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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Chronisches Koronarsyndrom (CCS): ESC-Leitlinie (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der Begriff 'stabile KHK' wird durch 'chronisches Koronarsyndrom' (CCS) ersetzt, um die Dynamik der Erkrankung zu betonen.
  • Dyspnoe wird als eigenständiges Leitsymptom neben der Angina pectoris gewertet.
  • Das Belastungs-EKG wird abgewertet; bildgebende Verfahren (CCTA, Stress-Echo, MRT) werden bevorzugt.
  • Der LDL-Zielwert wird auf <55 mg/dl bei gleichzeitiger Senkung um mindestens 50 % verschärft.
  • Personalisierte antithrombotische Kombinationstherapien (z. B. ASS + Rivaroxaban/Ticagrelor) werden für Hochrisikopatienten empfohlen.
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Hintergrund

Die neue ESC-Leitlinie ersetzt den Begriff der "stabilen KHK" durch das "chronische Koronarsyndrom" (CCS). Dies trägt der Dynamik atherosklerotischer Plaqueveränderungen Rechnung, die durch Lebensstiländerungen und medikamentöse Therapie stabilisiert werden können, aber jederzeit das Risiko einer Instabilität bergen.

Die Leitlinie definiert sechs klinische Szenarien für das weitere Vorgehen:

  • Verdacht auf KHK mit Angina pectoris und/oder Dyspnoe
  • Neu aufgetretene Herzinsuffizienz oder linksventrikuläre Dysfunktion und vermutete KHK
  • Asymptomatische und symptomatische Patienten <1 Jahr nach ACS oder Revaskularisation
  • Patienten >1 Jahr nach initialer Diagnose
  • Angina und vermutete epikardiale Koronarspasmen oder mikrovaskuläre Erkrankung
  • Asymptomatische Patienten (Zufallsbefund im Screening)

Diagnostik und klinische Wahrscheinlichkeit

Dyspnoe wird nun explizit als mögliches Leitsymptom einer KHK gewertet. Die Prätestwahrscheinlichkeiten (PTP) für das Vorliegen einer obstruktiven KHK wurden im Vergleich zu älteren Leitlinien deutlich nach unten korrigiert. Bei einer PTP <15 % wird von weiteren Tests abgeraten, um falsch-positive Befunde zu vermeiden.

Das neue Konzept der klinischen Wahrscheinlichkeit modifiziert die PTP durch den Einbezug von Risikofaktoren (Hypertonie, Diabetes, Rauchen, Fettstoffwechselstörungen) oder dem Agatston-Score.

Das klassische Belastungs-EKG erfährt eine deutliche Abwertung zugunsten bildgebender Verfahren.

Diagnostik-VerfahrenIndikation / StellenwertBemerkung
Koronar-CT (CCTA)Niedrige klinische WahrscheinlichkeitHohe Sicherheit zum Ausschluss epikardialer Stenosen (I B)
Ischämie-Bildgebung (Stress-Echo, PET, CMR)Hohe klinische WahrscheinlichkeitBevorzugt bei fortbestehenden Beschwerden unter Therapie
Belastungs-EKGNur als AlternativeWenn bildgebende Verfahren nicht verfügbar sind

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie ruht auf drei Säulen: Antithrombotika, Lipidsenkung und antianginöse Therapie.

Antithrombotische Therapie

Erstmals werden detaillierte Empfehlungen für Hochrisikopatienten (z. B. nach ACS, bei pAVK oder Diabetes) zur verlängerten dualen Therapie gegeben.

WirkstoffDosisIndikationEvidenz
Ticagrelor + ASS60 mg 1-0-1Nach ACS, wenn 12 Monate DAPT gut toleriertIIa A
Rivaroxaban + ASS2,5 mg 1-0-1Hochrisikokollektive (Vorsicht bei Niereninsuffizienz)IIa A
Protonenpumpeninhibitor (PPI)StandardAlle Patienten mit antithrombotischer Therapie und hohem BlutungsrisikoI A

Lipidsenkende Therapie

Es gilt das Prinzip einer intensivierten Senkung mit strengen Zielwerten.

