes-Patienten: Regelmäßige Evaluation auf Symptome/Zeichen einer atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankung (ASCVD) und Herzinsuffizienz.
  • Nierenscreening: Routinemäßige Evaluation einer chronischen Niereninsuffizienz (CKD) durch Messung der eGFR und der Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) im Spontanurin. Die Risikoeinschätzung erfolgt über die KDIGO-Heatmap.

Risikostratifizierung und LDL-Zielwerte

Die Risikokategorisierung bei Typ-2-Diabetes erfolgt basierend auf dem Vorliegen einer ASCVD, schweren Endorganschäden (TOD) oder dem 10-Jahres-Risiko (berechnet mit dem neuen SCORE2-Diabetes für Patienten von 40-69 Jahren).

RisikokategorieKriterienLDL-Zielwert
Sehr hohes RisikoASCVD, schwere TOD oder SCORE2-Diabetes ≥ 20 %< 55 mg/dl
Hohes RisikoSCORE2-Diabetes 10 bis < 20 %< 70 mg/dl
Moderates RisikoSCORE2-Diabetes 5 bis < 10 %< 100 mg/dl
Niedriges RisikoSCORE2-Diabetes < 5 %Keine spezifische Angabe

Hinweis: Schwere TOD ist definiert als eGFR < 45 ml/min, eGFR 45-59 + Mikroalbuminurie, Proteinurie oder mikrovaskuläre Erkrankung an ≥ 3 Stellen.

Therapie bei Typ-2-Diabetes und ASCVD

Bei Vorliegen einer ASCVD steht die kardiovaskuläre Risikoreduktion im Vordergrund, unabhängig von der reinen Blutzuckerkontrolle.

SubstanzklasseEmpfehlungsgradBemerkung
SGLT2-InhibitorenKlasse IAUnabhängig vom HbA1c und begleitender Medikation
GLP-1-RezeptoragonistenKlasse IAUnabhängig vom HbA1c und begleitender Medikation
MetforminKlasse IIaWenn weitere Blutzuckerkontrolle nötig
PioglitazonKlasse IIbWenn weitere Blutzuckerkontrolle nötig

Therapie bei Typ-2-Diabetes und Herzinsuffizienz

Die Therapie der Herzinsuffizienz erfolgt unabhängig von der linksventrikulären Ejektionsfraktion (HFrEF, HFmrEF, HFpEF) und dem HbA1c-Wert zusätzlich zur Standardtherapie (z. B. ARNI/ACE-Hemmer, Betablocker, MRA).

  • SGLT2-Inhibitoren: Klasse-IA-Empfehlung (Dapagliflozin, Empagliflozin; bei HFrEF zusätzlich Sotagliflozin) zur Reduktion von kardiovaskulärem Tod oder Herzinsuffizienzhospitalisierung.
  • Weitere Blutzuckersenkung: GLP-1-RA, Sitagliptin, Linagliptin, Metformin oder langwirksame Insuline (Klasse IIa).
  • Kontraindiziert: Pioglitazon und Saxagliptin (Klasse III), da sie das Risiko für Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz erhöhen.

Therapie bei Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung (CKD)

Zur Reduktion des kardiovaskulären und renalen Risikos wird ein kombiniertes Vorgehen empfohlen:

Maßnahme/WirkstoffEmpfehlungsgradZiel/Indikation
StatineKlasse IReduktion des kardiovaskulären Risikos
ACE-Hemmer / SartaneKlasse IReduktion des renalen Risikos (RAS-Inhibition)
SGLT2-InhibitorenKlasse IAEmpagliflozin, Dapagliflozin oder Canagliflozin
FinerenonKlasse IANichtsteroidaler Mineralokortikoidrezeptorantagonist
BlutdruckeinstellungKlasse ISystolischer Zielwert < 130 mmHg

Therapie ohne ASCVD oder schwere Endorganschäden

Bei Patienten ohne ASCVD oder schwere Endorganschäden wurde die Empfehlung für SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-RA im Vergleich zur Leitlinie 2019 herabgestuft, da der Benefit hier geringer ausfällt.

  • Niedriges/Moderates Risiko: Metformin (Klasse IIa).
  • Hohes/Sehr hohes Risiko: Metformin, SGLT2-Inhibitoren oder GLP-1-RA können erwogen werden (Klasse IIb).

💡Praxis-Tipp

Screenen Sie alle Patienten mit Typ-2-Diabetes routinemäßig auf Herzinsuffizienz und chronische Nierenerkrankung (eGFR und UACR im Spontanurin). Initiieren Sie bei Vorliegen einer ASCVD umgehend SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptoragonisten, unabhängig vom aktuellen HbA1c-Wert.

Häufig gestellte Fragen

Durch die routinemäßige Bestimmung der eGFR und der Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) im Spontanurin.
Es besteht eine Klasse-IA-Empfehlung für SGLT2-Inhibitoren (Dapagliflozin, Empagliflozin, Sotagliflozin) unabhängig von der Ejektionsfraktion und dem HbA1c.
Pioglitazon und Saxagliptin sollten nicht eingesetzt werden, da sie in Studien ein erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen zeigten.
Mit dem neuen Typ-2-spezifischen Risikoscore SCORE2-Diabetes für Patienten im Alter von 40 bis 69 Jahren.

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