Analgosedierung in der Kardiologie: Leitlinie (DGK/DGAI)
📋Auf einen Blick
- •Die Analgosedierung durch nichtärztliches Assistenzpersonal (NAPS) ist bei kardiologischen Eingriffen sicher und etabliert.
- •Propofol ist das Standardmedikament, erfordert aber wegen möglicher Atem- und Kreislaufdepressionen eine lückenlose Überwachung.
- •Ein kontinuierliches Monitoring (Pulsoxymetrie, EKG, Blutdruck) sowie die sofortige Verfügbarkeit von Notfallequipment sind obligatorisch.
- •Die überwachende Assistenzkraft darf während der Sedierung keine anderen Aufgaben übernehmen.
- •Nach Beendigung der Sedierung ist eine Überwachung von mindestens 30 Minuten vorgeschrieben.
Hintergrund
Eingriffe in der Elektrophysiologie und interventionellen Kardiologie (z. B. Ablationen, Device-Implantationen, TEE) erfordern häufig eine Analgosedierung, um Patientenkomfort und stabile Untersuchungsbedingungen zu gewährleisten. Das Konzept der "nurse-administered propofol sedation" (NAPS) – die Sedierung durch geschultes Assistenzpersonal unter ärztlicher Aufsicht – hat sich hierbei als sicher und praktikabel erwiesen. Das Konsensuspapier von DGK und DGAI definiert die strukturellen und prozessualen Standards.
Sedierungsstadien
Der Übergang zwischen den Sedierungsstadien ist fließend. Eine klare Abgrenzung zur Allgemeinanästhesie ist nicht immer möglich.
| Stadium | Vigilanz | Spontanatmung | Kreislauffunktion |
|---|---|---|---|
| Minimale Sedierung | Wach, entspannt | Normal | Normal |
| Moderate Sedierung | Schläfrig, erweckbar | Ausreichend | Erhalten |
| Tiefe Sedierung | Tief schlafend, gezielte Abwehr auf Schmerz | Intervention kann erforderlich sein | Ausreichend |
| Allgemeinanästhesie | Bewusstlos, keine Abwehr | Intervention regelhaft erforderlich | Kann beeinträchtigt sein |
Risikostratifizierung
Vor jedem Eingriff muss das individuelle Risiko evaluiert werden. Bei Vorliegen folgender Faktoren sollte die Hinzuziehung eines Anästhesisten erwogen werden:
| Risikofaktor | Kriterien und Beispiele |
|---|---|
| Adipositas | BMI > 35 kg/m² |
| Atemwege | Obstruktive Schlafapnoe, SpO2 < 94 % bei Raumluft |
| Kardiovaskulär | Hochgradig eingeschränkte linksventrikuläre Funktion |
| Organfunktion | Signifikante renale oder hepatische Funktionsstörung |
Medikamentöse Therapie
Die Auswahl der Medikamente muss an das kardiale Risikoprofil des Patienten angepasst werden.
| Wirkstoff | Eigenschaften | Bemerkung |
|---|---|---|
| Propofol | Sehr gut steuerbar, hohe Clearance | Cave: Atemdepression, Blutdruckabfall. Dosisreduktion bei Alter > 65 Jahre. |
| Dexmedetomidin | Alpha-2-Agonist, keine Atemdepression | Gut als Adjuvans. Cave: Initiale Hypertonie, dann Hypotonie. Keine Bolusgabe! |
| Midazolam | Anxiolytisch, amnestisch | Gut zur Prämedikation. Antagonisierbar mit Flumazenil. |
| Remifentanil | Ultrakurz wirksames Opioid (< 10 min) | Cave: Atemdepression. Keine Bolusgabe wegen möglicher Thoraxrigidität. |
| Etomidate | Geringe hämodynamische Nebenwirkungen | Mittel der Wahl bei stark eingeschränkter LV-Funktion. |
Struktur- und Prozessqualität
- Personal: Ein qualifizierter, in der Notfallmedizin erfahrener Arzt und geschultes Assistenzpersonal müssen anwesend sein. Die überwachende Person darf keine anderen Aufgaben übernehmen.
- Monitoring: Pulsoxymetrie, kontinuierliches EKG und Blutdruckmessung (mindestens alle 5 Minuten) sind zwingend erforderlich.
- Ausstattung: Notfallwagen, Intubationsbesteck, Beatmungsgerät, Absaugung und Defibrillator müssen unmittelbar verfügbar sein.
Postinterventionelle Nachsorge und Entlassung
Jeder Patient muss nach Beendigung der Analgosedierung für mindestens 30 Minuten überwacht werden.
Kriterien für die Verlegung auf Normalstation:
- Wacher, ruhiger und schmerzfreier Patient (RASS 0)
- Schutzreflexe vorhanden
- Spontanatmung intakt
- Stabiler Kreislauf
Bei ambulanten Eingriffen müssen die Vitalparameter für mindestens 1 Stunde stabil sein. Die Entlassung darf nur in Begleitung eines Erwachsenen erfolgen.
💡Praxis-Tipp
Achten Sie bei der Antagonisierung von Benzodiazepinen mit Flumazenil auf die Halbwertszeiten: Flumazenil wirkt nur ca. 60 Minuten. Es besteht die Gefahr einer Resedierung, weshalb eine Nachbeobachtung von mindestens 2 Stunden zwingend erforderlich ist.