Kardiale Sarkoidose: Leitlinie zu Diagnostik & Therapie
📋Auf einen Blick
- •Die kardiale Sarkoidose manifestiert sich häufig durch AV-Blöcke, ventrikuläre Arrhythmien oder eine Herzinsuffizienz.
- •Kardiale MRT und FDG-PET sind die bildgebenden Verfahren der Wahl zur Detektion von aktiver Inflammation und Fibrose.
- •Eine endomyokardiale Biopsie sollte idealerweise bildgesteuert erfolgen, um die Trefferquote zu erhöhen.
- •Die medikamentöse Basistherapie besteht aus Kortikosteroiden (initial 30-60 mg Prednison/Tag) für mindestens 24 Monate.
- •Aufgrund des hohen Risikos für einen plötzlichen Herztod ist die Indikation zur ICD-Implantation großzügig zu prüfen.
Hintergrund
Die Sarkoidose ist eine inflammatorische, granulomatöse Systemerkrankung unklarer Ätiologie. Während meist Lunge und Lymphknoten betroffen sind, manifestiert sich eine kardiale Sarkoidose klinisch in weniger als 10 % der Fälle. Autoptisch zeigt sich jedoch eine kardiale Mitbeteiligung bei bis zu 30 % der Patienten. Die Erkrankung kann zu schweren Komplikationen wie Herzinsuffizienz und malignen Herzrhythmusstörungen führen.
Klinische Manifestation
Die kardiale Sarkoidose manifestiert sich typischerweise als dilatative Kardiomyopathie oder durch Rhythmusstörungen.
| Klinische Manifestation | Prävalenz in Studien |
|---|---|
| AV-Block | 26–62 % |
| Schenkelblock | 12–61 % |
| Ventrikuläre Tachykardie (VT) | 2–42 % |
| Herzinsuffizienz | 10–30 % |
| Plötzlicher Herztod | 12–65 % |
| Supraventrikuläre Tachykardie | 0–15 % |
Diagnostik
Bei unklaren Rhythmusstörungen (v. a. bei Patienten <50 Jahre) oder neu aufgetretener Herzinsuffizienz bei bekannter Sarkoidose muss eine kardiale Beteiligung ausgeschlossen werden.
- EKG / Langzeit-EKG: Häufig zeigen sich AV-Blöcke, intraventrikuläre Leitungsstörungen oder ventrikuläre Arrhythmien.
- Echokardiographie: Unspezifische Befunde wie veränderte Septumdicke, Wandbewegungsstörungen oder diastolische/systolische Dysfunktion.
- Kardiale MRT (CMR): Methode der Wahl zur Detektion von Ödemen/Inflammation (T2-Mapping) und Fibrosierung (Late Gadolinium Enhancement, LGE).
- FDG-PET: Sensitives Verfahren zur Evaluation aktiv inflammatorischer Prozesse. Oft in Kombination mit Perfusionsszintigraphie oder als PET/MRT-Hybridbildgebung.
- Endomyokardbiopsie (EMB): Dient der definitiven Diagnosesicherung. Sollte bildgesteuert (nach MRT/PET) erfolgen, um die Trefferquote bei inhomogenem Befall zu erhöhen.
Differenzialdiagnosen in der MRT
| Differenzialdiagnose | T2-Wichtung (Ödem) | Late Gadolinium Enhancement (LGE) | Cine-MRT |
|---|---|---|---|
| Sarkoidose | Myokardiales Ödem | Basale Segmente, subepikardial (lateral), intramural (Septum), RV-Beteiligung möglich | LV- und RV-EF normal bis hochgradig reduziert |
| Myokarditis | Myokardiales Ödem | Subepikardial fleckig LV-Lateralwand, intramural Septum, RV-Beteiligung selten | LV- und RV-EF normal bis hochgradig reduziert |
| ARVC | Kein Ödem | RV-freie Wand, Septum | RV vergrößert, RV-EF reduziert |
Therapie
Die Therapie ruht auf drei Säulen: Immunsuppression, Herzinsuffizienzmedikation und Device-Therapie.
Immunsuppressive Stufentherapie
| Stufe | Therapie | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1 | Kortikosteroide | Initial 30–60 mg/Tag Prednison. Sukzessive Reduktion auf 10–15 mg Erhaltungsdosis. Gesamtdauer mind. 24 Monate. |
| 2 | Methotrexat / Azathioprin | Bei Nichtansprechen auf Steroide nach 6 Monaten, Krankheitsprogression oder Steroidunverträglichkeit. |
| 3 | Biologicals (Infliximab / Adalimumab) | Im Einzelfall bei therapierefraktärer Inflammation (interdisziplinäre Entscheidung). |
Device-Therapie und Rhythmuskontrolle
- Schrittmacher: Indiziert bei komplettem AV-Block oder höhergradigen bradykarden Leitungsstörungen.
- ICD-Therapie: Großzügige Indikationsstellung aufgrund des hohen Risikos für den plötzlichen Herztod. Indiziert bei sVT, AV-Block II° Mobitz/III°, LVEF <35 % oder ausgeprägtem LGE in der MRT.
- Herzinsuffizienz: Standardisierte medikamentöse Therapie nach aktuellen Leitlinien.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie vor einer geplanten endomyokardialen Biopsie stets eine kardiale MRT oder FDG-PET durch. Die bildgesteuerte Probenentnahme aus aktiven inflammatorischen Arealen erhöht die diagnostische Trefferquote signifikant.