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Onkopedia/DGHOOnkologie

AL-Amyloidose: Leitlinie zur Diagnostik & Therapie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia/DGHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die AL-Amyloidose ist eine Proteinfaltungskrankheit, die meist durch eine zugrundeliegende monoklonale Gammopathie (oft Lambda-Leichtketten) verursacht wird.
  • Die Diagnose erfordert zwingend eine Gewebsbiopsie mit Nachweis Kongorot-positiver Amyloidablagerungen.
  • Das Ausmaß der Herzbeteiligung (gemessen an NT-proBNP und cTnT) ist der wichtigste prognostische Faktor.
  • Die Erstlinientherapie erfolgt risikoadaptiert; bei mittlerem Risiko ist Dara-CyBorD der Standard.
  • Eine Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation ist nur für ausgewählte Niedrigrisiko-Patienten geeignet.
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Hintergrund

Die Leichtketten (AL)-Amyloidose gehört zu den systemischen Amyloidosen. Es handelt sich um eine Proteinfehlfaltungskrankheit, bei der sich unlösliche fibrilläre Aggregate extrazellulär ablagern und zu lebensbedrohlichen Organschäden führen. In ca. 90 % der Fälle liegt eine Plasmazelldyskrasie (monoklonale Gammopathie oder asymptomatisches multiples Myelom) zugrunde. Das amyloidogene Paraprotein ist zu etwa 80 % eine Lambda-Leichtkette.

Klinisches Bild und Symptome

Frühsymptome wie Müdigkeit und Gewichtsverlust sind unspezifisch. Organbezogene Symptome treten meist erst bei fortgeschrittener Schädigung auf. Die betroffenen Organe bestimmen die klinische Präsentation:

OrganSymptomeAbklärung
HerzDyspnoe bei Belastung, Ödeme, Hypotonie, Ruhetachykardie, HalsvenenstauungEKG, Echokardiografie, Kardio-MRT, NT-proBNP
NiereÖdeme (nephrotisches Syndrom)Protein/Albumin im 24h-Sammelurin oder Spontanurin
Magen-DarmInappetenz, Gewichtsverlust, Diarrhoe, GI-BlutungenEndoskopie mit Biopsien
LeberHarte Hepatomegalie, AszitesSonografie, AP, gamma-GT
NervensystemSensomotorische Polyneuropathie, Orthostase, BlasenentleerungsstörungENG, EMG, Schellong-Test
WeichteileMakroglossie, periorbitale Hauteinblutungen, HeiserkeitFaktor X Messung

Diagnostik

Die Diagnose ist nur per Gewebsbiopsie möglich. Es müssen Kongorot-positive Amyloidablagerungen nachgewiesen werden, die polarisationsoptisch eine grüne oder rot-gelbliche Doppelbrechung aufweisen.

  • Screening-Biopsien: Subkutanes Fettgewebe, Haut, Knochenmark oder Magen-Darm-Trakt (Duodenum, Rektum).
  • Direkte Organbiopsie: Bei negativem Screening und dringendem Therapiebedarf sollte das symptomatische Organ direkt biopsiert werden.
  • Typisierung: Eine exakte Typisierung des Amyloids (meist immunhistologisch) ist zwingend erforderlich, um andere Formen (z. B. ATTR-Amyloidose) auszuschließen.

Stadieneinteilung

Die Prognose wird maßgeblich durch den kardialen Befall bestimmt. Die europäisch modifizierte Mayo-Clinic-Stadieneinteilung nutzt die kardialen Biomarker cTnT und NT-proBNP:

StadiumcTnT (ng/ml)NT-proBNP (pg/ml)Medianes Überleben
I< 0.035< 332130 Monate
II> 0.035 ODER> 33254 Monate
IIIa> 0.035 UND> 332 (aber ≤ 8500)24 Monate
IIIb> 0.035 UND> 85004 Monate

Therapie

Ziel der Therapie ist die Reduktion der Amyloid-bildenden Leichtketten durch eine Immun-Chemotherapie. Die Auswahl richtet sich nach dem Risikoprofil der Patienten:

  • Niedrigrisiko (ca. 20 %): Patienten < 65-70 Jahre mit guter Organfunktion (Mayo-Stadium < 3) sind primär für eine Hochdosis-Melphalantherapie (200 mg/m²) mit autologer Stammzelltransplantation geeignet. Eine Induktionstherapie (z. B. Dara-CyBorD) wird bei einer Knochenmarkinfiltration > 10 % empfohlen.
  • Mittleres Risiko (ca. 60 %): Patienten im Mayo-Stadium I-IIIa erhalten als Standard die Kombination Dara-CyBorD (Daratumumab, Cyclophosphamid, Bortezomib, Dexamethason). Eine Alternative ist VMDex (Bortezomib, Melphalan, Dexamethason).
  • Hochrisiko (ca. 20 %): Patienten im Mayo-Stadium IIIb haben ein hohes Risiko für therapieassoziierte Komplikationen. Hier kommen dosisreduzierte Monotherapien oder Zweierkombinationen (z. B. Daratumumab-low-dose-Dexa) zum Einsatz.

Verlaufskontrolle

Das Organansprechen folgt der hämatologischen Remission meist erst nach Monaten bis Jahren. Bei kompletter Remission sollten im ersten Jahr Laborkontrollen alle 3 Monate erfolgen, danach halbjährlich. Bei allen anderen Patienten sind dauerhaft Kontrollen alle 3 bis 4 Monate notwendig.

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei unklarer Herzinsuffizienz (insbesondere HFpEF) oder neu aufgetretenem nephrotischem Syndrom immer an eine AL-Amyloidose. Führen Sie eine Diagnostik auf monoklonale Gammopathie durch und veranlassen Sie frühzeitig eine Biopsie (z. B. subkutanes Fettgewebe), um irreversible Organschäden zu verhindern.

Häufig gestellte Fragen

Die Diagnose erfordert eine Gewebsbiopsie (z. B. aus subkutanem Fett, Knochenmark oder Magen-Darm-Trakt) mit Kongorot-Färbung. Im polarisierten Licht zeigt das Amyloid eine typische grüne oder rot-gelbliche Doppelbrechung.
Die kardialen Biomarker NT-proBNP und kardiales Troponin T (cTnT) werden für die modifizierte Mayo-Stadieneinteilung genutzt und bestimmen maßgeblich die Prognose.
Für Patienten mit mittlerem Risiko (Mayo-Stadium I-IIIa) ist die Kombination Dara-CyBorD (Daratumumab, Cyclophosphamid, Bortezomib, Dexamethason) der aktuelle Therapiestandard.
Nein. Eine Tracer-Anreicherung in der Skelettszintigrafie (Perugini-Score) spricht zwar meist für eine ATTR-Amyloidose, kann aber auch bei AL-Amyloidose auftreten. Bei Vorliegen einer monoklonalen Gammopathie ist eine Biopsie zwingend erforderlich.
Nur etwa 20 % der Patienten erfüllen die Kriterien: Alter < 65-70 Jahre, gute Organfunktion (Kreatinin-Clearance > 50 ml/min), Mayo-Stadium < 3 und keine fortgeschrittene Herzinsuffizienz.

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