Implantierbare Ereignisrekorder (ILR): DGK-Positionspapier
📋Auf einen Blick
- •Der ILR ist etabliert zur Rhythmusdiagnostik bei rezidivierenden, ungeklärten Synkopen nach kardiologischer Basisdiagnostik.
- •Bei kryptogenem Schlaganfall dient der ILR der erweiterten Diagnostik zum Nachweis von Vorhofflimmern.
- •Die Implantation erfolgt subkutan unter Lokalanästhesie; eine bestehende orale Antikoagulation muss nicht pausiert werden.
- •Eine telemetrische Fernnachsorge wird empfohlen, um Arrhythmien zeitnah zu detektieren und Datenverluste zu vermeiden.
- •Die ambulante Abrechnung in Deutschland ist aufgrund fehlender EBM-Ziffern aktuell stark erschwert.
Hintergrund
Der implantierbare Loop-Rekorder (ILR) ist ein subkutan implantierbares EKG-Monitorgerät zur kontinuierlichen Überwachung des Herzrhythmus über bis zu vier Jahre. Er speichert automatisch Herzrhythmusstörungen und ermöglicht patientenaktivierte Aufzeichnungen bei Symptomen.
Indikationen
Die Indikation zur ILR-Implantation richtet sich nach der zugrunde liegenden Verdachtsdiagnose und der Häufigkeit der Symptome.
| Häufigkeit der Symptome | Empfohlene EKG-Diagnostik |
|---|---|
| Täglich | 24-h-Langzeit-EKG oder stationäre Telemetrie |
| Alle 48–72 h | 24–72 h Langzeit-EKG |
| Wöchentlich | 7-Tage-Langzeit-EKG, externer Ereignisrekorder oder Patch-EKG |
| Weniger als 1-mal pro Monat | Implantierbarer Loop-Rekorder (ILR) |
Synkope
Bei rezidivierenden, ungeklärten Synkopen ist der ILR nach Abschluss der Basisdiagnostik indiziert. Die Basisdiagnostik umfasst Anamnese, körperliche Untersuchung, Schellong-Test, 12-Kanal-EKG und Labordiagnostik. Bei Hochrisikopatienten erfolgt die Implantation, wenn auch nach erweiterter (teils invasiver) Diagnostik keine Ursache gefunden wurde.
| Risikoprofil | Kriterien (Auswahl) |
|---|---|
| Major-Kriterien (Hochrisiko) | Thoraxschmerz, Atemnot, Synkope im Liegen/unter Belastung, schwere strukturelle Herzerkrankung, LVEF-Einschränkung, systolischer RR < 90 mmHg, persistierende Bradykardie < 40/min, akute Ischämiezeichen im EKG, AV-Block II° Typ Mobitz II oder III°, Brugada-Typ-I-Muster |
| Minor-Kriterien | Keine Warnsymptome, positive Familienanamnese für plötzlichen Herztod, AV-Block II° Typ Mobitz I, QTc < 340 ms |
Kryptogener Schlaganfall
Bei Patienten mit kryptogenem ischämischem Schlaganfall oder TIA wird der ILR zur Detektion von asymptomatischem Vorhofflimmern eingesetzt. Voraussetzung ist, dass die Basisdiagnostik (Bildgebung, Gefäßdarstellung, 12-Kanal-EKG, 24-h-Langzeit-EKG, Echokardiographie) unauffällig war und der Patient für eine orale Antikoagulation infrage kommt.
Weitere Indikationen (Varia)
- Nach Vorhofflimmerablation: Zur Erfolgskontrolle und Bestimmung der Vorhofflimmerlast.
- Unerklärte Stürze: Bei Verdacht auf synkopale Ereignisse (ca. 15-20 % der Stürze).
- Risikostratifikation des plötzlichen Herztods: Bei Brugada-Syndrom, Long-QT-Syndrom, hypertropher Kardiomyopathie oder arrhythmogener rechtsventrikulärer Kardiomyopathie (ARVC) mit ungeklärter Synkope.
Implantation und Explantation
Die Implantation erfolgt präkordial links parasternal unter sterilen Kautelen und Lokalanästhesie.
- Antikoagulation: Eine bestehende orale Antikoagulation muss perioperativ nicht abgesetzt werden.
- Antibiotikaprophylaxe: Intravenöse Einmalgabe eines gegen Gram-positive Kokken wirksamen Antibiotikums.
- Explantation: Indiziert bei Batterieerschöpfung, Infektion, Erreichen des diagnostischen Ziels oder auf Patientenwunsch.
Nachsorge
Eine telemetrische Fernnachsorge wird dringend empfohlen, da sie eine schnellere Detektion von Arrhythmien ermöglicht und Datenverluste durch überschriebene Speicher verhindert. Alternativ ist eine Vor-Ort-Abfrage in 3-monatigen Intervallen oder nach erneuten Symptomen durchzuführen.
Abrechnung und Vergütung
Die flächendeckende ambulante Versorgung ist in Deutschland aktuell erschwert:
- Ambulant: Keine spezifische EBM-Ziffer vorhanden. Nicht im AOP-Katalog gelistet.
- Stationär: Abrechnung über DRG (z. B. F12F) möglich, unterliegt jedoch strengen Prüfungen durch den Medizinischen Dienst (MD) bezüglich der primären Fehlbelegung.
- Alternativen: Kostenübernahme im Einzelfall oder Verträge zur Integrierten Versorgung (IGV).
💡Praxis-Tipp
Pausieren Sie eine bestehende orale Antikoagulation für die ILR-Implantation nicht. Richten Sie nach Möglichkeit immer eine telemetrische Fernnachsorge ein, um das Überschreiben von relevanten EKG-Episoden im Gerätespeicher zu verhindern.