StufeTherapieBemerkung
1Intensivierte StatintherapieZiel-LDL <55 mg/dl UND >50 % Senkung zum Ausgangswert (I A)
2Kombination mit EzetimibBei Nichterreichen des Zielwerts (I B)
3PCSK9-InhibitorBei Hochrisikopatienten unter maximal tolerierter Vormedikation (I A)

Antianginöse Therapie

Die Auswahl erfolgt individualisiert nach Herzfrequenz, Blutdruck und Komorbiditäten. Nach 2 bis 4 Wochen sollte der Therapieerfolg klinisch reevaluiert werden.

StufeStandardtherapieBei Herzfrequenz >80/minBei Herzinsuffizienz
1Betablocker oder KalziumantagonistBetablocker oder Non-DHP-KalziumantagonistBetablocker
2Kombination aus beidemBetablocker + DHP-KalziumantagonistBetablocker + Ivabradin
3+ Depot-Nitrat / Ivabradin / Ranolazin+ Ivabradin+ Depot-Nitrat / Ranolazin

Spezielle klinische Situationen

Vasospastische und mikrovaskuläre Angina

Bei Patienten mit Angina ohne obstruktive KHK wird keine Belastungsechokardiographie empfohlen, sondern die invasive Messung der koronaren Flussreserve (CFR) ggf. mit intrakoronarer Acetylcholingabe (IIa B). Die Therapie erfolgt primär mit Kalziumantagonisten und/oder Nitraten.

Revaskularisation und ISCHEMIA-Studie

Eine Revaskularisation ist indiziert bei medikamentös therapierefraktärer Angina pectoris (I A). Vor einer PCI sollte regelhaft eine funktionelle invasive Messung (FFR/iFR) erfolgen, sofern kein klarer nichtinvasiver Ischämienachweis vorliegt.

Anmerkung zur ISCHEMIA-Studie: Bei stabiler KHK mit moderater bis schwerer Ischämie zeigte eine routinemäßige invasive Strategie keinen Überlebensvorteil gegenüber einer optimalen medikamentösen Therapie, führte jedoch zu einer signifikanten Symptomreduktion. Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz (ISCHEMIA-CKD) zeigte sich sogar eine erhöhte Komplikationsrate durch die invasive Strategie.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei Patienten mit einer Vortestwahrscheinlichkeit <15 % auf weitere apparative Ischämiediagnostik, um falsch-positive Befunde zu vermeiden. Setzen Sie das Belastungs-EKG nur noch ein, wenn bildgebende Verfahren (CCTA, Stress-Echo) nicht verfügbar sind.

Häufig gestellte Fragen

Der Begriff CCS ersetzt die 'stabile KHK', um zu betonen, dass es sich um einen dynamischen Prozess handelt. Auch in stabilen Phasen besteht das allgegenwärtige Risiko einer Plaqueinstabilität und des Übergangs in ein akutes Koronarsyndrom.
Das Belastungs-EKG wurde deutlich abgewertet. Es wird nur noch als Alternative empfohlen, falls anatomische (CCTA) oder funktionelle bildgebende Verfahren (Stress-Echo, MRT, PET) nicht zur Verfügung stehen.
Der Zielwert liegt bei <55 mg/dl (<1,4 mmol/l). Gleichzeitig muss eine Senkung des LDL-Wertes um mindestens 50 % im Vergleich zum Ausgangswert erreicht werden.
Eine Revaskularisation wird empfohlen, wenn Patienten trotz optimaler medikamentöser Therapie weiterhin unter Angina pectoris leiden. Vor einer PCI sollte bei fehlendem Ischämienachweis eine funktionelle Messung (FFR/iFR) erfolgen.
Die Diagnose erfolgt invasiv durch die Messung der koronaren Flussreserve (CFR) und eine Testung mit intrakoronarer Acetylcholingabe.

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