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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Onkologische Kardiologie: Leitlinie (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Vor jeder potenziell kardiotoxischen Tumortherapie ist eine kardiologische Basisdiagnostik (Anamnese, EKG, Echokardiographie) zwingend erforderlich.
  • Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen oder stattgehabter thorakaler Bestrahlung/Anthrazyklin-Therapie gelten als Hochrisikopatienten.
  • Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) können eine fulminante Myokarditis auslösen, die hochdosiert mit Steroiden behandelt werden muss.
  • Unter VEGFR-Inhibitoren entwickelt ein Großteil der Patienten eine behandlungsbedürftige arterielle Hypertonie.
  • Trastuzumab (HER2-Inhibitor) verursacht häufig eine linksventrikuläre Dysfunktion, weshalb regelmäßige LVEF-Kontrollen indiziert sind.
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Hintergrund

Viele onkologische Patienten haben vorbestehende kardiovaskuläre Risikofaktoren, die durch die Krebserkrankung und deren Behandlung zu schweren Komplikationen führen können. Die Erfassung von Begleiterkrankungen durch Anamnese, EKG und Echokardiographie (inklusive LVEF) vor Therapiebeginn ist unverzichtbar.

Risikostratifizierung

Drei spezifische Patientengruppen bedürfen einer engen kardiologischen Mitbetreuung:

  • Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren (erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen)
  • Patienten mit stattgehabter systemischer Therapie oder thorakaler Radiotherapie
  • Patienten vor geplanter Hochrisiko-Therapie

Strahlentherapie

Kardiovaskuläre Komplikationen können akut oder chronisch (Latenz >20 Jahre) auftreten. Typisch sind Perikarditis, KHK und Klappenerkrankungen.

Risiko-KategorieKriterienFollow-up Intervall
Hochrisiko>30 Gy (Erwachsene), >35 Gy (Kinder) oder <30 Gy + AnthrazyklineEKG/Echo nach 1 Jahr (Erw.) bzw. 2 Jahren (Kinder), dann alle 2 Jahre. Stresstest/Koronar-CT nach 10 Jahren.
NiedrigrisikoKeine der oben genannten KriterienEKG/Echo alle 5 Jahre. Stresstest/Koronar-CT nach 10 Jahren.

Klassische Chemotherapie

  • Anthrazykline (z.B. Doxorubicin): Verursachen dosisabhängige myokardiale Schädigung. Ab einer kumulativen Dosis von >400 mg/m2 steigt das Risiko für eine linksventrikuläre (LV) Dysfunktion exponentiell an.
  • Alkylanzien (z.B. Cyclophosphamid): Können binnen weniger Tage eine Herzinsuffizienz auslösen (Inzidenz 5-19 %).
  • Fluoropyrimidine (5-FU): Verursachen Koronarspasmen mit Angina pectoris bis zum Myokardinfarkt (Risiko bis 10 %).

Immuncheckpoint-Inhibitor-induzierte Myokarditis

Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) können eine autoimmunvermittelte Myokarditis mit hoher Mortalität (43-46 %) auslösen. Die meisten Fälle treten in den ersten 3 Monaten auf.

Diagnostik: Vor Therapiebeginn sollten Troponin, EKG und Echokardiographie als Basiswerte erhoben werden.

Diagnostische SicherheitKriterien (Auswahl)
GesichertPositive Myokardbiopsie ODER pathologisches cMRT + Myasthenie-Syndrom + erhöhte Biomarker/EKG-Veränderungen
WahrscheinlichcMRT ohne Myasthenie/Biomarker ODER Echo-Wandbewegungsstörungen + Myasthenie-Syndrom + erhöhte Biomarker
MöglichNicht eindeutiges cMRT + Myasthenie-Syndrom ODER Echo-Wandbewegungsstörungen + erhöhte Biomarker

Therapie:

  • Sofortiger Therapiestopp des ICI.
  • 1-2 mg/kg Prednisolon i.v. oder oral (bei schlechtem Ansprechen 500-1000 mg Methylprednisolon i.v.).
  • Ausschleichen über 4-6 Wochen.

Zielgerichtete Therapien

Zielgerichtete Medikamente haben spezifische Nebenwirkungen auf das kardiovaskuläre System.

WirkstoffgruppeBeispieleTypische kardiale NebenwirkungenMonitoring
HER2-InhibitorenTrastuzumab, PertuzumabLV-Dysfunktion, HerzinsuffizienzEKG, Echo, Troponin
VEGFR-InhibitorenSorafenib, SunitinibArterielle Hypertonie (bis 80 %), IschämieBlutdruckkontrollen
BCR-ABL-InhibitorenDasatinib, NilotinibPulmonalarterielle Hypertonie, QTc-VerlängerungEKG, Lipide, Blutdruck
Bruton-Kinase-InhibitorenIbrutinibVorhofflimmern (bis 7,5 %), ArrhythmienEKG
ProteasominhibitorenCarfilzomib, BortezomibHerzinsuffizienzEcho, NT-proBNP

Bei VEGFR-Inhibitor-induzierter Hypertonie sind ACE-Hemmer/AT1-Blocker, β-Blocker und Nicht-Dihydropyridin-Kalziumantagonisten Mittel der ersten Wahl.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie vor Beginn einer ICI-Therapie immer Troponin, EKG und LVEF als Ausgangsbefunde. Bei Verdacht auf eine ICI-Myokarditis muss die Therapie sofort pausiert und hochdosiert Steroide gegeben werden.

Häufig gestellte Fragen

Die meisten Fälle (bis zu 81 %) treten in den ersten 3 Monaten nach Beginn der Therapie auf.
Die Basistherapie besteht aus einer gewichtsadaptierten Steroidgabe (1-2 mg/kg Prednisolon i.v. oder oral), die über 4 bis 6 Wochen ausgeschlichen wird.
Bei Überschreitung einer kumulativen Dosis von 400 mg/m2 Doxorubicin steigt das Risiko für eine linksventrikuläre Dysfunktion exponentiell an.
Fluoropyrimidine wie 5-FU können durch Vasospasmen der Koronararterien transiente Angina pectoris bis hin zum akuten Myokardinfarkt auslösen.
Vor Therapiebeginn, alle 3 Monate unter der Therapie sowie alle 6 Monate bis 2 Jahre nach Therapieende.

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