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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Kardiomyopathien: ESC/DGK Leitlinie 2023

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Klassifikation von Kardiomyopathien erfolgt phänotyp-basiert (HCM, DCM, NDLVC, ARVC, RCM) als Ausgangspunkt für die ätiologische Diagnostik.
  • Eine multimodale Bildgebung inklusive kontrastverstärkter kardialer MRT (CMR) wird bei der Erstuntersuchung aller Patienten empfohlen.
  • Genetische Beratung und Diagnostik spielen eine zentrale Rolle für Indexpatienten und das Familienscreening.
  • Bei Vorhofflimmern und HCM oder kardialer Amyloidose ist eine Antikoagulation unabhängig vom CHA2DS2-VASc-Score indiziert.
  • Die Indikation zur ICD-Implantation erfordert eine regelmäßige, umfassende Risikostratifizierung für den plötzlichen Herztod (SCD).
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Hintergrund

Die aktuelle ESC/DGK-Leitlinie (2023) empfiehlt einen phänotyp-basierten Ansatz für die Diagnose und das Management von Kardiomyopathien. Eine Kardiomyopathie ist definiert als eine strukturelle und funktionelle Abweichung des Herzmuskels, die nicht durch Koronare Herzkrankheit (KHK), Hypertonie, Klappenerkrankungen oder angeborene Herzfehler erklärt werden kann. Die Identifizierung des Phänotyps ist der erste essenzielle Schritt zur Bestimmung der zugrunde liegenden Ätiologie.

Phänotypen der Kardiomyopathie

Die Leitlinie teilt Kardiomyopathien in fünf Hauptphänotypen ein:

PhänotypDefinition
HCM (Hypertrophe CMP)Erhöhte linksventrikuläre Wanddicke oder -masse ohne abnorme Belastungsbedingungen.
DCM (Dilatative CMP)Linksventrikuläre Dilatation und globale/regionale systolische Dysfunktion.
NDLVC (Nicht-dilatative linksventrikuläre CMP)Nicht-ischämische Narbe oder fibrolipomatöser Ersatz, unabhängig von Wandbewegungsstörungen.
ARVC (Arrhythmogene rechtsventrikuläre CMP)Dominierende rechtsventrikuläre Dilatation/Dysfunktion mit histologischer Beteiligung oder EKG-Anomalien.
RCM (Restriktive CMP)Restriktive Pathophysiologie bei normalem/reduziertem diastolischen Volumen und normaler Wanddicke.

Diagnostik und Bildgebung

Die Erstuntersuchung erfordert einen multiparametrischen Ansatz aus klinischer Untersuchung, Stammbaumanalyse, EKG, Langzeit-EKG, Labor und multimodaler Bildgebung (Klasse I).

  • Echokardiographie: Wird bei allen Patienten zur Erstuntersuchung und Nachsorge empfohlen, um Dimensionen sowie systolische und diastolische Funktion zu bewerten (Klasse I).
  • Kardiale Magnetresonanztomographie (CMR): Eine kontrastverstärkte CMR wird bei der Erstuntersuchung aller Patienten empfohlen (Klasse I). Sie liefert entscheidende Hinweise zur Gewebecharakterisierung (z.B. Late Gadolinium Enhancement, LGE).
PhänotypTypischer CMR-BefundMögliche spezifische Ätiologie
HCMInferolaterales LGE, niedrige native T1-ZeitMorbus Fabry
HCMDiffuses subendokardiales LGE, hohe T1-ZeitAmyloidose
DCMSubepikardiales LGEPostmyokarditis
NDLVCRingförmiges und/oder subepikardiales LGEDesmoplakin-Varianten
ARVCFett und LGE (transmural RV)Desmosomale Varianten

Genetische Diagnostik und Beratung

Die Genetik spielt eine zentrale Rolle im Management. Eine genetische Beratung wird für Familien mit einer (vermuteten) vererbten Kardiomyopathie empfohlen (Klasse I).

