Elektrische Kardioversion bei Vorhofflimmern: DGK-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Die EKV sollte stets Teil eines rhythmuskontrollierenden Gesamtkonzepts sein.
- •Eine lückenlose, mindestens vierwöchige orale Antikoagulation (OAK) post-EKV ist obligat, unabhängig vom CHA2DS2-VASc-Score.
- •Bei OAK-naiven Patienten mit Vorhofflimmern > 24h ist ein TEE zwingend erforderlich.
- •Für den Erstschock sollte direkt die maximale Energie (z.B. 200 J biphasisch) gewählt werden.
- •Bei Patienten mit Schrittmacher/ICD ist eine AP-Elektrodenposition mit > 8 cm Abstand zum Aggregat sowie eine Systemabfrage vor und nach EKV notwendig.
Hintergrund
Die elektrische Kardioversion (EKV) ist eine etablierte und sichere Methode zur akuten Wiederherstellung des Sinusrhythmus bei persistierendem Vorhofflimmern (AF). Sie sollte in der Regel nicht als isolierte Maßnahme, sondern stets als Bestandteil eines rhythmuskontrollierenden Therapiekonzepts erfolgen.
| Indikation zur EKV (ohne Therapieeskalation) | Bemerkung |
|---|---|
| Erstereignis | Bei anhaltendem Vorhofflimmern |
| Seltene Episoden | Bei anhaltendem Vorhofflimmern |
| Reversibler Trigger | z.B. Hyperthyreose, akuter Infekt, OP-getriggert, Alkoholkonsum |
| Blanking-Periode | Nach Katheterablation zur AF-Behandlung |
| Diagnostische EKV | Zur Abgrenzung symptomatischer von asymptomatischen Patienten |
Antikoagulation und TEE
Die ersten 4 Wochen nach einer EKV stellen aufgrund des "atrial stunning" eine Phase erhöhter Vulnerabilität für thromboembolische Ereignisse dar.
- Post-EKV: Eine lückenlose, mindestens vierwöchige orale Antikoagulation (OAK) ist obligat – unabhängig vom CHA2DS2-VASc-Score und unabhängig vom Erfolg der EKV.
- Peri-EKV: Bei Neueinstellung sind DOAKs den Vitamin-K-Antagonisten vorzuziehen.
| TEE-Indikation | Empfehlung |
|---|---|
| OAK-naive Patienten mit AF > 24h | Soll erfolgen (inkl. DOAK "loading dose" vor EKV) |
| AF-Beginn sicher < 24h | TEE kann entfallen |
| $\ge$ 3 Wochen suffiziente OAK | TEE in der Regel nicht erforderlich |
| Hochrisikopatienten (z.B. LAA-Thrombus in Anamnese, Mitralklappenvitium) | TEE unabhängig vom OAK-Status erwägen |
Wichtig: Bei Nachweis eines LAA-Thrombus darf keine elektive EKV erfolgen.
Vorbereitung und Sedierung
Die EKV erfordert eine tiefe Sedierung unter kontinuierlichem Monitoring (EKG, SpO2, NIBP). Patienten müssen nüchtern sein (klare Flüssigkeiten bis 2h, feste Nahrung bis 6h vor Eingriff).
- Medikament der Wahl: Propofol (intermittierende Bolusapplikation).
- Atemwegssicherung: Guedel-Tuben sind Wendl-Tuben vorzuziehen, da letztere unter OAK ein erhöhtes Blutungsrisiko im Nasen-Rachen-Raum bergen.
- Post-Monitoring: Überwachung bis zum vollständigen Erwachen und Erreichen stabiler Vitalparameter. Es besteht für 24 Stunden keine Fahreignung.
Technische Durchführung
| Parameter | Empfehlung |
|---|---|
| Elektroden | Klebe- oder Plattenelektroden (manueller Anpressdruck erhöht die Effektivität) |
| Position | Anteroposterior (AP) oder anterolateral/apikal (AL) sind gleichwertig |
| Energie (Vorhofflimmern) | Maximale Erstschockenergie (z.B. 200 J biphasisch) ist eskalierenden Protokollen überlegen |
| Energie (Vorhofflattern) | Niedrigere Energie (z.B. 50 J) für Erstschock möglich |
Vorgehen bei nichtkonvertierbaren Patienten
Es muss zwischen einem primär erfolglosen Schock und einem frühen Rezidiv unterschieden werden.
| Szenario | Empfohlenes Vorgehen |
|---|---|
| Primär erfolgloser Schock | Elektrodenkontakt prüfen, manuellen Druck ausüben, maximale Energie sicherstellen. Ggf. Schockvektor wechseln (AP zu AL oder umgekehrt). |
| Frühes Rezidiv | Keine Erhöhung der Schockenergie. Reversible Faktoren (z.B. Elektrolyte, Infekt) korrigieren. |
| Medikamentöse Eskalation | Vor erneutem Schock akute i.v.-Gabe eines Antiarrhythmikums (z.B. Amiodaron oder Flecainid) erwägen. |
Hinweis: Eine routinemäßige Abgabe von mehr als 3 Schocks in gleicher Orientierung ohne unterstützende Gabe eines Antiarrhythmikums wird nicht empfohlen.
Besondere Patientengruppen
- Schrittmacher/ICD (CIED): AP-Position der Elektroden mit > 8 cm Abstand zum implantierten Aggregat. Eine Abfrage des Systems vor und nach der EKV ist obligat. Bei ICD/CRT-D-Patienten kann ein interner Schock erwogen werden.
- Schwangere: Die EKV gilt in allen Phasen der Schwangerschaft als sicher. Empfohlen wird die AP-Position in Kurznarkose (Analgosedierung bevorzugt) unter Überwachung maternaler und ggf. fetaler Vitalparameter (CTG).
- Adipositas: Aufgrund des erhöhten Thoraxwiderstands sind die maximale Erstschockenergie und ein starker manueller Anpressdruck zwingend erforderlich.
- Z.n. LAA-Okklusion/Exzision: Auch hier ist ein TEE vor EKV indiziert, falls keine 3-wöchige OAK vorliegt, da Thromben am postoperativen Stumpf oder an anderen kardialen Stellen entstehen können.
💡Praxis-Tipp
Verwenden Sie bereits für den ersten Schock die maximale Energie (z.B. 200 J biphasisch). Dies erzielt höhere Konversionsraten als ein aufsteigendes Energieprotokoll und erhöht die Komplikationsrate nicht.