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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Analgosedierung in der Kardiologie: Leitlinie (DGK/DGAI)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Analgosedierung durch nichtärztliches Assistenzpersonal (NAPS) ist bei kardiologischen Eingriffen sicher und etabliert.
  • Propofol ist das Standardmedikament, erfordert aber wegen möglicher Atem- und Kreislaufdepressionen eine lückenlose Überwachung.
  • Ein kontinuierliches Monitoring (Pulsoxymetrie, EKG, Blutdruck) sowie die sofortige Verfügbarkeit von Notfallequipment sind obligatorisch.
  • Die überwachende Assistenzkraft darf während der Sedierung keine anderen Aufgaben übernehmen.
  • Nach Beendigung der Sedierung ist eine Überwachung von mindestens 30 Minuten vorgeschrieben.
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Hintergrund

Eingriffe in der Elektrophysiologie und interventionellen Kardiologie (z. B. Ablationen, Device-Implantationen, TEE) erfordern häufig eine Analgosedierung, um Patientenkomfort und stabile Untersuchungsbedingungen zu gewährleisten. Das Konzept der "nurse-administered propofol sedation" (NAPS) – die Sedierung durch geschultes Assistenzpersonal unter ärztlicher Aufsicht – hat sich hierbei als sicher und praktikabel erwiesen. Das Konsensuspapier von DGK und DGAI definiert die strukturellen und prozessualen Standards.

Sedierungsstadien

Der Übergang zwischen den Sedierungsstadien ist fließend. Eine klare Abgrenzung zur Allgemeinanästhesie ist nicht immer möglich.

StadiumVigilanzSpontanatmungKreislauffunktion
Minimale SedierungWach, entspanntNormalNormal
Moderate SedierungSchläfrig, erweckbarAusreichendErhalten
Tiefe SedierungTief schlafend, gezielte Abwehr auf SchmerzIntervention kann erforderlich seinAusreichend
AllgemeinanästhesieBewusstlos, keine AbwehrIntervention regelhaft erforderlichKann beeinträchtigt sein

Risikostratifizierung

Vor jedem Eingriff muss das individuelle Risiko evaluiert werden. Bei Vorliegen folgender Faktoren sollte die Hinzuziehung eines Anästhesisten erwogen werden:

RisikofaktorKriterien und Beispiele
AdipositasBMI > 35 kg/m²
AtemwegeObstruktive Schlafapnoe, SpO2 < 94 % bei Raumluft
KardiovaskulärHochgradig eingeschränkte linksventrikuläre Funktion
OrganfunktionSignifikante renale oder hepatische Funktionsstörung

Medikamentöse Therapie

Die Auswahl der Medikamente muss an das kardiale Risikoprofil des Patienten angepasst werden.

WirkstoffEigenschaftenBemerkung
PropofolSehr gut steuerbar, hohe ClearanceCave: Atemdepression, Blutdruckabfall. Dosisreduktion bei Alter > 65 Jahre.
DexmedetomidinAlpha-2-Agonist, keine AtemdepressionGut als Adjuvans. Cave: Initiale Hypertonie, dann Hypotonie. Keine Bolusgabe!
MidazolamAnxiolytisch, amnestischGut zur Prämedikation. Antagonisierbar mit Flumazenil.
RemifentanilUltrakurz wirksames Opioid (< 10 min)Cave: Atemdepression. Keine Bolusgabe wegen möglicher Thoraxrigidität.
EtomidateGeringe hämodynamische NebenwirkungenMittel der Wahl bei stark eingeschränkter LV-Funktion.

Struktur- und Prozessqualität

  • Personal: Ein qualifizierter, in der Notfallmedizin erfahrener Arzt und geschultes Assistenzpersonal müssen anwesend sein. Die überwachende Person darf keine anderen Aufgaben übernehmen.
  • Monitoring: Pulsoxymetrie, kontinuierliches EKG und Blutdruckmessung (mindestens alle 5 Minuten) sind zwingend erforderlich.
  • Ausstattung: Notfallwagen, Intubationsbesteck, Beatmungsgerät, Absaugung und Defibrillator müssen unmittelbar verfügbar sein.

Postinterventionelle Nachsorge und Entlassung

Jeder Patient muss nach Beendigung der Analgosedierung für mindestens 30 Minuten überwacht werden.

Kriterien für die Verlegung auf Normalstation:

  • Wacher, ruhiger und schmerzfreier Patient (RASS 0)
  • Schutzreflexe vorhanden
  • Spontanatmung intakt
  • Stabiler Kreislauf

Bei ambulanten Eingriffen müssen die Vitalparameter für mindestens 1 Stunde stabil sein. Die Entlassung darf nur in Begleitung eines Erwachsenen erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der Antagonisierung von Benzodiazepinen mit Flumazenil auf die Halbwertszeiten: Flumazenil wirkt nur ca. 60 Minuten. Es besteht die Gefahr einer Resedierung, weshalb eine Nachbeobachtung von mindestens 2 Stunden zwingend erforderlich ist.

Häufig gestellte Fragen

Die Durchführung durch geschultes nichtärztliches Assistenzpersonal (NAPS) ist unter Aufsicht eines in der Intensivmedizin erfahrenen Arztes zulässig. Wichtig: Die überwachende Person darf in dieser Zeit keine anderen Aufgaben übernehmen.
Etomidate zeichnet sich durch eine hohe hämodynamische Stabilität aus und ist bei eingeschränkter linksventrikulärer Pumpfunktion besonders geeignet. Propofol sollte hier wegen seiner negativ inotropen und vasodilatierenden Wirkung nur mit besonderer Vorsicht eingesetzt werden.
Jeder Patient muss nach Beendigung der Sedierung für mindestens 30 Minuten durch qualifiziertes Personal überwacht werden. Vor einer Verlegung müssen die Vitalparameter stabil und der Patient wach (RASS 0) sein.
Dexmedetomidin bewirkt im Gegensatz zu Propofol keine Atemdepression und eignet sich hervorragend als Adjuvans in Kombination mit Propofol. Wegen möglicher hämodynamischer Effekte (initialer Blutdruckanstieg, dann Hypotonie) darf es jedoch nicht als Bolus gegeben werden.

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