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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

ESC-Leitlinie Kardio-Onkologie 2022: Zusammenfassung (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Vor jeder Krebstherapie wird eine kardiovaskuläre Risikostratifizierung mittels HFA-ICOS-Fragebögen empfohlen.
  • Die krebstherapiebedingte kardiale Dysfunktion (CTRCD) wird in symptomatische und asymptomatische Formen unterteilt.
  • Zur echokardiographischen Überwachung sollen bevorzugt die 3D-LVEF und der Global Longitudinal Strain (GLS) genutzt werden.
  • Bei Krebspatienten mit hohem Risiko unter Anthrazyklin- oder Anti-HER2-Therapie sollten ACE-Hemmer/Sartane und Betablocker erwogen werden.
  • Bei einer Immuncheckpoint-Inhibitor-assoziierten Myokarditis ist die sofortige Gabe von hochdosiertem Methylprednisolon (500-1000 mg i.v.) indiziert.
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Hintergrund

Aufgrund des längeren Überlebens von Krebspatienten gewinnt die Kardio-Onkologie zunehmend an Bedeutung. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat 2022 in Kooperation mit weiteren Fachgesellschaften (EHA, ESTRO, IC-OS) die erste europäische Leitlinie zu diesem Thema veröffentlicht. Ziel ist die strukturierte Prävention, Diagnostik und Therapie der krebstherapiebedingten kardialen Dysfunktion (CTRCD).

Definition der CTRCD

Die Leitlinie übernimmt die Definition der IC-OS, welche die CTRCD in symptomatische (Herzinsuffizienz, HF) und asymptomatische Formen unterteilt:

FormSchweregradKriterien
SymptomatischSehr hochgradigHF mit Notwendigkeit für inotrope/mechanische Unterstützung oder Transplantation
HochgradigHospitalisierung wegen HF erforderlich
MäßigAmbulante Intensivierung der Diuretika-/HF-Therapie nötig
MildLeichte HF-Symptome, keine Therapieintensivierung nötig
AsymptomatischHochgradigNeue LVEF-Reduktion auf < 40 %
MäßigNeue LVEF-Reduktion um > 10 Prozentpunkte auf 40–49 % ODER Reduktion um < 10 Prozentpunkte auf 40–49 % UND relativer GLS-Rückgang > 15 % ODER neuer Biomarker-Anstieg
MildLVEF > 50 % UND relativer GLS-Rückgang > 15 % UND/ODER neuer Biomarker-Anstieg

Risikostratifizierung und Diagnostik

Vor Beginn einer Krebstherapie wird bei jedem Patienten eine kardiovaskuläre Risikostratifizierung empfohlen (Klasse-I-Empfehlung). Hierfür sollen die HFA-ICOS-Risikostratifizierungs-Fragebögen genutzt werden (Klasse-IIa), um Patienten in geringes, mäßiges, hohes oder sehr hohes Risiko einzuteilen.

Zur Basisdiagnostik gehören:

  • Ruhe-EKG: Inklusive Messung der QTcF-Zeit (Normalwerte: Männer bis 450 ms, Frauen bis 460 ms).
  • Kardiale Biomarker: Bestimmung von BNP/NT-proBNP und/oder kardialem Troponin vor Therapiebeginn, wenn diese auch im Verlauf gemessen werden sollen.
  • Echokardiographie: Primäres Bildgebungsverfahren. Es soll bevorzugt die 3D-Echokardiographie zur LVEF-Bestimmung sowie die Messung des Global Longitudinal Strain (GLS) genutzt werden (Klasse-I).
  • Kardiales MRT: Sollte erwogen werden, wenn die Echokardiographie nicht aussagekräftig ist (Klasse-IIa).

