Ambulante kardiologische Leistungen: DGK-Positionspapier
📋Auf einen Blick
- •Die Entscheidung für eine ambulante Durchführung basiert auf Patientencharakteristika, Anatomie und prozeduralen Aspekten im Rahmen eines Shared Decision Making.
- •Diagnostische Linksherzkatheter und unkomplizierte PCIs (bevorzugt über A. radialis) können bei 4- bis 6-stündiger Überwachung ambulant erfolgen.
- •Strukturelle Herzinterventionen (Klappen, Vorhofohr, PFO/ASD) erfordern stets eine stationäre Aufnahme.
- •Die Implantation von 1- und 2-Kammer-Schrittmachern/ICDs sowie Ereignisrekordern ist ambulant möglich, CRT-Systeme und Sondenextraktionen hingegen nicht.
- •Vorhofflimmer-Ablationen dürfen nur bei streng selektierten Patienten (z.B. Alter < 65, EF > 40%, BMI < 35) ambulant durchgeführt werden.
Hintergrund
Die Ambulantisierung bisher stationär durchgeführter Eingriffe gewinnt in der Kardiologie zunehmend an Bedeutung. Treiber dieser Entwicklung sind der medizinisch-technische Fortschritt, der Pflegepersonalmangel, der Kostendruck im Gesundheitswesen sowie die Ausrichtung auf Patientenbedürfnisse. Das Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) definiert die strukturellen, prozeduralen und personellen Voraussetzungen, um kardiologische Eingriffe ambulant durchzuführen, ohne die Patientensicherheit zu gefährden.
Entscheidungskriterien
Die finale Entscheidung, ob ein Eingriff ambulant oder stationär erbracht wird, obliegt dem behandelnden Arzt und sollte gemeinsam mit dem Patienten getroffen werden (Shared Decision Making). Die Beurteilung stützt sich auf drei Säulen:
- Patientencharakteristika: Stationäre Aufnahme indiziert bei z.B. Herzinsuffizienz (EF ≤40%), Niereninsuffizienz, hohem Blutungsrisiko, instabiler Angina/NSTEMI/STEMI oder Dyspnoe (NYHA III/IV).
- Anatomische Voraussetzungen: Stationäre Aufnahme indiziert bei z.B. Bifurkationsläsionen, stark verkalkten Läsionen, CTO oder Hauptstammläsionen.
- Prozedurale Aspekte: Stationäre Aufnahme indiziert bei z.B. femoralem Zugang >6 French, transseptaler Punktion oder Sondenextraktionen.
Koronardiagnostik und -intervention
Der Zugangsweg bei elektiver Diagnostik und perkutaner Koronarintervention (PCI) sollte primär über die A. radialis erfolgen. Eine ärztliche Kontrolle der Punktionsstelle vor Entlassung ist obligat.
| Eingriff | Bevorzugter Zugang | Minimale Überwachung | Ambulant möglich |
|---|---|---|---|
| Diagnostischer Linksherzkatheter | A. radialis | 4 h | Ja |
| Intrakoronare Druckmessung (FFR, iFR) | A. radialis | 4-12 h | Ja |
| PCI (1 Koronararterie, unkompliziert) | A. radialis | 6 h | Ja |
| PCI (>1 Koronararterie) | A. radialis / A. femoralis | 6 h | Nein |
| Hauptstammintervention / CTO | A. femoralis | 12-24 h | Nein |
Strukturelle Herzerkrankungen
Interventionen an Herzklappen, Vorhofohrverschlüsse sowie Septumdefektverschlüsse (PFO, ASD, VSD) müssen aufgrund ihrer Komplexität, der Notwendigkeit großlumiger venöser Schleusen und spezifischer Risiken (z.B. Perikardtamponade, Embolien) immer unter stationären Bedingungen durchgeführt werden.
Elektrophysiologie und Ablation
Diagnostische elektrophysiologische Untersuchungen (EPU) sind prinzipiell ambulant durchführbar, sofern keine schweren Komorbiditäten oder angeborenen Herzfehler vorliegen.
| Eingriff | Minimale Überwachung | Ambulant möglich |
|---|---|---|
| Diagnostische EPU (ohne angeborenen Herzfehler) | Abhängig von Arrhythmie | Ja |
| Diagnostische EPU (mit angeborenem Herzfehler) | Abhängig von Arrhythmie | Nein |
| Katheterablation Vorhofflimmern | 6-24 h | Bedingt (nur bei fehlenden Ausschlusskriterien) |
Spezielle Ausschlusskriterien für eine ambulante Vorhofflimmer-Ablation:
- Alter > 65 Jahre
- Klinisch manifeste Herzinsuffizienz (NYHA > II) bzw. EF < 40 %
- Ausgeprägte Adipositas (BMI > 35 kg/m²)
- Z.n. Schlaganfall/TIA oder CHA2DS2-VASc Score > 3
- Niereninsuffizienz mit Kreatinin-Clearance < 30 ml/min
- Fehlender häuslicher Support oder Transportdauer > 1 h nach Hause
Device-Therapie (Schrittmacher und ICD)
Viele Eingriffe im Bereich der Rhythmusimplantate können sicher ambulant erbracht werden. Eingriffe, die eine Sondenextraktion beinhalten, sind aufgrund des Mortalitätsrisikos (> 1 %) stationär durchzuführen.
| Eingriff | Minimale Überwachung | Ambulant möglich | Erforderliche Kontrolle |
|---|---|---|---|
| Ereignisrekorder (Im-/Explantation) | 1-2 h | Ja | Systemabfrage |
| 1- oder 2-Kammer-Schrittmacher/ICD | 4 h | Ja | Systemabfrage, Rö-Thorax |
| Biventrikuläre Systeme (CRT) | 4 h | Nein | Systemabfrage, Rö-Thorax, Echo |
| Sondenextraktion | 12 h | Nein | Rö-Thorax, Echo |
| Aggregatwechsel (ohne Sonde) | 1-2 h | Ja | Systemabfrage |
Postoperative Überwachung und Entlassmanagement
Im Anschluss an einen kardiologischen Eingriff ist eine Überwachung mit EKG-Monitoring, nichtinvasiver Blutdruckmessung und Pulsoxymetrie sicherzustellen. Qualifiziertes Pflegepersonal und ein erreichbarer Facharzt sind zwingend erforderlich.
Vor der Entlassung muss eine ärztliche Visite erfolgen. Diese umfasst:
- Abfrage von Symptomen (Angina pectoris, Dyspnoe)
- Überprüfung des Bewusstseinszustands (nach Analgosedierung 24 h keine aktive Teilnahme am Straßenverkehr)
- Inspektion der Operationswunde bzw. Punktionsstelle
- Aushändigung eines Kurzberichts, eines Medikamentenplans und von Notfallnummern
- Sicherstellung der häuslichen Weiterversorgung
💡Praxis-Tipp
Überprüfen Sie vor jeder geplanten ambulanten Entlassung zwingend die Punktionsstelle und stellen Sie sicher, dass der Patient nach einer Analgosedierung für 24 Stunden nicht aktiv am Straßenverkehr teilnimmt und unter Aufsicht ist.