  • Index-Patienten: Genetische Diagnostik wird empfohlen, wenn sie Diagnose, Prognose oder Therapie beeinflusst oder ein Kaskadenscreening der Verwandten ermöglicht (Klasse I).
  • Familienmitglieder: Erwachsenen Risikoverwandten wird eine genetische Diagnostik angeboten, wenn beim Index-Patienten eine pathogene/wahrscheinlich pathogene (P/LP) Variante gefunden wurde (Klasse I).

Management von Vorhofflimmern

Vorhofflimmern (AF) ist die häufigste Arrhythmie bei Kardiomyopathien. Die Indikation zur oralen Antikoagulation unterscheidet sich je nach Phänotyp:

PhänotypIndikation zur oralen AntikoagulationEmpfehlungsgrad
HCM / AmyloidoseBei Vorhofflimmern/-flattern immer indiziertKlasse I
DCM / NDLVC / ARVCCHA2DS2-VASc-Score ≥ 2 (Männer) oder ≥ 3 (Frauen)Klasse I
DCM / NDLVC / ARVCCHA2DS2-VASc-Score 1 (Männer) oder 2 (Frauen)Klasse IIa
RCMSollte erwogen werdenKlasse IIa

Die Katheterablation wird zur Rhythmuskontrolle nach Versagen oder Unverträglichkeit von Antiarrhythmika (Klasse I oder III) empfohlen (Klasse I).

Prävention des plötzlichen Herztodes (SCD)

Eine umfassende SCD-Risikostratifizierung wird bei der Erstuntersuchung und alle 1-2 Jahre empfohlen (Klasse I).

  • Sekundärprävention: Eine ICD-Implantation wird empfohlen bei überlebtem Herzstillstand (VT/VF) oder hämodynamisch relevanter VT bei allen Phänotypen, sofern reversible Ursachen ausgeschlossen sind (Klasse I).
  • Primärprävention: Die Nutzung validierter SCD-Risiko-Scores wird bei HCM empfohlen (Klasse I) und sollte bei DCM, NDLVC und ARVC erwogen werden (Klasse IIa).

Nachsorge

Klinisch stabile Patienten sollten alle 1 bis 2 Jahre routinemäßig mit einem EKG und einer Echokardiographie nachuntersucht werden (Klasse I). Bei wesentlichen Veränderungen der Symptome ist eine sofortige Reevaluation indiziert.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie die kontrastverstärkte kardiale MRT (CMR) standardmäßig bei der Erstdiagnostik jeder Kardiomyopathie. Achten Sie bei Patienten mit HCM und Vorhofflimmern darauf, dass eine orale Antikoagulation unabhängig vom CHA2DS2-VASc-Score zwingend indiziert ist.

Häufig gestellte Fragen

Eine kontrastverstärkte kardiale MRT wird bei der Erstuntersuchung aller Patienten mit Kardiomyopathie empfohlen (Klasse I), um die Gewebecharakterisierung und ätiologische Zuordnung zu erleichtern.
Ja, bei Patienten mit HCM oder kardialer Amyloidose und Vorhofflimmern/-flattern ist eine orale Antikoagulation zur Thromboembolieprophylaxe unabhängig von Risiko-Scores immer empfohlen.
Wenn beim Index-Patienten eine pathogene oder wahrscheinlich pathogene (P/LP) Genvariante gefunden wurde, wird ein genetisches Kaskadenscreening beginnend bei Verwandten ersten Grades empfohlen.
NDLVC steht für nicht-dilatative linksventrikuläre Kardiomyopathie. Sie ist gekennzeichnet durch nicht-ischämische Narben oder fibrolipomatösen Ersatz im linken Ventrikel, unabhängig vom Vorhandensein von Wandbewegungsstörungen.
Klinisch stabile Patienten sollten alle 1 bis 2 Jahre routinemäßig mit einem EKG und einer Echokardiographie nachuntersucht werden.

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