ClariMedClariMed

Sedierung in der GI-Endoskopie: S3-Leitlinie (AWMF/DGVS)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Jedem Patienten soll vor einer gastrointestinalen Endoskopie eine Sedierung angeboten werden.
  • Die Risikoabschätzung erfolgt strukturiert anhand der ASA-Klassifikation und patientenspezifischer Faktoren.
  • Propofol sollte aufgrund des besseren Wirkungsprofils bevorzugt vor Midazolam eingesetzt werden.
  • Opioide, Ketamin oder Inhalationsanästhetika sollen nicht als Monotherapeutika zur Sedierung verwendet werden.
  • Bei Hochrisikopatienten (ASA III-IV) oder schwierigen Atemwegsverhältnissen ist ein Anästhesist hinzuzuziehen.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Sedierung in der gastrointestinalen Endoskopie trägt maßgeblich zum Patientenkomfort bei und schafft oft erst die Voraussetzung für erfolgreiche und risikoarme, insbesondere therapeutische, Eingriffe. Laut aktueller S3-Leitlinie soll jedem Patienten vor der Endoskopie eine Sedierung angeboten werden (Empfehlungsgrad A). Grundsätzlich können einfache endoskopische Untersuchungen auf Wunsch des Patienten aber auch ohne Sedierung durchgeführt werden.

Risikoabschätzung und Vorbereitung

Vor jedem Eingriff muss eine strukturierte Risikoabschätzung erfolgen. Diese basiert auf der Art des Eingriffs, den Patientenpräferenzen und der Komorbidität, welche primär über die ASA-Klassifikation abgebildet wird.

ASA-KlasseDefinitionBeispiele
IKein RisikoGesund, Nichtraucher, kein/minimaler Alkoholkonsum
IILeichte ErkrankungRaucher, Schwangerschaft, Adipositas (BMI 30-<40), gut eingestellter Hypertonus
IIISchwere ErkrankungAdipositas (BMI ≥40), schlecht kontrollierter Diabetes, stabiler Dialysepatient
IVSchwere, lebensbedrohliche ErkrankungKürzlicher Myokardinfarkt (<3 Monate), Sepsis, akutes Nierenversagen
VMoribunder PatientRupturiertes Aortenaneurysma, Polytrauma
VIHirntoter PatientOrganspender

Sedierungstiefen

Der Grad der Sedierung wird nach der American Society of Anesthesiologists (ASA) eingeteilt:

StadiumReaktion auf AnspracheSpontanatmung
Minimale Sedierung (Anxiolyse)NormalUnbeeinflusst
Moderate SedierungZielgerichtet auf verbale/taktile ReizeAdäquat
Tiefe SedierungZielgerichtet nach wiederholten SchmerzreizenKann inadäquat sein
AllgemeinanästhesieNicht erweckbarInadäquat (Beatmung nötig)

Medikamentöse Therapie

Die Wahl des Sedativums richtet sich nach Eingriff und Patientenprofil.

  • Propofol: Sollte aufgrund des besseren Wirkungsprofils und der kürzeren Erholungszeit bevorzugt vor Midazolam verwendet werden (Empfehlungsgrad B). Die Applikation sollte in Form der intermittierenden Bolusapplikation erfolgen (Empfehlungsgrad B).
  • Benzodiazepine: Wenn im begründeten Einzelfall mit Benzodiazepinen sediert werden soll, soll Midazolam dem Diazepam vorgezogen werden (Empfehlungsgrad A).
  • Monotherapien: Opioide, Ketamin, Inhalationsanästhetika oder Neuroleptika sollten nicht als Monotherapeutika zur Sedierung eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B).
WirkstoffEigenschaftenBemerkung
PropofolRascher Wirkeintritt (30-45s), kurze Wirkdauer (5-10min)Kein Antagonist verfügbar. Hohe Untersucherzufriedenheit.
MidazolamWirkeintritt 1-3 min, Wirkdauer 15-80 minAntagonisierbar durch Flumazenil. Neigt zur Kumulation.

Hinzuziehung der Anästhesie und Schutzintubation

Bei Patienten mit höherem Risikoprofil soll die Hinzuziehung eines Anästhesisten geprüft werden (Empfehlungsgrad A). Dies gilt insbesondere bei:

  • Hoher ASA-Klassifikation (III-IV)
  • Erhöhtem Risiko für Atemwegsbehinderungen (z.B. Mallampati-Score 3 oder 4, Mundöffnung <3 cm, eingeschränkte HWS-Beweglichkeit)

Bei besonderen Notfallsituationen mit erhöhtem Aspirationsrisiko (z.B. schwere obere gastrointestinale Blutung) soll die Indikation für eine endotracheale Schutzintubation geprüft werden (Empfehlungsgrad A).

Lagerung

Bei sedierten Patienten soll auf eine korrekte Lagerung zur Vermeidung lagerungsbedingter Schäden und einer Aspiration sowie auf ein adaptiertes Wärmemanagement geachtet werden (Empfehlungsgrad A).

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie Propofol bevorzugt als intermittierende Bolusgabe. Halten Sie bei der Verwendung von Midazolam stets den Antagonisten Flumazenil griffbereit, beachten Sie jedoch dessen kürzere Halbwertszeit im Vergleich zu Midazolam (Gefahr der Re-Sedierung).

Häufig gestellte Fragen

Bei Patienten der ASA-Klasse III-IV, bei anatomischen Atemwegsrisiken (z.B. Mallampati 3-4, eingeschränkte Mundöffnung) oder bei zu erwartenden komplexen Interventionen.
Opioide, Ketamin, Inhalationsanästhetika und Neuroleptika sollten laut Leitlinie nicht als Monotherapeutika eingesetzt werden.
Ja, grundsätzlich können einfache endoskopische Untersuchungen auch ohne Sedierung durchgeführt werden, sofern der Patient dies wünscht.
Propofol bietet eine kürzere Zeit bis zum Wirkungseintritt, eine bessere Patientenkooperation (besonders bei Interventionen) und eine schnellere Erholungszeit.

Verwandte Leitlinien