Myokarditis & Perikarditis (IMPS): ESC-Leitlinie (DGK)
📋Auf einen Blick
- •Einführung des Begriffs IMPS (Inflammatorisches Myokard- und Perikardsyndrom) als neuer Oberbegriff.
- •Die kardiale MRT (k-MRT) nimmt eine zentrale Rolle in der Diagnostik, Verlaufsbeurteilung und Risikostratifizierung ein.
- •Abkehr von der pauschalen Strategie beim Return to Sports hin zu personalisierten, bildgebungsgestützten Konzepten.
- •Einsatz von Anti-IL-1-Antikörpern als neue Therapieoption bei komplexer, rezidivierender Perikarditis.
- •Die Endomyokardbiopsie (EMB) bleibt bei unklaren oder hochriskanten Verläufen relevant.
Hintergrund
Die neue ESC-Leitlinie (2025) führt erstmalig den Begriff des inflammatorischen Myokard- und Perikardsyndroms (IMPS) ein. Dieser dient als Oberbegriff für das gesamte Spektrum entzündlicher Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen, einschließlich Myokarditis, Perikarditis und Übergangsformen (Myoperikarditis, Perimyokarditis). Die Leitlinie betont die enge anatomische und klinische Überlappung dieser Erkrankungen.
Diagnostik des IMPS
Die Diagnosestellung erfolgt über einen multimodalen, nichtinvasiven Ansatz. Die kardiale Magnetresonanztomographie (k-MRT) wird als zentrales Werkzeug etabliert.
| Diagnostik-Baustein | Stellenwert / Indikation |
|---|---|
| Basisdiagnostik | Klinische Beurteilung, EKG, Biomarker, Echokardiographie |
| k-MRT | Zentrale Rolle für Diagnose, Krankheitsstadium, Therapieplanung und Risikostratifizierung |
| Endomyokardbiopsie (EMB) | Relevant bei unklarem oder hochriskantem Verlauf zur histopathologischen Sicherung |
| Genetische Abklärung | Erwogen bei rezidivierendem IMPS (Suche nach autoinflammatorischer/familiärer Komponente) |
Die zentrale Rolle der kardialen MRT (k-MRT)
Die k-MRT ermöglicht eine präzise Gewebecharakterisierung. Sie ist unverzichtbar, da sie strukturelle und entzündliche Veränderungen im Myokard detailliert sichtbar macht.
| Entzündungsstadium | MRT-Befund / Nutzen |
|---|---|
| Aktive Entzündung | Nachweis von myokardialem Ödem und akuten strukturellen Veränderungen |
| Abgelaufene/Abgeheilte Entzündung | Differenzierung zu akuten Phasen, Nachweis von Myokardfibrose |
| Verlaufskontrolle | Kontrolluntersuchungen werden nach 6 und 12 Monaten empfohlen |
Therapie und Management
Die Behandlung erfolgt anhand symptomorientierter Behandlungspfade (z. B. bei Brustschmerzen, Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz).
| Therapie-Stufe / Bereich | Maßnahmen und Optionen |
|---|---|
| Basistherapie | Basismanagement der Herzinsuffizienz, antiphlogistische Behandlung |
| Erweiterte Therapie | Gezielte ursachenorientierte Behandlung bei genetischen/autosomalen Ursachen |
| Gerätetherapie | Implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD), tragbarer Defibrillator (WCD), mechanische Kreislaufunterstützung |
| Perikarditis (spezifisch) | Anti-IL-1-Antikörper als neue Option bei komplexen, rezidivierenden Fällen |
Return to Sports und Nachsorge
Die bisherige pauschale "One-fits-all"-Strategie für die Rückkehr zum Sport wurde abgelöst. Die Leitlinie empfiehlt nun eine personalisierte, multimodale Nachsorge. Die Dauer der Belastungseinschränkung wird individuell anhand des Krankheitsbildes, der Schwere und der bildgebenden Kontrolle (insbesondere k-MRT) festgelegt.
Warnzeichen (Red Flags) und Interdisziplinarität
Die frühzeitige Erkennung von "Red Flags" (Hinweise auf systemische Beteiligung oder komplizierte Verläufe) ist essenziell, um eine rasche Überweisung und intensivere Betreuung zu gewährleisten. Die optimale Patientenversorgung erfordert ein interdisziplinäres Team bestehend aus:
- Kardiologie
- Rheumatologie und Immunologie
- Herzchirurgie
- Bildgebung
💡Praxis-Tipp
Planen Sie bei Patienten mit IMPS standardmäßig k-MRT-Verlaufskontrollen nach 6 und 12 Monaten ein und nutzen Sie die Bildgebung zur individuellen Steuerung der Sportkarenz ('Return to Sports').