Onkologische Kardiologie: DGK-Curriculum 2025
📋Auf einen Blick
- •Das Curriculum standardisiert die kardiologische Mitbetreuung von Krebspatienten unter potenziell kardiotoxischen Therapien.
- •Die Zusatzqualifikation ist in drei Stufen unterteilt: Grundlagen, Basisversorgung und spezialisierte Versorgung.
- •Voraussetzung ist der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie sowie der Nachweis spezifischer echokardiographischer Kenntnisse (inkl. GLS).
- •Eine zeitlich befristete Übergangsregelung ermöglicht erfahrenen Onkokardiologen den Erwerb des Zertifikats ohne formales Durchlaufen des Curriculums.
Hintergrund
Patienten mit Krebserkrankungen weisen ein hohes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse auf. Dies resultiert aus gemeinsamen Risikofaktoren sowie dem Einsatz potenziell kardiotoxischer Medikamente und thorakaler Radiotherapie. Aufgrund der verbesserten Prognose durch moderne Krebstherapien treten späte kardiotoxische Nebenwirkungen immer häufiger auf. Das Curriculum der DGK zielt darauf ab, einen Ausbildungsstandard für Kardiologen zu etablieren, um eine standardisierte Nutzen-Risiko-Abwägung und Mitbetreuung zu gewährleisten.
Struktur der Zusatzqualifikation
Das Curriculum ist in drei aufeinander aufbauende Stufen unterteilt. Die maximale Qualifikationsdauer beträgt 36 Monate.
| Stufe | Bezeichnung | Wesentliche Voraussetzungen |
|---|---|---|
| Stufe 1 | Grundlagen | Facharzt Kardiologie, 50 spezifische Echokardiographien, allgemeiner Akademiekurs |
| Stufe 2 | Basisversorgung | Erfüllung Stufe 1, 30 dokumentierte ambulante onkokardiologische Fälle (in 12 Monaten) |
| Stufe 3 | Spezialisierte Versorgung | Erfüllung Stufe 2, spezieller Akademiekurs, 3 Monate Rotation Onkologie (oder 10 Tumorboards/100 Fälle) |
Diagnostische Schwerpunkte
Ein zentraler Baustein ist die kardiale Bildgebung zur Risikostratifizierung und Detektion von Toxizitäten.
- Echokardiographie: Zwingend erforderlich sind Kenntnisse im Deformations-Imaging (speziell Global Longitudinal Strain, GLS), der 3D-Echokardiographie sowie der Beurteilung der diastolischen Funktion und des pulmonalarteriellen Drucks.
- Weitere Bildgebung: Indikationsstellung für Kardio-MRT (z.B. bei inflammatorischer Kardiomyopathie durch Immuncheckpoint-Inhibitoren) und PET-CT.
- Biomarker: Bewertung kardialer Biomarker im Rahmen therapiespezifischer Verlaufsprotokolle.
Spezifische kardiovaskuläre Nebenwirkungen
Das Curriculum fordert detailliertes Wissen zu den Wirkmechanismen und Nebenwirkungen folgender Therapieklassen:
| Therapieklasse | Typische kardiovaskuläre Nebenwirkungen (Beispiele) |
|---|---|
| Klassische Chemotherapie (z.B. Anthrazykline, Fluoropyrimidine) | Einschränkung der LVEF, Koronarspasmen, pulmonale Hypertonie |
| Zielgerichtete Therapien (z.B. Tyrosinkinaseinhibitoren) | Transiente Kardiomyopathien, arterielle Hypertonie |
| Immuntherapien (CTLA4-, PD-1/PDL-1-Inhibitoren) | Immuncheckpoint-assoziierte Myokarditis |
| Radiotherapie | Akute und Langzeitnebenwirkungen, CIED-Interaktionen |
Anforderungen an Ausbildungsstätten (ab Stufe 2)
Zertifizierte Stätten müssen eine spezifische Struktur aufweisen:
- Etablierte Ambulanz für Onkokardiologie mit mindestens 50 Behandlungsfällen im letzten Jahr.
- 24-Stunden-Verfügbarkeit von kardialen Biomarkern.
- State-of-the-art-Echogerät.
- Regelmäßige interdisziplinäre Fallkonferenzen (Tumorboards).
- Der Leiter der Zusatzqualifikation muss mindestens in der angestrebten Stufe zertifiziert sein und 5 Jahre Erfahrung aufweisen.
Übergangsregelung
Für erfahrene Fachärzte gilt eine Übergangsregelung (gültig für 2 Jahre ab Publikation): Wer in mindestens einem der letzten 5 Jahre klinisch auf dem Gebiet der onkologischen Kardiologie tätig war und seit mindestens 12 Monaten Facharzt ist, kann das Zertifikat ohne formales Durchlaufen des Curriculums beantragen. Die geforderten Mindestzahlen müssen vom Einrichtungsleiter bestätigt werden.
💡Praxis-Tipp
Prüfen Sie, ob Sie unter die Übergangsregelung fallen: Wenn Sie bereits schwerpunktmäßig onkokardiologisch arbeiten, können Sie das Zertifikat innerhalb von 2 Jahren nach Publikation ohne die Kursteilnahmen beantragen.