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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Kardiale Amyloidose: Leitlinie zur Versorgung (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Inzidenz der kardialen Amyloidose (insbesondere wt-ATTR) steigt, was eine strukturierte transsektorale Versorgung erfordert.
  • Ein Screening ist indiziert bei Myokardverdickung ≥ 12 mm plus HFpEF, Aortenklappenstenose oder typischen Red Flags.
  • Die Basisdiagnostik muss zwingend den Ausschluss einer AL-Amyloidose mittels Immunfixation und freien Leichtketten umfassen.
  • Bei eindeutiger Skelettszintigraphie und fehlender monoklonaler Gammopathie kann die ATTR-Diagnose nichtinvasiv gestellt werden.
  • Die Therapieindikation und komplexe Fälle sollten in einem interdisziplinären Amyloidosenetzwerk evaluiert werden.
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Hintergrund

Die Prävalenz und Inzidenz kardialer Amyloidosen, insbesondere der Wild-Typ-Transthyretin-Amyloidose (wt-ATTR), steigen kontinuierlich an. Dies ist auf verbesserte nichtinvasive Diagnostik und eine höhere Krankheitswahrnehmung zurückzuführen. Da mittlerweile kausale und Prognose-verbessernde Therapien zur Verfügung stehen, ist ein Ausbau der Versorgungsstrukturen zwingend erforderlich. Die Versorgung sollte in einer strukturierten, transsektoralen Zusammenarbeit zwischen kardiologischen Primärversorgern und interdisziplinären Amyloidosenetzwerken erfolgen.

Screening und Red Flags

Die kardiologische Primärversorgung spielt eine Schlüsselrolle bei der Identifikation von Patienten. Ein Screening auf kardiale Amyloidose sollte bei Vorliegen folgender Kriterien initiiert werden:

HauptkriteriumZusätzliche Kriterien (mindestens 1 erforderlich)
Myokarddicke ≥ 12 mm (ohne andere Erklärung wie Hypertonie)Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF)
Senile Aortenklappenstenose / Z.n. TAVI
Red Flags: Alter ≥ 65 Jahre
Red Flags: Beidseitiges Karpaltunnelsyndrom
Red Flags: Lumbosakrale Spinalkanalstenose
Red Flags: Spontane Bizepssehnenruptur
Red Flags: Rasch progrediente Polyneuropathie

Diagnostik-Algorithmus

Die Basisdiagnostik in der Primärversorgung umfasst drei wesentliche Säulen:

  • Biomarker: BNP/NT-proBNP und hochsensitives Troponin. Bei sehr niedrigen Werten (Troponin T < 14 ng/l und NT-proBNP < 180 pg/ml) kann eine kardiale Amyloidose mit hoher Wahrscheinlichkeit (99,5 %) ausgeschlossen werden. Eine Kontrolle nach 6 Monaten ist hier vertretbar.
  • Ausschluss einer AL-Amyloidose: Zwingend erforderlich sind die Immunfixation (Serum und Urin) sowie die Bestimmung der quantitativen freien Leichtketten im Serum. Bei Auffälligkeiten muss eine sofortige hämatologische Vorstellung erfolgen, da die AL-Amyloidose unbehandelt eine sehr schlechte Prognose hat.
  • Erweiterte Bildgebung: Skelettszintigraphie oder Kardio-MRT.

Bei einer eindeutigen kardialen Anreicherung in der Skelettszintigraphie (Perugini-Stadium II oder III) und gleichzeitigem Ausschluss einer monoklonalen Gammopathie kann die Diagnose einer ATTR-Kardiomyopathie komplett nichtinvasiv gestellt werden.

Zugelassene Therapien

Die medikamentöse Therapie richtet sich nach dem spezifischen Amyloidose-Subtyp. Die Erstverschreibung sollte idealerweise im Amyloidosenetzwerk erfolgen.

WirkstoffIndikation
Tafamidis (20 mg)ATTR-Amyloidose mit Polyneuropathie Stadium I
Tafamidis (61 mg)ATTR-Amyloidose mit Kardiomyopathie
InotersenHereditäre ATTR-Amyloidose mit Polyneuropathie Stadium I und II
PatisiranHereditäre ATTR-Amyloidose mit Polyneuropathie Stadium I und II
VutrisiranHereditäre ATTR-Amyloidose mit Polyneuropathie Stadium I-III
DaratumumabSystemische AL-Amyloidose (in Kombinationstherapie)

Indikationen zur Überweisung ins Amyloidosenetzwerk

Nicht jeder Patient muss dauerhaft im Zentrum angebunden sein. Eine Mitbehandlung im interdisziplinären Netzwerk ist jedoch bei folgenden Konstellationen indiziert:

BereichKriterien für die Netzwerk-Vorstellung
DiagnostikNegative oder inkonklusive Befunde in MRT/Szintigraphie
Nachweis einer monoklonalen Gammopathie (Verdacht auf AL-Amyloidose)
Zufallsbefund in der Szintigraphie ohne kardialen Phänotyp
Verdacht auf extrakardialen Befall oder seltene Amyloidosen (z.B. AA)
Hereditäre ATTR oder Genanlageträger
TherapieIndikationsstellung bei Erstdiagnose
Indikationsprüfung bei Progress unter laufender Therapie
Junge Patienten (Evaluation für Organ-/Stammzelltransplantation)

Das Therapiemonitoring (Verträglichkeit, klinischer Progress) kann anschließend in der kardiologischen Primärversorgung erfolgen. Hierbei werden klinische Kontrollen halbjährlich und apparative Kontrollen (EKG, Echokardiographie) jährlich empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei unklarer Myokardverdickung (≥ 12 mm) kombiniert mit beidseitigem Karpaltunnelsyndrom oder Spinalkanalstenose an eine Amyloidose. Schließen Sie vor einer ATTR-Diagnose zwingend eine AL-Amyloidose mittels Immunfixation und Bestimmung der freien Leichtketten ab.

Häufig gestellte Fragen

Bei einer unerklärten Myokarddicke ≥ 12 mm in Kombination mit HFpEF, seniler Aortenklappenstenose oder typischen Red Flags wie beidseitigem Karpaltunnelsyndrom oder Spinalkanalstenose.
Werte von Troponin T < 14 ng/l und NT-proBNP < 180 pg/ml schließen eine kardiale Amyloidose mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,5 % aus.
Bei einer eindeutigen kardialen Anreicherung in der Skelettszintigraphie (Perugini-Stadium II oder III) und gleichzeitigem laborchemischen Ausschluss einer monoklonalen Gammopathie.
Ein Netzwerk sollte Expertise aus Kardiologie, Hämatologie/Onkologie, Neurologie, Nephrologie, Nuklearmedizin, Pathologie und Humangenetik bündeln.

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