Primärprävention

Die Einstellung kardiovaskulärer Risikofaktoren soll gemäß den ESC-Leitlinien zur Prävention erfolgen. Spezifische medikamentöse Empfehlungen bei hohem/sehr hohem Risiko für kardiovaskuläre Toxizität umfassen:

  • ACE-Inhibitoren/AT1-Antagonisten und Betablocker (bevorzugt Carvedilol, alternativ Bisoprolol, Metoprololsuccinat, Nebivolol) unter Anthrazyklin-, Anti-HER2- oder zielgerichteter Therapie (Klasse-IIa).
  • Statine bei allen erwachsenen Krebspatienten mit hohem/sehr hohem Risiko (Klasse-IIa).
  • Liposomales Anthrazyklin oder Dexrazoxan bei Indikation für Anthrazykline und hohem/sehr hohem Risiko (Klasse-IIa).

Management der CTRCD unter Anthrazyklinen

Bei Auftreten einer kardiovaskulären Toxizität soll ein kardio-onkologisch erfahrener Kardiologe hinzugezogen werden. Die Therapieentscheidung erfolgt im multidisziplinären Team (MDT).

CTRCD-SchweregradOnkologische StrategieKardiologische Strategie
Symptomatisch (Sehr hoch/hoch)Anthrazykline beendenHF-Therapie etablieren
Symptomatisch (Mäßig)Anthrazykline unterbrechenHF-Therapie etablieren
Asymptomatisch (Hoch/mäßig)Anthrazykline unterbrechenACE-I/ARB und/oder Betablocker
Asymptomatisch (Mild)Anthrazykline fortsetzen (mit Überwachung)ACE-I/ARB und/oder Betablocker erwägen

Immuncheckpoint-Inhibitor (ICI) assoziierte Myokarditis

Bei einer gesicherten ICI-bedingten Myokarditis muss sofort gehandelt werden:

  • Absetzen des ICI, Krankenhauseinweisung und EKG-Überwachung (Klasse-I).
  • Methylprednisolon: 500–1000 mg i.v. Bolus einmal täglich für mindestens 3 Tage (Klasse-I).
  • Bei Therapieansprechen: Wechsel auf orales Prednisolon (1 mg/kg/Tag) mit schrittweiser Reduktion.
  • Bei fulminanter/steroidrefraktärer Myokarditis: Intensivstation, mechanische Kreislaufunterstützung und Zweitlinien-Immunsuppression.

Schwangerschaft

Schwangere Krebspatientinnen mit geplanter kardiotoxischer Therapie sollen in spezialisierten Zentren (Schwangerschaft-Herz-Team) betreut werden. Wird während der Schwangerschaft eine Anthrazyklin-Therapie durchgeführt, sind vor Beginn und danach alle 4 bis 8 Wochen eine Echokardiographie und ein Ruhe-EKG indiziert (Klasse-I).

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie kardiale Biomarker (Troponin, BNP/NT-proBNP) stets vor Beginn der Krebstherapie als Ausgangswert. Ein einzelner Wert unter laufender Therapie hat ohne Baseline-Vergleich nur eine sehr begrenzte Aussagekraft.

Häufig gestellte Fragen

Die Diagnose erfolgt echokardiographisch durch einen Abfall der LVEF und/oder einen relativen Rückgang des Global Longitudinal Strain (GLS) um >15 % sowie durch einen Anstieg kardialer Biomarker (Troponin, BNP/NT-proBNP).
Bevorzugt wird Carvedilol eingesetzt (sofern keine Kontraindikationen bestehen). Alternativen sind Bisoprolol, Metoprololsuccinat oder Nebivolol.
Der ICI muss sofort abgesetzt werden. Der Patient wird stationär aufgenommen (EKG-Überwachung) und erhält hochdosiertes Methylprednisolon (500–1000 mg i.v. Bolus einmal täglich für mindestens 3 Tage).
Bei einer milden asymptomatischen CTRCD (LVEF >50 %, aber GLS-Abfall oder Biomarker-Anstieg) können Anthrazykline unter engmaschiger kardiovaskulärer Überwachung und ggf. Einleitung einer kardioprotektiven Medikation fortgesetzt werden.
Die Leitlinie empfiehlt mit einer Klasse-I-Empfehlung die Nutzung der 3D-Echokardiographie zur Bestimmung der LVEF sowie die Messung des Global Longitudinal Strain (GLS).

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